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19584 Zuschauer in Schweinfurt hatten sich auf einen lauen Frühlingsabend und ein bisschen Fußballromantik gefreut. Was sie bekamen, war ein Halbfinale, das an Tempo, Emotion und leichtem Chaos kaum zu überbieten war - und am Ende jubelte der Gast aus Hordel. Mit 2:1 gewann TuS Hordel das Hinspiel des Liga-Pokal-Halbfinales gegen FT Schweinfurt. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass Hordel mit einem klaren Plan angereist war: offensiv, konterstark, mutig. Coach Ute Finkeldy hatte ihre Mannschaft auf "Attacke mit Sinn und Verstand" eingestellt, wie sie später schmunzelnd erklärte. Und dieser Plan trug schnell Früchte. In der 18. Minute setzte sich der agile Fjodor Koroljuk über die Mitte durch, legte quer auf Marvin Fink, der aus spitzem Winkel trocken ins lange Eck vollendete. 1:0 für Hordel - und Schweinfurt schaute sich verdutzt an, als hätte man ein fremdes Drehbuch erwischt. Doch die Antwort kam prompt. Nur zwei Minuten später setzte sich Schweinfurts Rechtsaußen Sven Moser auf der Außenbahn durch, flankte präzise auf Vitor Fortun - und der Portugiese wuchtete das Leder per Direktabnahme unter die Latte. 1:1, die Fans tobten, Trainer Kevin Ferry sprang kurz auf und rief seinem Team zu: "Endlich mal wach, Jungs!" Bis zur Pause blieb es beim Remis, auch wenn Hordel mit insgesamt 16 Torschüssen deutlich mehr Initiative zeigte. Schweinfurt hatte zwar mehr Ballbesitz (52 Prozent), doch die gefährlichen Szenen kamen vom Gast. Besonders der junge Ernst Kunkel auf der linken Seite wirbelte die Schweinfurter Abwehr durcheinander, während Keeper Yanik Strauss mehrfach in höchster Not rettete. Nach dem Seitenwechsel wurde das Spiel ruppiger. Schweinfurts Abwehrchef Björn Ernst kassierte in der 84. Minute die Gelbe Karte, nachdem er Marwin Rodriguez unsanft vom Ball getrennt hatte - "ein taktisches Foul mit Stil", wie er später trocken meinte. Doch da stand es bereits 1:2. Die entscheidende Szene spielte sich in der 68. Minute ab. Hordels Rechtsverteidiger Detlev Foerster startete einen Vorstoß, flankte scharf in die Mitte, wo der 20-jährige Marwin Rodriguez goldrichtig stand. Mit einem kontrollierten Schuss ins kurze Eck sorgte er für den Siegtreffer. "Ich hab einfach die Augen zu und gehofft, dass er reingeht", lachte Rodriguez nach dem Spiel. Schweinfurt mühte sich, kam aber nicht mehr entscheidend durch. Ein später Kopfball von Helmut Jürgens verfehlte das Ziel knapp, und Harry Marshal verzweifelte an Hordel-Keeper Jacob Montgomery, der mit einer spektakulären Parade in der 87. Minute die Führung festhielt. "Wir haben es verpasst, unsere Phasen zu nutzen", gestand FT-Coach Kevin Ferry nach Abpfiff. "Aber im Rückspiel wird’s heiß, das verspreche ich." Sein Gegenüber Finkeldy konterte mit einem Grinsen: "Wir wissen, dass Schweinfurt zuhause stark ist - aber wir nehmen das Ergebnis gern mit. Und vielleicht auch den Pokal." Auch statistisch war der Sieg der Gäste verdient: 16 Torschüsse zu 7, eine bessere Zweikampfquote (54 Prozent) und mehr Konsequenz im Abschluss. Schweinfurt spielte gefällig, verhedderte sich aber zu oft im eigenen Kurzpassspiel - passend zu ihrer "balanced"-Taktik, die an diesem Abend eher nach "zahm" wirkte. Hordel dagegen blieb seiner offensiven Marschroute treu, setzte auf schnelle Umschaltmomente und lange Bälle, die immer wieder Gefahr brachten. In der Mixed Zone nach dem Spiel erzählte Hordels erfahrener Mittelstürmer Fjodor Koroljuk mit einem Augenzwinkern: "Ich wollte eigentlich selbst treffen, aber Marvin war einfach zu schnell. Da hab ich gedacht: Na gut, lass den Jungen mal glänzen." Die Fans von Schweinfurt verabschiedeten ihr Team mit Applaus - vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Hoffnung. Denn noch ist nichts verloren. Im Rückspiel in Hordel müssen die Unterfranken allerdings mindestens zwei Tore schießen, um das Finale zu erreichen. Oder, wie ein Schweinfurter Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn wir schon rausfliegen, dann wenigstens mit Stil - und nicht wieder mit einem Pfostenschuss in der Nachspielzeit." Man darf gespannt sein, ob Trainer Ferry das passende Drehbuch für das Rückspiel schreibt - oder ob Hordel endgültig den Regiestuhl übernimmt. 29.12.643996 18:48 |
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