// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein lauer Aprilabend, Flutlicht, 5000 Zuschauer, und auf dem Rasen der Regionalliga A das, was man im Volksmund gern "ein typisches Freitagsspiel" nennt: Nervös, zerfahren, emotional - und am Ende mit einem Happy End für die Gastgeber. Viktoria Nidda besiegte den SV Linx nach Rückstand mit 3:1 (0:1) und drehte damit nicht nur das Spiel, sondern auch die Stimmung im eigenen Stadion. Dabei begann alles so gar nicht nach Wunsch der Hausherren. Schon in der 9. Minute traf Linx’ junger Flügelflitzer Detlev Miller nach Vorlage von Andreas Menzel - ein blitzsauberer Angriff, so schnörkellos, dass selbst die Ordner kurz klatschten. "Ich dachte, wir hätten sie damit aus dem Konzept gebracht", seufzte Linx-Trainer Michal Dickschat später. "Aber anscheinend war das nur der Weckruf, den Nidda gebraucht hat." Denn ab da spielte eigentlich nur noch eine Mannschaft. 60 Prozent Ballbesitz, 17 Torschüsse, und ein Leon Kopp, der aussah, als hätte er eine persönliche Rechnung offen. Der 23-jährige Linksaußen prüfte den Linxer Keeper Oscar Haase schon in der 4., 14. und 24. Minute - und auch wenn der Ball da noch nicht rein wollte, man spürte: Der Junge hat heute etwas vor. "In der Halbzeit hat der Trainer nur gesagt: ’Leon, mach dein Ding - aber bitte irgendwann auch ins Tor’", verriet Mannschaftskollege Christian Paul lachend. Und siehe da: In der 73. Minute war es soweit. Nach feinem Zuspiel von Jacopo Terme drückte Kopp den Ball zum 1:1 über die Linie. Das Stadion tobte, die Bank der Viktoria feierte, als wäre es das Siegtor im Pokalfinale. Doch Kopp war noch nicht fertig. In der 89. Minute, als Linx schon auf den Lucky Punch drängte, schlug er erneut zu - diesmal nach Vorarbeit von Paul. 2:1, Spiel gedreht, Ekstase. "Ich hab’ einfach draufgehalten", grinste Kopp hinterher. "Wenn man so oft danebenhaut, muss irgendwann einer rein. Oder zwei." Und weil das Fußball manchmal so will, setzte Jack Le Tallec in der Nachspielzeit noch einen drauf. Der 20-Jährige, der schon das ganze Spiel über quirlig die rechte Seite beackerte, traf nach Zuspiel von Matthias Völker zum 3:1-Endstand. Der Rest war Jubel, Gesänge und ein sichtlich zufriedener Trainer, der zwar ungenannt bleiben wollte, aber meinte: "Wir haben Linx laufen lassen, bis sie dachten, sie spielen Handball." Linx dagegen wirkte nach dem späten Doppelschlag konsterniert. Auch die taktische Umstellung auf Offensive und "Pressing: YES" in der Schlussphase (wie es die Statistik so schön trocken ausdrückt) brachte nichts mehr. Ersatzspieler Bernt Kühne kam in der 88. Minute - aber da war längst klar, dass hier keine Wende mehr kommt. Die Zahlen untermauern das Geschehen: Nidda mit 60,4 Prozent Ballbesitz, Linx nur 39,6. 17:6 Torschüsse, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - das liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für Geduld und Kontrolle. Nur in Sachen Karten zeigte sich die Viktoria etwas großzügig: Rechtsverteidiger Manfred Wimmer kassierte Gelb in der 76., Innenverteidiger Carsten Geier in der Nachspielzeit - als wollte man wenigstens im Fairness-Kapitel nicht allzu perfekt wirken. "Wir haben’s zu brav zu Ende gespielt", murmelte Linx-Kapitän Fabian Kopp (nicht verwandt mit dem Doppeltorschützen) nach Schlusspfiff. "Vielleicht hätten wir auch einfach mal den Ball lang schlagen sollen, statt ihn im eigenen Strafraum zu streicheln." Sein Trainer nickte nur still - die Körpersprache eines Mannes, der wusste, dass hier mehr drin gewesen wäre. Und so endete ein Abend, der für Linx wie ein kleiner Triumph begann und für Nidda in einen Freudentaumel mündete. Die Fans sangen, die Spieler tanzten, und Leon Kopp soll in der Kabine angeblich gesagt haben: "Ich wollte eigentlich früh ins Bett - aber jetzt wird’s wohl doch spät." Ob er damit das Feiern oder das Auslaufen meinte, blieb offen. Sicher ist nur: Viktoria Nidda hat sich mit diesem 3:1 eindrucksvoll zurückgemeldet - und der SV Linx wird auf der Heimfahrt viel Zeit haben, über die 81 Minuten nachzudenken, in denen sie das Spiel aus der Hand gaben. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne es trocken formulierte: "Erst führen sie, dann frieren sie - typisch Linx." 14.08.643996 07:41 |
Sprücheklopfer
Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht.
Werner Lorant