Anpfiff
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VfB Speldorf fegt Falke Weiler mit 7:0 vom Platz

Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr, Flutlicht in Speldorf. 4668 Zuschauer hatten sich auf ein gepflegtes Regionalliga-C-Spiel eingestellt - und bekamen stattdessen ein einseitiges Spektakel, das eher an ein Trainingsspiel "Erste gegen A-Jugend" erinnerte. Der VfB Speldorf zerlegte Falke Weiler mit 7:0, zur Pause stand es bereits 5:0. Trainer Jakob Meier grinste nach Abpfiff verschmitzt: "Ich wollte eigentlich zur Halbzeit etwas bremsen - aber die Jungs haben mich einfach überhört."

Von Anfang an spielte eigentlich nur eine Mannschaft. Schon in den ersten Minuten flogen die Bälle im Minutentakt auf das Tor der Falken. 29 Torschüsse für Speldorf, ein einziger für Weiler - die Statistik spricht Bände. Elias Max holte sich früh eine Gelbe Karte (7.), offenbar, um wenigstens einmal im Mittelpunkt zu stehen, bevor Niels Juhl das tat, was Stürmer nun mal tun sollten: treffen. In der 21. Minute verwertete der 22-Jährige eine präzise Hereingabe von Hermann Schenk zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt mit geschlossenen Augen", gab Juhl später lachend zu.

Nur zwei Minuten später klingelte es erneut - Javier Manu, mit leichtem spanischem Einschlag in der Aussprache und der Ballbehandlung, schlenzte nach Vorarbeit von Timm Stumpf zum 2:0 ein. Da hatten die Gäste aus Weiler gerade erst begriffen, dass das Spiel begonnen hatte. Spätestens beim 3:0 durch Veljko Ristic (34.) nach Vorlage von Manu war klar: Hier würde nichts mehr anbrennen. Ristic, gerade mal 21, rannte jubelnd Richtung Eckfahne, wo ihn sein Trainer einfing und ihm zuraunte: "Heb dir was für nächste Woche auf!" - vergeblich.

Denn Speldorf hatte noch nicht genug. Mario Demo (36.) und Giulio Mango de Aquino (42.) erhöhten auf 5:0, beide Treffer wunderbar herausgespielt, beide Male wirkte die Hintermannschaft der Falken wie eine Schülergruppe auf Wandertag - freundlich interessiert, aber nicht wirklich beteiligt. Falke-Coach, dessen Name sich unauffällig der Statistik entzog, stand an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und murmelte etwas von "Lernprozess".

Die zweite Halbzeit begann so, wie die erste aufgehört hatte: mit Speldorfer Angriffen im Minutentakt. Falke Weiler blieb tapfer im Rahmen seiner Möglichkeiten. Einziger Lichtblick: Dieter Klose gelang in der 65. Minute ein Torschuss - der Ball landete zwar gefühlt im benachbarten Schrebergarten, aber immerhin: der Statistikpunkt war gesichert.

Veljko Ristic hatte derweil andere Pläne. In der 74. Minute traf er nach Pass von Hermann Schenk zum 6:0, und in der 81. Minute schnürte er nach erneuter Vorlage von Manu sogar den Hattrick. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", sagte Ristic später, während er sich lässig die Schuhe band. "Aber die Jungs haben mir gesagt, es waren drei. Klingt gut."

Falke Weiler, deren Taktik offiziell als "offensiv" eingetragen war, hatte über 90 Minuten allerdings so viel Offensivkraft wie ein Sonntagsspaziergänger mit Hund. Mit 37 Prozent Ballbesitz und einer Zweikampfquote von 41 Prozent blieb ihnen am Ende nur, den Anstoß nach jedem Tor auszuführen. Die Gelben Karten für Louis Hinz (70.) und Gianluigi Carolei (90.) wirkten da fast wie kleine Siegestrophäen - sie bewiesen immerhin, dass man noch da war.

Speldorfs Trainer Jakob Meier zeigte sich nach dem Schlusspfiff ungewohnt gelassen: "Wir haben heute vieles richtig gemacht - vor allem das Toreschießen. Ich wusste gar nicht mehr, wann ich zuletzt sieben Stück gesehen habe. Vielleicht in der D-Jugend." Neben ihm grinste Kapitän Hermann Schenk: "Ich hab früher mal im Bowlingverein gespielt. Das war heute fast ähnlich - nur dass wir die Kegel Falke Weiler genannt haben."

Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit Standing Ovations, während die Gäste still und etwas fassungslos den Platz verließen. Ein älterer Fan auf der Tribüne meinte trocken: "Wenn’s dumm läuft, schreiben die morgen: Speldorf gewinnt knapp."

Am Ende blieb ein Spiel, das weniger von Spannung als von Spielfreude lebte - zumindest auf einer Seite. 7:0, 29 Torschüsse, 63 Prozent Ballbesitz - ein Klassenunterschied in Zahlen. Und wenn man genau hinhörte, konnte man beim Abpfiff sogar den Wind flüstern hören: "Falke, flieg nächstes Mal besser wieder."

So verabschiedete sich der VfB Speldorf an diesem 23. Spieltag mit einem Feuerwerk in Richtung Tabellenspitze. Falke Weiler hingegen dürfte die Heimfahrt eher als Selbstfindungstrip verbucht haben. Oder, wie ihr Kapitän beim Hinausgehen sagte: "Manchmal verliert man, und manchmal lernt man. Heute war wohl Nachhilfeunterricht."

25.03.644000 17:05
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