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Weiler dreht das Spiel: Hierro schießt das Allgäu in den Fußballhimmel

Was für ein Abend im idyllischen Weiler im Allgäu! 13.541 Zuschauer verwandelten das kleine Stadion am Ortsrand in ein Tollhaus, als die heimische Mannschaft einen frühen Schock gegen den SV Weiersbach in einen 2:1-Sieg ummünzte. Es war kein Spiel für Feingeister, sondern eines für Fußballromantiker - mit Schweiß, Krämpfen, gelben Karten und einem Verteidiger, der plötzlich den Torjäger mimte.

Bereits in der vierten Minute zappelte der Ball im Netz - allerdings im falschen. Der junge Grieche Stavros Goumas, kaum 20 Jahre alt und offenbar mit einem Espresso zu viel im Blut, traf nach feinem Zuspiel von Andres Marco zum 0:1. Die Weiersbacher jubelten ausgelassen, während Weilers Trainer Mino Raiola an der Seitenlinie so heftig mit den Armen fuchtelte, dass man meinen konnte, er wolle einen Helikopter starten. "Ich hab’ ihnen gesagt: Wir sind nicht beim Frühschoppen, wir sind im Spiel!", brüllte er später grinsend in die Mikrofone.

Weiler brauchte ein paar Minuten, um sich zu sortieren, doch dann begannen sie, Weiersbachs Abwehr in kleine Stücke zu schneiden. Michael Siebert prüfte den Keeper Cameron Whelan gleich dreimal aus allen Winkeln, und auch Innenverteidiger Damian Rueda wagte sich nach vorne wie ein Abenteurer auf fremdem Terrain. Der Ball wollte aber einfach nicht rein - bis zur 23. Minute. Da legte der flinke Samuel Erskine perfekt quer auf Jannick Fritsch, der eiskalt einschob. 1:1, und das Stadion tobte.

"Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Fritsch bescheiden - und grinste dabei so breit, dass man ihm nicht ganz glauben konnte.

Weiersbach, das laut Statistik 58 Prozent Ballbesitz hatte, wirkte zwar spielerisch reifer, doch Weiler hatte das, was man im Allgäu wohl "Herzblut" nennt. 18 Torschüsse feuerten sie insgesamt ab, viele davon aus der Kategorie "Wenn der reingeht, ist er drin".

Nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Erst kassierte Harvey MacAulay Gelb, dann Weilers Rueda, der seinen Gegenspieler mit einem Tackling in die Werbebande beförderte - allerdings mit freundlichem Lächeln und einem entschuldigenden Klaps danach. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er, "aber der Ball war schneller."

In der 49. Minute dann der Moment des Abends: Rechtsverteidiger Michel Hierro, sonst eher Mann fürs Grobe, eroberte sich nach einem langen Diagonalpass von Bernd Jahn den Ball, zog aus 20 Metern ab - und traf. Whelan streckte sich vergeblich, das Leder schlug unhaltbar im langen Eck ein. 2:1 für Weiler, und selbst die Milchbauern auf den umliegenden Hügeln dürften es gehört haben.

Raiola, mit offenem Hemd und wildem Blick, umarmte seinen Co-Trainer so fest, dass dieser fast die Luft verlor. "Ich hab’s gespürt, der Michel hat’s gespürt - und der Ball sowieso!", rief er später in Richtung Presse.

Weiersbach versuchte danach, das Spiel zu drehen, doch es fehlte an Durchschlagskraft. Jaime Galva probierte es gleich dreimal, aber Torhüter Hanns Peter - 18 Jahre jung und nervenstark wie ein Gebirgsbach im April - hielt alles, was in seine Richtung kam.

In der 60. Minute wechselte Raiola gleich dreifach: Aznar kam für Linus Berger, Olsson ersetzte Jahn, und der junge Foerster übernahm im Mittelfeld. Letzterer musste später verletzt raus, doch da war die Messe fast gelesen.

Die Schlussphase? Ein Mix aus Nervenschlacht und Improvisationstheater. Der Ball wollte nicht mehr ruhig liegen, der Schiedsrichter pfiff gefühlt jede Berührung ab, und der Stadionsprecher verirrte sich mehrfach in den Namen der Weiersbacher. Als der Abpfiff kam, sank Hierro auf die Knie - nicht vor Erschöpfung, sondern wohl aus Freude, dass keiner mehr auf seine Seite durchgebrochen war.

"Das war Kampf pur", keuchte er später. "Ich hab keine Ahnung, wo ich das Tor hergezaubert hab. Vielleicht war’s der Bergwind."

SV-Trainer Detlef Meister dagegen schüttelte nur den Kopf. "Wir haben schön gespielt, aber Fußball ist nun mal kein Schönheitswettbewerb."

Am Ende stand ein 2:1, das die Statistik Lügen strafte: weniger Ballbesitz, weniger Pässe - aber mehr Herz und Wucht. Weiler im Allgäu feiert, Weiersbach grübelt. Und irgendwo in der Kabine summte Mino Raiola vor sich hin - vermutlich keinen Hit, sondern den Sound des Sieges.

So klingt Fußball im Allgäu: kernig, ehrlich, manchmal ungeschliffen - und immer ein bisschen verrückt.

03.04.643997 00:56
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