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Es war ein lauer Aprilabend im Bremer Weserstadion - na gut, "Stadion am Flussufer" nennen es die Einheimischen -, als 5000 Zuschauer am 18. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Division) Zeugen eines Spiels wurden, das in seiner Dramaturgie an eine dieser alten VHS-Kassetten erinnerte: stark begonnen, schwach nachgelassen, dann irgendwo zwischen Spannung und Verzweiflung gelandet. Am Ende jubelte der Außenseiter: Weiler im Allgäu siegte mit 2:1 beim SV Bremen. Dabei hatte alles so verheißungsvoll für die Gastgeber begonnen. Schon in der 13. Minute traf Diego Miguel, der flinke Linksaußen mit mehr Haarwachs als Geduld, nach feinem Zuspiel von Linksverteidiger Alfonso Velasco. "Ich hab den Ball einfach gespürt", grinste Miguel später, "und dann dachte ich: besser drin als drüber." Bremen führte - und das Publikum brüllte sich die Kehlen wund. Doch Weiler, trainiert vom quirligen Mino Raiola (nicht verwandt mit dem legendären Spielervermittler, wie er jedes Wochenende betont), zeigte sich unbeeindruckt. Die Gäste, taktisch von Beginn an offensiv eingestellt, spielten zwar mit weniger Ballbesitz (nur 44,7 Prozent), aber mit deutlich mehr Zug zum Tor. 22 Torschüsse zählten die Statistiker am Ende - fast doppelt so viele wie die Bremer. Und spätestens in der 42. Minute lohnte sich die Hartnäckigkeit: Heinrich Foerster, gerade mal 20 Jahre alt, zog aus der zweiten Reihe ab, nachdem Robin Born clever durchgesteckt hatte. Der Ball schlug unhaltbar im rechten Eck ein. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Foerster hinterher schmunzelnd zu, "aber wenn’s so reingeht, sag ich nicht nein." Mit dem 1:1 ging es in die Pause, und während SV-Trainer Jerry Craford in der Kabine angeblich "mehr Intensität und weniger Instagram-Gesichter" forderte, machte Weiler einfach weiter, wo sie aufgehört hatten. Der zweite Durchgang begann mit einem Paukenschlag - allerdings nicht auf der Anzeigetafel, sondern auf dem Rasen: Weilers junger Innenverteidiger Asen Todorow musste nach 55 Minuten verletzt vom Platz. "Nur eine Zerrung", beruhigte Coach Raiola später, "nichts, was ein warmes Allgäuer Bad nicht heilen könnte." Nur fünf Minuten später bewies sein Team, dass es auch ohne den Teenager-Abwehrchef gefährlich bleibt. Nick Scherer, gerade erst eingewechselt, traf in der 67. Minute zur Führung - erneut nach Vorarbeit von Linksverteidiger Bernd Jahn. Bremen wirkte in diesem Moment wie ein Boxer, der glaubt, in der dritten Runde noch tanzen zu können, obwohl die Beine längst wackeln. Trainer Craford reagierte, brachte in der 62. Minute den erfahrenen Gordej Putin (nein, auch nicht der - dieser Putin kommt aus Litauen) für den angeschlagenen Marko Veskovac. Doch die Wechsel verpufften. Zwar hatte Bremen mehr Ballbesitz und versuchte es immer wieder durchs Zentrum, aber die Abschlüsse blieben harmlos. Besonders bitter: Miguel, der Torschütze vom Dienst, kassierte in der 85. Minute noch Gelb - wohl aus purem Frust über die vergebene Chance kurz zuvor. "Wir haben es einfach nicht geschafft, unsere Dominanz in Tore umzuwandeln", seufzte Craford nach dem Abpfiff. "55 Prozent Ballbesitz und zwölf Torschüsse sind schön für die Statistik, aber das bringt dir in der Tabelle genau gar nichts." Sein Gegenüber Raiola grinste breit: "Wir haben weniger Ball, aber mehr Herz gehabt. Und wenn du 22 Mal aufs Tor schießt, darfst du dich über zwei Treffer nicht beschweren." In der Schlussphase spielte Weiler clever, fast schon abgeklärt. Der junge Jürgen Linke, eingewechselt in der 60. Minute, prüfte Bremens Keeper Cesc de Vivar gleich dreimal in den letzten Minuten (86., 87. und 91.), als wolle er sagen: "Ich kann auch, wenn’s zählt." Die Defensive der Gäste hielt stand - auch als Joshua Kunkel in der 94. Minute noch einmal alles versuchte. Der Schlusspfiff kam wie eine Erlösung für die Allgäuer. 1:2 - ihr zweiter Auswärtssieg in dieser Saison. Die Spieler feierten ausgelassen, die Bremer Fans hingegen blieben ratlos zurück. Ein älterer Zuschauer in der Nordkurve brachte es auf den Punkt: "Die können den Ball 90 Minuten streicheln - aber Tore machen sie nur, wenn der Gegner höflich fragt." So endete ein Spiel, das mehr versprach, als es hielt. Bremen mit schönen Ansätzen, Weiler mit kalter Effizienz - und am Ende der alte Fußballsatz, den keiner mehr hören mag, aber jeder bestätigen muss: Wer die Dinger nicht macht, kriegt sie hinten rein. Und irgendwo in der Kabine soll Diego Miguel noch gesagt haben: "Nächstes Mal schieß ich zwei." - Wenn er das wirklich tut, wird Jerry Craford wohl endlich wieder lächeln. Bis dahin aber gilt: In Bremen regnet’s - auch in der Tabelle. 14.08.643996 09:15 |
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Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht.
Werner Lorant