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Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr, Flutlicht an der Husterhöhe - und 3476 Zuschauer, die vermutlich ahnten, dass dieser 26. Spieltag der Regionalliga B keine ruhige Nummer werden würde. FK Pirmasens empfing Weddinghofen, und am Ende stand ein 1:2 aus Sicht der Gastgeber. Ein Ergebnis, das so unspektakulär klingt wie ein Montagabend im Stadionkiosk - aber auf dem Rasen entwickelte sich ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, hitzige Zweikämpfe, einen Platzverweis und jede Menge Emotionen. Bereits nach elf Minuten brachte Weddinghofen die Hausherren ins Schwitzen - und das ausgerechnet durch einen Innenverteidiger. Ingmar Jonsson, sonst eher zuständig für das Wegköpfen gegnerischer Flanken, drosch einen Abpraller nach Vorarbeit von Zahit Turan humorlos unter die Latte. "Ich dachte erst, der Ball sei zu hoch - aber dann war er plötzlich drin", grinste Jonsson später. Trainer Luca Papagallo kommentierte trocken: "Vielleicht sollte ich ihn öfter nach vorne schicken." Pirmasens brauchte eine Weile, um sich zu sortieren, doch in der 34. Minute gelang der verdiente Ausgleich. Nikolai Dotschew zog von rechts nach innen, bekam den Ball von David Bernier in den Lauf und schob kühl zum 1:1 ein. "Ich hab einfach nicht nachgedacht - das hilft manchmal", sagte Dotschew und grinste schelmisch. Trainerin Gudrun Schweitzer klatschte an der Seitenlinie, als hätte ihre Elf gerade das Pokalfinale gewonnen. Das Spiel war nun offen, und beide Teams suchten ihr Glück in der Offensive. Die Statistik belegt: je neun Torschüsse, 47,5 Prozent Ballbesitz für Pirmasens, 52,5 für Weddinghofen - also praktisch Gleichstand. Doch während Weddinghofen ruhig kombinierte, agierte Pirmasens zunehmend hektisch. Bernier versuchte in der 50. Minute mit einem Schuss aus 25 Metern, den Gästekeeper Roman Dostalek zu überraschen, doch der war auf dem Posten - und raunzte danach seinen Vorderleuten lautstark etwas, das man auch auf der Haupttribüne verstand. In der 54. Minute fiel dann die Entscheidung. Weddinghofens junger Flügelflitzer Lawrenti Malgin, gerade einmal 20 Jahre alt, startete nach Zuspiel von Ilias Fojut durch und schlenzte den Ball ins lange Eck - 1:2. Der Jubel der Gäste war ohrenbetäubend, Papagallo ballte die Faust, während Schweitzer mit verschränkten Armen Richtung Boden starrte. Danach wurde es ruppig. Pirmasens’ Verteidiger David Marano kassierte binnen zehn Minuten zwei Gelbe Karten - und durfte in der 71. Minute vorzeitig duschen. "Ein bisschen unglücklich", murmelte Schweitzer später, "aber vielleicht war’s auch die Sonne schuld." Ihre Elf kämpfte fortan in Unterzahl und versuchte dennoch, den Ausgleich zu erzwingen. Dani Tabenkin prüfte in der 80. Minute noch einmal Dostalek, doch Weddinghofens Abwehr hielt dicht. Die Gelben Karten stapelten sich auf Pirmasenser Seite: Babinow, Dotschew, Marano, Ramallo, Bernier - fünf an der Zahl. Man hatte fast den Eindruck, der Schiedsrichter wolle beweisen, dass sein Kartenset vollständig ist. Nach dem Abpfiff stand Papagallo sichtlich zufrieden vor den Mikrofonen. "Wir wollten mutig sein, das waren wir. Und wenn der Innenverteidiger trifft, dann weißt du, dass du was richtig gemacht hast." Schweitzer hingegen suchte nach den richtigen Worten: "Wir haben gut begonnen, dann kurz den Faden verloren - und den Ball gleich dazu." Taktisch gesehen spielte Weddinghofen von Beginn an offensiv, mit ausgewogenem Angriffsspiel und ruhigem Passaufbau. Pirmasens dagegen wollte kontern - was zunächst funktionierte, später aber im eigenen Eifer erstickte. Nach dem Platzverweis blieb ihnen nur noch der kämpferische Versuch, das Ergebnis zu halten - oder zu drehen. "Wir haben Herz gezeigt", sagte Bernier noch im Kabinengang, während er sich die Schienbeinschoner auszog. "Nur leider zählt das auf der Anzeigetafel nicht." Und so blieb am Ende ein Abend, der für Weddinghofen drei Punkte und für Pirmasens die Erkenntnis brachte, dass Leidenschaft allein kein Tor schießt. Vielleicht hilft beim nächsten Mal ein bisschen weniger Aggressivität - und etwas mehr Zielwasser. Schlusswort? Vielleicht dies: Wenn der beste Mann auf dem Platz ein Innenverteidiger mit Torinstinkt ist, dann war’s ein besonderer Abend. Und wenn die Trainerin des Verliererteams trotzdem lächelt, dann weiß man, dass Fußball manchmal einfach nur das ist, was er sein soll - ein herrlich unberechenbares Spiel. 06.04.644000 08:07 |
Sprücheklopfer
Ich habe keine Probleme mit Werner Lorant mal ein Bier zu trinken - oder auch mal ein Kaugummi zu kauen.
Lothar Matthäus