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Weiersbach tanzt im Allgäu - Galva glänzt, Weiler hadert mit sich selbst

Ein lauer Aprilabend, 20:30 Uhr, Flutlicht im Stadion von Weiler im Allgäu. 15.052 Zuschauer hatten sich eingefunden, um ihr Team gegen den SV Weiersbach zu sehen - und erlebten ein Spiel, das sich anfühlte wie eine Achterbahnfahrt ohne Sicherheitsbügel. Am Ende stand ein 2:4 auf der Anzeigetafel, das so mancher Einheimische wohl erst nach dem dritten Bier verdauen konnte.

Schon nach acht Minuten war die gute Stimmung im Allgäuer Block kurzzeitig dahin. Weiersbachs quirliger Flügelspieler Jaime Galva sprintete rechts durch, bekam den Ball von Razvan Hagi in den Lauf und drosch ihn trocken ins lange Eck. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nachdenkst, ist’s zu spät", grinste der 22-Jährige später - ein Zitat, das man sich auch als Lebensmotto auf den Trainingsanzug sticken könnte.

Weiler reagierte wütend, aber unpräzise. Linus Berger, der unermüdliche Linksaußen, prüfte Gästekeeper Dirck Van Keuren gleich zweimal in den ersten zehn Minuten, schoss aber einmal zu zentral, einmal zu hoch. Trainer Mino Raiola - ja, der gleichnamige, nur mit weniger Millionen und mehr Leidenschaft - gestikulierte wild an der Linie. "Wir wollten mutig sein, vielleicht waren wir zu mutig", sagte er später mit einem Anflug von Ironie.

Dann kam die 42. Minute, und endlich jubelte das Allgäu: Samuel Erskine flankte butterweich von links, Linus Berger nahm den Ball volley - 1:1. "Wenn der Ball so kommt, musst du eigentlich nur das Bein richtig hinhalten", meinte Berger bescheiden. Dass er dabei fast das Tornetz durchschoss, verschwieg er charmant.

Doch die Euphorie währte genau bis zur Halbzeitpause - und dann keine Minute länger. Denn kaum war wieder angepfiffen, flog der bereits gelbverwarnte Linksverteidiger Bernd Jahn in einen Zweikampf wie ein Holzfäller auf Pilzsuche. Gelb-Rot, 47. Minute. Zehn Mann, noch 43 Minuten auf der Uhr. "Ich wollte den Ball treffen", nuschelte Jahn später und blickte dabei, als hätte jemand sein Pausenbrot geklaut.

Zwei Minuten später klingelte es erneut: Juan Assis traf nach Vorlage von Galva zum 1:2. Weiersbach nutzte die Überzahl eiskalt, kombinierte wie im Training. In der 57. Minute legte Caio Costa nach, diesmal auf Zuspiel von Ramon Semedo - 1:3. Die Gästefans tanzten Polonaise über die Ränge, während der Heimblock still wurde wie eine Berghütte im Winter.

Raiola reagierte: Dreifachwechsel in der 60. Minute, frisches Blut, darunter der 17-jährige Tomasz Stoll, der später noch eine Großchance vergab. "Ich hab den Ball gesehen und dann irgendwie nicht mehr", stammelte der Teenager nach dem Spiel - man konnte ihm die Nervosität kaum übelnehmen.

Weiler kämpfte trotzdem weiter. In der 79. Minute wurde der Einsatz belohnt: Der eingewechselte Felipe Gama traf nach feinem Zuspiel von Nick Scherer zum 2:3. Kurz schien alles wieder offen, die Fans schrien sich die Stimmen heiser. Doch wer dachte, es ginge Richtung Punktgewinn, irrte. In der Nachspielzeit schlug wieder Galva zu - 91. Minute, 2:4, Deckel drauf. Und als wäre das nicht genug, setzte Elliot Crawford in der 92. noch einen Schuss an den Pfosten.

Die Statistiken sprachen am Ende eine klare Sprache: 13 Torschüsse für Weiersbach, 9 für Weiler, Ballbesitz 54 zu 46 Prozent, Zweikampfquote leicht zugunsten der Gäste. Verdienter Sieg also, so nüchtern kann man’s sagen. Aber nüchtern wollte nach diesem Abend kaum jemand sein.

"Das war ein Lehrspiel in Sachen Effizienz", lobte Gästecoach Detlef Meister. "Wir haben nicht mehr gemacht, als nötig - und das war genug." Sein Pendant Raiola dagegen blickte grimmig: "Wenn du gegen elf Mann verlierst, ist das ärgerlich. Gegen zehn Mann ist’s tragisch - und wir waren die Zehn."

Als die letzten Fans das Stadion verließen, hallte noch ein Spruch durchs Rund: "Beim nächsten Mal holen wir sie in der ersten Halbzeit!" - ein Satz, der irgendwo zwischen Galgenhumor und Hoffnung pendelte.

Weiler bleibt in der unteren Tabellenhälfte stecken, Weiersbach dagegen tanzt weiter Richtung Aufstiegsplätze. Und über allem schwebt die Erkenntnis dieses Abends: Fußball kann grausam sein, aber selten war er so schön anzusehen wie in Weiler im Allgäu an diesem Samstagabend.

25.08.643996 22:58
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