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Villa dreifach! Hamburger SC ringt Weiler im Allgäu mit 4:3 nieder

Wenn Fußball ein Theaterstück wäre, dann hätte man am Mittwochabend in Hamburg den Vorhang am liebsten gar nicht mehr fallen lassen. 22.537 Zuschauer sahen beim 21. Spieltag der 3. Liga Deutschland ein Spektakel, das an Dramatik, Tempo und Torhunger kaum zu überbieten war. Am Ende jubelte der Hamburger SC über ein wildes 4:3 gegen Weiler im Allgäu - und ein junger Italiener namens Filippo Villa klaute allen die Show.

Schon nach neun Minuten klingelte es erstmals: Villa, gerade 20 Jahre alt und mit dem Selbstvertrauen eines erfahrenen Torjägers, vollendete eine Vorlage von Vitor Dominguez und brachte die Hausherren in Führung. "Ich hab einfach geschossen, ohne nachzudenken", grinste Villa später - als hätte er nicht noch zwei weitere Treffer folgen lassen.

Doch kaum war der Torjubel verklungen, antwortete Weiler im Allgäu. Nur eine Minute später traf Robin Born mit einem satten Schuss aus der Distanz zum 1:1. "Wir wollten ihnen gleich zeigen, dass wir nicht zum Sightseeing gekommen sind", knurrte Gästecoach Mino Raiola an der Seitenlinie, der mit verschränkten Armen und Sonnenbrille selbst im Abendlicht noch wie ein Agent wirkte.

In Minute elf war wieder Villa dran - diesmal nach feinem Zuspiel von Fabian Kessler. 2:1. Und als Kessler selbst in der 15. Minute den Ball unter die Latte hämmerte, schien der Hamburger SC auf dem besten Weg zu einem ruhigen Abend. Doch wer das dachte, hat wohl noch nie ein Spiel dieser Liga gesehen.

Weiler im Allgäu, angriffslustig wie ein Hornissenschwarm im Mai, kam zurück: In der 22. Minute traf Michael Siebert, nachdem Linus Berger auf links einen Zuckerpass serviert hatte. Und weil es noch nicht genug war, glich Jannick Fritsch kurz vor der Pause mit einem eiskalten Abschluss nach Vorarbeit von Nick Scherer zum 3:3 aus. "Ich hab kurz gedacht, wir spielen Tischtennis", witzelte Hamburgs Trainer Bernd Happel später. "Jeder Schuss war ein Punkt."

Mit einem 3:3 ging es in die Kabinen, und die Zuschauer rieben sich die Augen. 45 Minuten, sechs Tore, und keiner wusste so recht, wer hier eigentlich die Kontrolle hatte. Die Statistik sprach eine deutliche Sprache: 12 Torschüsse für Hamburg, 7 für Weiler, Ballbesitz fast pari (49,6 zu 50,4 Prozent). Ein Spiel wie ein Münzwurf - nur dass die Münze brannte.

Nach der Pause beruhigte sich das Geschehen ein wenig, zumindest relativ. Hamburger SC blieb offensiv, doch die Chancen verflachten. Der 17-jährige Carl Miguel, zur Halbzeit für Gerhard Merz gekommen, sorgte für frischen Wind, scheiterte aber zweimal am glänzend reagierenden Keeper Hanns Peter. "Ich dachte, der Ball sei schon drin", sagte Miguel später. "Aber der Torwart war wohl anderer Meinung."

Bei Weiler im Allgäu brachte Raiola in der 60. Minute gleich drei frische Kräfte - Linke, Foerster und Stoll - und hoffte auf den Lucky Punch. Doch die Hamburger Abwehr, angeführt vom unerschütterlichen Marek Holosko, ließ sich nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Dann kam die 83. Minute. Rechtsverteidiger Charlie Doyle, 18 Jahre jung, spazierte die Linie entlang, flankte mit der Eleganz eines Balletttänzers - und wieder stand Villa da, wo ein Torjäger stehen muss. Kopfball, Tor, 4:3. Das Stadion tobte. Happel riss die Arme hoch, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich wusste, der Junge hat was Besonderes", sagte der Trainer später, "aber dass er gleich drei macht - das war schon ein bisschen frech."

Die letzten Minuten waren ein Nervenspiel. Weiler drückte, doch der späte Versuch von Tomasz Stoll in der Nachspielzeit landete in den Armen von Marco Ruiz. Der Torwart klammerte den Ball wie ein Schatz, den er nie wieder hergeben will.

So endete ein Spiel, das in die Kategorie "unvergesslich" gehört - mit einem 4:3 für den Hamburger SC, der damit nicht nur drei Punkte, sondern auch etliche neue Fans gewonnen haben dürfte. Weiler im Allgäu verließ den Platz mit hängenden Köpfen, aber erhobenem Stolz.

"Wenn man sieben Tore in einem Spiel sieht, hat man sein Eintrittsgeld schon zurückbekommen", murmelte ein Zuschauer beim Hinausgehen. Und er hatte recht. Fußball kann manchmal Kunst sein - und an diesem Abend war er es in all seiner verrückten, unberechenbaren Schönheit.

Vielleicht sollte man in Hamburg künftig Warnschilder am Stadioneingang anbringen: "Achtung, hier droht Torflut!"

08.02.644000 11:46
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