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Es war einer dieser Abende, an denen der Fußball seine grausame Seite zeigt. 5.415 Zuschauer hatten sich am Freitagabend im Wusterwitzer Waldstadion eingefunden, um den heimischen FC Wusterwitz im Flutlichtspiel des 12. Spieltags der Regionalliga B zu sehen. Sie bekamen viel Einsatz, viele Chancen, ein bisschen Dramatik - und am Ende ein 0:1, das sich anfühlte wie ein schlechter Witz. Das Spiel begann mit einem klaren Plan: Wusterwitz wollte draufgehen, Weddinghofen wollte überleben. Trainer Tom Fritz hatte seine Elf offensiv eingestellt, "wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir hier zu Hause sind", sagte er später mit diesem leicht gequälten Lächeln, das man nur von Trainern kennt, die 14 Torschüsse und null Tore auf dem Zettel haben. Bereits in der 5. Minute setzte Werner Runge das erste Ausrufezeichen, ein Schuss aus der zweiten Reihe, den Weddinghofens Keeper Benjamin O’Leary mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte. "Ich dachte, der ist drin", meinte Runge nach dem Spiel. "O’Leary wohl nicht." Doch dann, in der 18. Minute, kam die Szene, die das Spiel entschied. Weddinghofens rechter Mittelfeldspieler Zahit Turan stürmte nach einem feinen Pass von Emil Berbatow die Linie entlang, zog nach innen - und traf flach ins lange Eck. Wusterwitz’ Keeper Phillip Zimmermann flog vergeblich. 0:1, und die Gäste jubelten, als hätten sie gerade den Pokal gewonnen. "Das war ein sauberer Angriff, genau so wollten wir das", lobte Weddinghofens Trainer Luca Pappagalo später. "Defensiv kompakt, vorne eiskalt. Italienische Schule, nur ohne Espresso." Danach entwickelte sich ein Spiel, das man in alten Zeiten "Einbahnstraßenfußball" genannt hätte. Wusterwitz rannte, kombinierte, flankte - und scheiterte. Dieter Mann, der 18-jährige Mittelstürmer, traf in der 37., 49., 56., 63., 67. und 80. Minute das Tor - also, zumindest fast. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, das Tor bewegt sich", grinste er nach der Partie, "oder ich hab einfach Pech." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 14 Schüsse auf das Tor von Weddinghofen, 46 Prozent Ballbesitz, ein Tackling-Wert von über 52 Prozent. Nur das, was auf der Anzeigetafel stand, war weniger schmeichelhaft. Weddinghofen dagegen spielte das, was man im Taktikseminar als "kontrollierte Langeweile" bezeichnet: defensiv, diszipliniert, und mit einer Präzision im Zeitspiel, die an ein Schweizer Uhrwerk erinnerte. Turan und Berbatow setzten mit ihren Kontern immer wieder Nadelstiche, und spätestens nach der Gelben Karte für Wusterwitz’ Ralf Meiser in der 8. Minute war klar, dass das Geduldsspiel beginnen würde. In der 55. Minute reagierte Tom Fritz doppelt: Nico Behrendt kam für Johann Zander, Marko Weise ersetzte den verwarnte Meiser. "Ich wollte frische Beine und weniger Gelb", erklärte Fritz später. Es half aber nichts. O’Leary im Weddinghofener Tor wurde zum Mann des Abends, ein Fels in der Brandung, ein Ärgernis für jeden Wusterwitzer. Die letzten zehn Minuten glichen einem Sturmlauf. Luca Philipp prüfte O’Leary in der 80. Minute, kurz darauf feuerte Hanns Konrad einen Distanzschuss ab, der nur Zentimeter über die Latte strich. Trainer Fritz warf alles nach vorn, sogar Innenverteidiger Marcel Voigt fand sich plötzlich im gegnerischen Strafraum wieder. Doch das Tor blieb wie vernagelt. "Ich hab meinen Spielern gesagt, sie sollen den Bus parken", witzelte Pappagalo nach dem Abpfiff. "Aber sie haben gleich noch eine Garage drumherum gebaut." In der Nachspielzeit kassierte Marko Weise noch Gelb - sinnbildlich für einen Abend, an dem Wusterwitz zwar alles versuchte, aber im entscheidenden Moment immer einen Schritt zu spät kam. Wusterwitz bleibt damit im Tabellenmittelfeld stecken, während Weddinghofen mit diesem Auswärtssieg in Richtung obere Tabellenhälfte schielt. "Manchmal reicht ein Tor, wenn man es zur richtigen Zeit macht", sagte Torschütze Zahit Turan, noch mit Grasflecken auf dem Trikot und einem breiten Grinsen. Für Wusterwitz bleibt die Erkenntnis: Mut allein schießt keine Tore. Oder, wie Trainer Fritz es trocken formulierte: "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können - das Ding wäre trotzdem nicht reingegangen." Ein bitterer, aber ehrlicher Fußballabend. Und irgendwo im Dunkel der Wusterwitzer Kabine klang nach dem Duschen ein Seufzer: "Nächstes Mal treffen wir wenigstens das Tornetz." Vielleicht. 18.03.643994 18:22 |
Sprücheklopfer
Es gibt Phasen, da ist man etwas angespannter. Das ist doch menschlich. Es wäre doch blöd von mir, den Schauspieler zu mimen.
Rudi Völler