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Ein Montagabend in Bochum-Hordel, Flutlicht, Bratwurstduft und 15.217 Zuschauer, die schon beim Einlaufen ahnten: Das wird kein Abend für Feingeister. Es wurde ein Spektakel. TuS Hordel besiegte den FV Bad Urach mit 4:2 (2:1) und zeigte dabei eine Mischung aus wilder Angriffslust, jugendlicher Unbekümmertheit und einer Portion Chaos, die jeden Trainer um den Schlaf bringt - es sei denn, er heißt Ute Finkeldy. "Ich habe irgendwann aufgehört mitzuzählen, wie oft wir den Ball einfach nach vorne gedroschen haben", lachte Hordels Trainerin Finkeldy nach dem Spiel. "Aber wenn’s vier Tore gibt, darf man das ruhig mal als Taktik verkaufen." Und tatsächlich: Schon nach sechs Minuten war der Plan klar. Fjodor Koroljuk, der bullige 32-Jährige im Sturmzentrum, behauptete den Ball gegen zwei Uracher, steckte durch auf Tiago Valente - und der jagte das Leder humorlos ins rechte Eck. 1:0, der Auftakt war gemacht. Valente konnte sich das Grinsen nicht verkneifen: "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später zu. "Aber gut, jetzt steht’s halt drin." Bad Urach, von Giuseppe Spera wie immer auf kontrollierten Ballbesitz getrimmt, wirkte zunächst irritiert. Mehr Ballbesitz (53,6 %), weniger Wirkung. Erst kurz vor der Pause fanden die Gäste einen Weg durch die Hordeler Abwehr. In der 40. Minute zirkelte Eduardo Pelegrin, der elegante Rechtsaußen, einen Pass von Olaf Neumann mit feinem Spann ins lange Eck - 1:1. Doch die Freude hielt genau 60 Sekunden. Im Gegenzug brachte Marwin Rodriguez eine butterweiche Flanke in den Strafraum, und Koroljuk nickte ein: 2:1. Der alte Mann und das Tor. Die Pause kam Bad Urach eigentlich gelegen, doch Trainer Spera verzweifelte an seiner eigenen Balance. "Wir hatten den Ball, aber nicht das Spiel", murmelte er später. Hordel blieb frech, spielte weiter auf Konter, und das Publikum feierte jede Grätsche, als ginge es um die Weltmeisterschaft. In der 75. Minute dann der nächste Paukenschlag: Tim Pfeiffer, gerade noch als fleißiger Ballverteiler unterwegs, legte quer auf Vincent Albinana - und der traf aus 16 Metern trocken zum 3:1. Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Albinana, "und gehofft, dass keiner mehr im Weg steht." Doch prompt kippte die Stimmung ein wenig. Nur eine Minute später sah der 18-jährige Innenverteidiger Dennis Brandt nach einem rustikalen Einsteigen glatt Rot. "Er trifft erst den Ball, dann den Gegner, dann den Ball nochmal - schwierig", kommentierte ein grinsender Stadionsprecher. Finkeldy fluchte kurz, stellte um, und die letzten 15 Minuten wurden zur Abwehrschlacht. Bad Urach roch Lunte. In der 83. Minute war es erneut Pelegrin, der nach Vorarbeit von Hermann Nowak den Ball ins Netz hämmerte - 3:2, Spannung zurück. Auf der Tribüne flogen schon die ersten Sonnenblumenkerne vor Aufregung. Doch Hordel antwortete sofort: Zwei Minuten später, 85. Minute, wieder dieser Koroljuk. Nach einem Steilpass von Olav Anders blieb er cool, schob zum 4:2 ein und ließ sich feiern wie ein Lokalheld. "Das ist mein Platz, mein Rasen, mein Bier danach", brüllte er Richtung Fankurve. Die letzten Minuten waren pure Emotion. Gelb für Klaus Merkel, Zeitspiel, Pfiffe, Applaus. Und irgendwo auf der Trainerbank grinste Finkeldy - sie hatte den "offensiven Konterfußball" (so nannte sie ihn später mit einem Augenzwinkern) perfekt umgesetzt. Statistisch sah Bad Urach besser aus: mehr Ballbesitz, 7 Torschüsse, fast doppelt so viele Pässe. Aber Hordel hatte 17 Abschlüsse, vier Treffer und den Mut, auch mal den Ball einfach Richtung Himmel zu jagen. "Wir haben Fußball gearbeitet, nicht gespielt", sagte Finkeldy - und meinte das als Kompliment. Urachs Trainer Spera wirkte dagegen ratlos. "Wir haben es versucht mit Geduld, aber Hordel hat uns mit jedem langen Ball wehgetan. Beim dritten Tor konnte ich nur noch klatschen." Mit diesem Sieg hat TuS Hordel nun beste Chancen auf das Weiterkommen im Liga-Pokal. Und wenn man ehrlich ist: Solche Abende sind der Grund, warum der Fußball erfunden wurde - unpräzise, wild, laut, aber verdammt unterhaltsam. Vielleicht bringt Finkeldy es am besten auf den Punkt: "Manchmal brauchst du keinen Matchplan. Nur elf, die rennen, und einen, der trifft. Heute hatten wir beides." Und während die 15.000 Zuschauer pfeifend in die Nacht verschwanden, summte einer auf der Tribüne: "So spielt nur der TuS!" - nicht schön, aber effektiv. 06.11.643999 09:17 |
Sprücheklopfer
Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon