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FK Pirmasens gegen SSVg Velbert - das klang auf dem Papier nach einem Duell auf Augenhöhe. Auf dem Rasen des Framas-Stadions jedoch entwickelte sich am Freitagabend ein ungleiches Kräftemessen. 4015 Zuschauer sahen eine Heimelf, die zwar beherzt anlief, aber kaum etwas Zählbares zustande brachte, und Gäste aus Velbert, die sich erst spät mit kühler Präzision durchsetzten. Am Ende stand ein verdienter 0:2-Auswärtssieg, der deutlicher war, als das Ergebnis vermuten lässt. Schon die ersten Minuten gaben den Ton an: Velbert stürmte los, als hätte jemand den Pausentee mit Espresso gestreckt. Bereits in der dritten Minute zwang Ralph Wilke Pirmasens-Keeper Lucas Grantham zur ersten Glanztat. "Da dachte ich kurz, das wird ein langer Abend", murmelte Grantham später und grinste gequält. Seine Ahnung sollte sich bewahrheiten. Velbert feuerte aus allen Lagen - allein in der ersten Halbzeit elf Torschüsse. Pirmasens? Zwei. Insgesamt. Trotz der Überlegenheit blieb es bis zur Pause torlos. Velberts Coach, ein gewisser Pragmatiker, rief seinen Jungs in der Kabine angeblich zu: "Das ist hier kein Schützenfest, das ist Handwerk - also arbeitet endlich ordentlich!" Und sie gehorchten. In der 69. Minute fiel die längst überfällige Führung: Der 21-jährige Beniamin Zdebel, zuvor schon auffällig durch seine Gelbe Karte und unermüdliche Laufarbeit, traf nach feinem Zuspiel von Rene Bettencourt zum 0:1. Ein Schuss, flach und präzise, als hätte jemand die Fernbedienung auf Zeitlupe gestellt. "Ich wollte erst querlegen", sagte Zdebel später, "aber dann dachte ich: Ach komm, einmal Ego darf sein." Trainer Schweitzer auf der Pirmasenser Bank schüttelte nur den Kopf. Zehn Minuten später war die Sache entschieden. Der rechte Verteidiger Essi Tihinen - ja, Verteidiger - eilte nach vorne, bekam den Ball von Bendt Sondergaard und hämmerte ihn aus spitzem Winkel unter die Latte. 0:2, 79. Minute. Während die Velberter jubelten, räumte ein Balljunge hinter dem Tor resigniert seine Trinkflasche weg und meinte trocken: "Die sind heute einfach besser." Pirmasens versuchte es danach mit allem, was das Regelwerk hergab - und manchmal ein bisschen mehr. Sechs Gelbe Karten verteilte der Schiedsrichter insgesamt, drei davon an die Gastgeber. Besonders auffällig: Timo Schlotterbeck, der in der 88. Minute noch einmal rustikal klärte und dafür ebenfalls Gelb sah. "Wenn wir schon keinen Punkt holen, dann wenigstens Grasflecken", kommentierte er später mit einem Schulterzucken. Die Statistik sprach ohnehin eine deutliche Sprache: 23:2 Torschüsse für Velbert, 57 Prozent Ballbesitz, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber zu lange gebraucht, um uns zu belohnen", resümierte Velberts Kapitän Niko Röder. Sein Trainer nickte zufrieden: "Manchmal ist Geduld die gefährlichste Waffe." Gudrun Schweitzer, die Trainerin der Heimelf, suchte nach Erklärungen: "Wir wollten mutig auftreten, aber nach der Pause sind wir zu tief gefallen - im wahrsten Sinne." Auf die Frage, ob sie mit der Defensivtaktik später zufrieden gewesen sei, lachte sie kurz: "Defensiv? Wir hatten alle Hände voll zu tun, überhaupt den Ball zu sehen." Ein kleiner Trost für Pirmasens: Ihr Torwart Lucas Grantham war der beste Mann auf dem Platz. Mehrfach rettete er spektakulär, einmal in der 53. Minute, als Bendt Sondergaard völlig frei vor ihm auftauchte. Grantham blieb stehen, riss die Fäuste hoch und hielt - sehr zum Jubel der Südtribüne, die kurzzeitig an ein Wunder glauben wollte. Doch das Wunder blieb aus. Als der Schiedsrichter nach 95 Minuten abpfiff, applaudierten die Zuschauer trotzdem. Vielleicht aus Höflichkeit, vielleicht aus Erleichterung. Velbert nahm die drei Punkte mit, Pirmasens den Trost, dass man auch verlieren kann, ohne auseinanderzufallen. Und irgendwo in der Kabine soll David Bernier, der früh ausgewechselt wurde, gefragt haben: "Gibt’s für Fleiß eigentlich halbe Punkte?" - Die Antwort blieb aus. Nur das Rasensprenger-System antwortete mit einem zischenden Geräusch, als wolle es sagen: Kopf hoch, Jungs - der nächste Gegner wird auch nicht leichter. Ein Abend also, an dem die Zahlen so klar waren wie der Himmel über der Pfalz. Velbert spielte Fußball, Pirmasens spielte mit - und am Ende schrieb das Ergebnis die Geschichte: 0:2, logisch, verdient und fast freundlich. 22.11.644002 22:41 |
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Ich sehe einen positiven Trend: Tiefer kann es nicht mehr gehen.
Olaf Thon