Anpfiff
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TV Badenstedt zerlegt FK Pirmasens - ein 1:6 als Lehrstunde in Effizienz

Es gibt Fußballabende, da möchte man als Heimfan einfach nur schnell nach Hause, das Flutlicht vergessen und hoffen, dass das nächste Wochenende schöner wird. Der Freitagabend in Pirmasens war genau so einer. 3760 Zuschauer sahen, wie der TV Badenstedt den FK Pirmasens mit 6:1 vom Platz fegte - und das mit einer Leichtigkeit, die fast unverschämt wirkte.

Dabei fing alles gar nicht so schlimm an. Die ersten zwanzig Minuten waren ein zähes Ringen um den Ball, die Pirmasenser standen tief, wollten kontern, und Trainerin Gudrun Schweitzer rief immer wieder: "Ruhig bleiben, Jungs, das ist noch lange kein Hexenwerk!" Doch kaum ausgesprochen, hatte Badenstedts Pavel Wagner in der 25. Minute andere Pläne - er nahm eine Vorlage des jungen Christian Guillory volley und versenkte den Ball ins rechte Eck. Torwart Lucas Grantham streckte sich vergeblich.

Das 0:1 war wie ein Weckruf - allerdings für Badenstedt, nicht für Pirmasens. Nur sechs Minuten später erhöhte Luka Binder nach einer mustergültigen Flanke von Rechtsverteidiger Tomas Petersen auf 0:2. "Da haben wir kurz gedacht, das war’s schon", grinste Badenstedts Trainer TVBS Wingman später auf der Pressekonferenz. "Aber dann fiel uns ein, dass wir ja noch 60 Minuten Zeit haben."

Immerhin, kurz vor der Pause gelang den Gastgebern ein kleiner Trost. Dani Tabenkin traf nach schöner Vorarbeit von Alex Coviello zum 1:2. Das Stadion erwachte, und selbst die Bratwurstverkäufer stellten für einen Moment das Brutzeln ein. "Da war kurz wieder Hoffnung da", sagte Kapitän Archie MacAlister. "Aber dann kam die zweite Halbzeit."

Und die hatte es in sich. Keine drei Minuten nach Wiederanpfiff musste Tabenkin verletzt raus - ein unglücklicher Zweikampf, Verdacht auf Knöchelverletzung. Sein Ersatz, Müjdat Öztürk, brachte frischen Wind, aber keine Wende. Im Gegenteil: Luka Binder schnürte in der 49. Minute seinen Doppelpack, ehe Osip Berjosin nur eine Minute später nach Vorarbeit von Guillory auf 1:4 stellte.

"Da war der Stecker raus", gab Schweitzer ehrlich zu. "Wir haben versucht, hinten dichtzumachen, aber die haben einfach weitergespielt, als wären sie im Training."

Badenstedt zeigte Fußball wie aus einem Guss: Direktpassspiel, lange Bälle, Zielstrebigkeit. Ihre Taktik - offensiv, mit langen Pässen - wirkte wie das Gegenstück zur Pirmasenser Defensividee. Das 1:5 durch den überragenden Christian Guillory (71.) war fast schon logisch, und als Jay Staunton zwei Minuten später nach einem Abpraller den sechsten Treffer setzte, war es endgültig eine Demonstration.

"Wir wollten einfach Spaß haben", erklärte Staunton später lachend. "Und wenn’s dann so läuft, darf man ruhig mal einen mehr machen."

Während Badenstedt in der zweiten Halbzeit Ball und Gegner laufen ließ (Ballbesitz: knapp 51 Prozent, Torschüsse 16:7), kämpfte Pirmasens mehr mit sich selbst. Drei Gelbe Karten - Körner (34.), Baer (45.) und Bernier (65.) - zeugten von wachsendem Frust. Schweitzer versuchte es mit jungen Kräften: Ramallo kam, Specht kam, aber das Spiel war längst entschieden.

Ein paar Fans verließen das Stadion bereits nach dem 1:5. Einer rief beim Hinausgehen: "Das nächste Mal vielleicht mit Torwart, bitte!" - Grantham konnte’s mit Humor nehmen und winkte zurück.

Badenstedt-Coach Wingman lobte nach dem Spiel vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit: "Wenn du sechs Tore auswärts machst, hast du vieles richtig gemacht. Ich sag’s mal so: Wir hätten sogar noch zwei, drei Chancen mehr gehabt - aber irgendwann reicht’s ja auch."

Für den FK Pirmasens dagegen wird es eine Woche der Analyse. Schweitzer kündigte an: "Wir werden das nüchtern besprechen. Vielleicht auch mit einem Glas Wein."

Und so endete ein Abend, der für die Gäste ein Fest und für die Gastgeber eine Mahnung war. Badenstedt marschiert weiter Richtung Tabellenspitze, Pirmasens muss die Trümmer zusammenkehren.

Oder, wie ein älterer Zuschauer beim Verlassen des Stadions meinte: "Wenn das Regionalliga B ist, dann war das heute Lehrstoff für Regionalliga C."

Ein bitterer, aber ehrlicher Abend in Pirmasens - mit einem klaren Sieger aus Badenstedt, der mit Offensivlust, Präzision und einer Prise Ironie Fußball zelebrierte.

24.08.643996 11:51
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