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14916 Zuschauer im ehrwürdigen Hordeler Stadion erlebten am Samstagabend ein Spiel, das so aussah, als hätte TuS Hordel den Ball mit einem Magneten ausgerüstet. 2:0 hieß es am Ende gegen den SV Warnemünde - und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können für die Gäste von der Ostsee. Von Beginn an war klar, wer hier das Sagen hat. Hordel-Trainerin Ute Finkeldy schickte ihre Elf mit einer klar offensiven Marschroute aufs Feld. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können - und nicht nur Ballbesitz verwalten", grinste sie später. Und ihre Jungs lieferten: Schon nach zehn Minuten prüfte Ernst Kunkel den Gästekeeper mit einem strammen Linksschuss. Warnemünde wankte, aber fiel noch nicht. TuS Hordel kombinierte über die Flügel, suchte immer wieder den Abschluss - ganze 13 Schüsse aufs Tor standen am Ende auf dem Statistikzettel. Warnemünde brachte es auf drei. "Drei zu dreizehn - das klingt wie eine Bowling-Partie, nicht wie Fußball", raunte ein Fan auf der Tribüne, während er seine Bratwurst drehte. In der 43. Minute fiel dann das längst überfällige 1:0. Ernst Kunkel, der bereits mehrfach gefährlich vor dem Tor aufgetaucht war, verwertete eine butterweiche Flanke von Marwin Rodriguez. Gästetorhüter Finn Bertram streckte sich vergeblich. Kunkel rannte jubelnd zur Eckfahne, rutschte auf den Knien - und ließ sich feiern, als wäre es das Tor des Monats. "Ich hab einfach draufgehalten. Dass der reingeht, war reines Glück - oder göttliche Fügung", witzelte er nach dem Spiel. Warnemünde, bisher eher passiv, reagierte in der Halbzeit mit einem Wechsel: Klaus Stumpf musste raus, der junge Bernd Kunz kam. Trainer Horst Horstmann erklärte später mit einem Schulterzucken: "Wir wollten etwas frischen Wind bringen. Leider kam nur eine laue Brise." Seine Mannschaft blieb harmlos - auch wenn der 20-jährige Helmut Heise zwischen der 70. und 84. Minute immerhin drei Mal abzog. Doch Torwart Jacob Montgomery im Hordeler Kasten war an diesem Abend unbezwingbar. In der 57. Minute dann der Schreckmoment: Hordels Routinier Fjodor Koroljuk humpelte nach einem Zweikampf vom Platz. Diagnose: Muskelverhärtung. "Ich bin alt, mein Muskel ist empfindlich. Aber mein Herz schlägt weiter für Hordel", grinste der 33-Jährige tapfer. Ute Finkeldy brachte Fynn Huber - und bewies damit ein goldenes Händchen. Nur 18 Minuten später, in der 75. Minute, stand Huber goldrichtig. Nach Vorarbeit von Tim Pfeiffer schob er zum 2:0 ein. Der Jubel kannte keine Grenzen. "Ich hab einfach gemacht, was der Coach gesagt hat: vorne stehen und hoffen, dass der Ball mal dahin kommt", sagte Huber lachend. Pfeiffer, der Vorbereiter, ergänzte trocken: "Wenn Fynn ihn nicht gemacht hätte, wäre ich sauer gewesen - so bin ich nur hungrig." Warnemünde verlor danach zunehmend die Nerven. Zwei Gelbe Karten in drei Minuten - zuerst für Walther Klose (76.) und dann für den jungen Jacob Schulte (79.) - zeugten vom Frust. "Ich wollte nur den Ball treffen, ehrlich", beteuerte Klose nach Abpfiff. Der Schiedsrichter sah das anders. Die Schlussphase verlief ohne große Aufreger, sieht man von der kuriosen Torwart-Auswechslung der Gäste in der 87. Minute ab: Der 18-jährige Marcel Stephan durfte noch ein paar Minuten Profiluft schnuppern. "Finn hatte Krämpfe, also durfte der Junge ran. Vielleicht wollte er einfach auch mal das Flutlicht aus der Nähe sehen", kommentierte Trainer Horstmann mit Galgenhumor. Statistisch betrachtet war das Spiel deutlich: 53,7 Prozent Ballbesitz für Hordel, 56 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und das Gefühl, dass der Sieg nie gefährdet war. Warnemünde hingegen blieb brav, aber zahm; keine rote Karte, keine echte Torchance, kein Aufbäumen. "Wir haben heute erwachsen gespielt", bilanzierte Coach Finkeldy zufrieden. "Offensiv gedacht, defensiv gearbeitet - so einfach ist Fußball manchmal." Und während die Hordeler Fans nach Schlusspfiff "Oh, wie ist das schön!" anstimmten, marschierten die Gäste schweigend in die Kabine. Nur Helmut Heise, der junge Stürmer, murmelte noch: "Nächstes Mal schieß ich ihn rein. Oder wenigstens drüber, damit’s gefährlicher aussieht." Ein verdienter Sieg, ein launiger Abend und ein TuS Hordel, der zeigt: Auch in der Gruppenrunde des Liga-Pokals darf man ruhig ein bisschen zaubern. Schlusswort? Vielleicht dies: Wenn Hordel so weiterspielt, müssen sich selbst Erstligisten warm anziehen. Und Warnemünde? Die sollten vielleicht beim nächsten Mal gleich mit Sonnencreme anreisen - in Hordel brennt’s nämlich nicht nur auf dem Rasen. 22.02.644003 03:33 |
Sprücheklopfer
Schach ist für mich neben Fußball der schönste Sport, weil es aufgrund der Figuren auch ein Mannschaftssport ist.
Felix Magath