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Es war ein warmer Maiabend in Hordel, 22.543 Zuschauer füllten das Stadion, und man roch förmlich die Mischung aus Hoffnung, Bratwurst und Nervosität. Halbfinal-Rückspiel im Liga-Pokal der 2. Liga, TuS Hordel gegen Jena - ein Duell, das anfangs nach einem offenen Schlagabtausch aussah, am Ende aber mit einem 1:2 (1:1) aus Sicht der Gastgeber endete. "Wir wollten mutig spielen, und das haben wir auch. Nur das Ergebnis ist leider weniger mutig", seufzte Hordels Trainerin Ute Finkeldy nach dem Abpfiff und sah dabei so aus, als könne sie den Spielbericht gleich selbst schreiben. Jena begann forsch, fast frech. Schon in der ersten Minute prüfte Jan Alex den Hordeler Keeper Jacob Montgomery - ein Vorgeschmack, dass die Gäste keineswegs gekommen waren, um sich hinten einzuigeln. In der 29. Minute wurde es dann ernst: Walter Jung, der Name wie aus einem alten Radiokrimi, schlich sich zentral in Position und traf nach klugem Zuspiel von Amaury Nunez zum 0:1. "Ich hab’ einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Jung später. "Der Ball war mal dort, wo wir ihn haben wollten - im Netz." Das Gegentor rüttelte Hordel wach. Zehn Minuten später, in der 39. Minute, folgte die passende Antwort: Tiago Valente, der rechts außen ständig wie ein aufgezogener Duracell-Hase unterwegs war, vollendete eine schöne Kombination über Marwin Rodriguez zum 1:1. Der Jubel war laut, die Hoffnung zurück. "Ich hab Marwin nur rufen hören - oder vielleicht war’s der Stadionsprecher, egal - und dann war der Ball drin", sagte Valente lachend. Mit 53,6 Prozent Ballbesitz hatte Hordel zwar leicht die Nase vorn, doch Jena spielte zielstrebiger. 10 Torschüsse der Gäste standen 9 der Hausherren gegenüber - Zahlen, die eine enge Partie beschreiben, aber nicht erzählen, wie oft die Fans aufsprangen, weil ein Ball knapp vorbeizischte. Nach der Pause blieb es intensiv. Hordel versuchte es mit langen Bällen - Finkeldys Plan: "Lang und weit bringt Sicherheit." Doch es war Jena, das den entscheidenden Moment fand. In der 64. Minute stürmte der junge Linksverteidiger Damian Guerrero nach vorne, bekam den Ball von Maik Weis und traf mit einem satten Schuss ins lange Eck. 2:1 für Jena. Montgomery streckte sich vergeblich, und man sah, wie der Torwart danach einen Moment lang den Pfosten anstarrte, als wolle er fragen: "Wo warst du?" Kurz darauf kassierte Jenas Rechtsverteidiger Karl Rose Gelb - vermutlich mehr aus Übermut als Notwendigkeit. "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", sagte er halb im Spaß. Trainer Martin Wegner dagegen war weniger amüsiert: "Wenn er noch einmal so da reinfliegt, sitze ich das nächste Spiel auf der Tribüne - freiwillig." Hordel drückte in den letzten Minuten, Wechsel bei Jena sollten frische Beine bringen. Zimmermann kam für den jungen Swen Thomas, später folgten David Raum und Olav Heine. Bei Hordel hingegen blieb die Elf auf dem Platz, als wolle sie das Schicksal selbst erzwingen. Es half nichts. In der Nachspielzeit donnerte Valente noch einen Ball über das Tor - sinnbildlich für den ganzen Abend: viel Einsatz, aber zu wenig Präzision. "Wir haben alles reingeworfen", meinte Finkeldy. "Aber Jena hat’s clever gemacht. Manchmal gewinnt halt der, der weniger redet und mehr trifft." Auf der anderen Seite grinste Wegner: "Ich hab meiner Mannschaft gesagt: Wenn wir schon nach Hordel fahren, dann nicht für Currywurst. Jetzt fahren wir ins Finale, da schmeckt’s doppelt so gut." Statistisch bleibt festzuhalten: Hordel kämpfte verbissen, rannte mehr, hatte leicht mehr Ballbesitz und gewann sogar minimal mehr Zweikämpfe (50,4 %). Aber Jena schoss präziser, taktisch disziplinierter, und spielte mit einer bemerkenswerten Ruhe, als wüssten sie schon vorher, dass dieser Abend ihnen gehören würde. Als die Spieler nach Abpfiff Richtung Kabine trotteten, applaudierten die Fans trotzdem. "Das war ein gutes Spiel, auch wenn’s weh tut", sagte ein Hordel-Anhänger, während er sein Bier austrank. "Aber hey - Halbfinale ist auch was. Und das Bier ist wenigstens kalt." So endete ein Abend, der für Jena den Einzug ins Pokalfinale brachte - und für Hordel die Erinnerung, dass Fußball manchmal kein gerechtes Spiel ist, aber immer ein großartiges. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wer mit Herz spielt, kann verlieren - aber nie umsonst. 13.06.644000 13:59 |
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Wir spielen hinten Mann gegen Mann, und ich spiel gegen den Mann.
Olaf Thon