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TuS Hordel überrollt FC Stollberg - 4:0 im Pokal-Viertelfinale

Wenn eine Mannschaft im Liga-Pokal-Viertelfinale ein 4:0 feiert, dann riecht das nach einem perfekten Fußballabend - und genau das war es für TuS Hordel. 12.891 Zuschauer im Hordeler Stadion sahen am Samstagabend eine Vorstellung, die Trainerin Ute Finkeldy später "fast unheimlich effizient" nannte. Der FC Stollberg dagegen wirkte phasenweise wie ein Team, das noch auf den Anpfiff wartet, während der Gegner längst vier Tore geschossen hat.

Schon nach 18 Minuten begann das Unheil für die Gäste: Der erst 20-jährige Olav Anders, zentraler Mittelfeldspieler mit der Ruhe eines Schachmeisters, nahm einen Pass von Fjodor Koroljuk auf, drehte sich und schlenzte den Ball präzise ins linke Eck - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Anders nach dem Spiel, "und plötzlich war der Ball da, wo er hin sollte." Ein Satz, der vermutlich auch auf die gesamte Hordeler Mannschaft zutraf.

Nur elf Minuten später legte Marvin Fink nach. Wieder kam der Angriff über die linke Seite, Vincent Albinana flankte mit chirurgischer Präzision, Fink stand goldrichtig - 2:0. Kaum hatten die noch jubelnden Fans Luft geholt, klingelte es erneut: Anders, erneut nach Zuspiel von Koroljuk, traf in der 30. Minute zum 3:0. Drei Tore in zwölf Minuten - da durfte man schon an ein Schützenfest denken.

FC Stollberg hatte da längst die Farbe des Spiels angenommen: blass. Trotz einer anfänglich offensiven Ausrichtung und 42 Prozent Ballbesitz blieb vieles Stückwerk. Ruslan Gerassimow und der junge Jürgen Meissner kamen zu ein paar Abschlüssen, doch Hordels Keeper Jacob Montgomery musste sich selten strecken. "Wir wollten offensiv stehen", erklärte Stollbergs Trainer Wei To nach der Partie, "aber offenbar haben wir nur vergessen, den Ball mitzunehmen."

In der Pause herrschte im Hordeler Kabinengang ausgelassene Stimmung. Ein Betreuer soll gewitzelt haben: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir nachher einen neuen Spielball - der alte ist beleidigt." Trainerin Finkeldy hingegen blieb sachlich: "Ich hab den Jungs gesagt: Geht nicht auf Verwaltung, geht auf Vollendung."

Und das taten sie. Zwar ließen sie im zweiten Durchgang einige Chancen liegen - 19 Schüsse aufs Tor insgesamt sprechen eine deutliche Sprache -, doch in der 82. Minute setzte Vincent Albinana den Schlusspunkt. Nach feinem Zuspiel von Ernst Kunkel zog der linke Mittelfeldmann trocken ab, Torwart Gordon war ohne Chance. 4:0, und die Tribüne bebte.

Selbst die Gelbe Karte für Anders in der 77. Minute - offenbar wegen übermotivierter Jubelgeste - konnte die Stimmung nicht trüben. "Ich hab nur laut ’Jawoll!’ geschrien", verteidigte sich der Doppeltorschütze später lachend.

Bei Stollberg wechselte Trainer Wei To zur Halbzeit gleich doppelt, brachte den erfahrenen Marco Meiser und Walter Hamann. Doch auch das half nichts. Die Defensive blieb wacklig, das Mittelfeld ideenlos. Einziger Lichtblick: Der 18-jährige Meissner, der in der 81. Minute noch einmal gefährlich abschloss, ehe Montgomery mit den Fingerspitzen parierte.

In der Statistik liest sich das Ergebnis wie die Spielchronik eines ungleichen Duells: 57,5 Prozent Ballbesitz für Hordel, 19:6 Torschüsse, bessere Zweikampfquote, bessere Passquote - und ein Gegner, der nie wirklich ins Spiel fand. "Wir haben uns in Schönheit versucht und sind im Chaos gelandet", sagte Stollbergs Kapitän Julius Jahn nachdenklich.

Zum Schluss applaudierten selbst die neutralen Zuschauer. Hordel hatte nicht nur gewonnen, sondern begeistert. Trainerin Finkeldy fasste das Geschehen trocken zusammen: "Wir haben gezeigt, dass man auch mit langen Bällen schön spielen kann. Hauptsache, sie kommen an."

Mit diesem 4:0 im Rücken reist TuS Hordel nun entspannt zum Rückspiel - und Stollberg muss beten, dass der Fußball noch seine kleinen Wunder kennt.

Oder, wie ein Hordel-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das ein Viertelfinale war, will ich gar nicht wissen, wie das Finale aussieht."

16.09.643996 17:26
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