Anpfiff
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Weiler im Allgäu fegt Hamburger SC mit 5:0 vom Platz

Ein lauer Sommerabend, 16.912 Zuschauer im kleinen Stadion am Rand der Allgäuer Hügel - und ein Spiel, das wohl niemand so erwartet hatte. Weiler im Allgäu, der sympathische Dorfverein mit dem Offensivdrang einer Großstadtmannschaft, schickte den Hamburger SC mit 5:0 (1:0) zurück an die Elbe. Wer spät kam, verpasste zwar keine frühe Führung, aber dafür eine Demonstration purer Effizienz, garniert mit einer Prise gnadenlosem Humor.

Schon die ersten Minuten zeigten, dass Trainer Mino Raiola seine Männer auf Angriff programmiert hatte. Von rechts, von links, über die Mitte - die Hamburger wussten kaum, wo ihnen der Kopf stand. "Wir wollten mutig sein", grinste Raiola nach dem Spiel, "aber dass wir gleich einen Orkan lostreten, war dann doch eine Überraschung."

Den Auftakt machte in der 30. Minute Nael Aznar, der nach Vorarbeit von Emil Musiala den Ball trocken ins rechte Eck setzte. Ein Tor wie ein Uhrwerk: präzise, unaufgeregt, aber tödlich. "Ich hab’ gar nicht groß nachgedacht, einfach geschossen", sagte Aznar später, als wüsste er selbst nicht so recht, wie leicht das ausgesehen hatte.

Hamburgs junger Spielmacher Leandro Beto mühte sich, das Offensivspiel anzukurbeln, schoss zweimal früh aufs Tor - beide Male landete der Ball irgendwo zwischen Bierstand und Bratwurstduft. "Das war nicht unser Tag", murmelte Beto nach dem Abpfiff mit einem Blick, der zwischen Trotz und Resignation pendelte.

Nach der Pause kam’s dann knüppeldick: Nick Scherer erhöhte in der 52. Minute auf 2:0, nachdem Michel Hierro eine Flanke butterweich ans Strafraumeck serviert hatte. Der Hamburger SC hatte zu diesem Zeitpunkt schon drei Spieler gewechselt, darunter den Torwart - Stanko Anicic raus, José María Tonel rein -, doch helfen sollte das nichts.

Ab da spielte nur noch Weiler. Linus Berger, der 31-jährige Routinier, drehte noch einmal richtig auf und schnürte binnen 14 Minuten einen lupenreinen Hattrick (62., 70., 76.). Das Publikum tobte, die Ersatzbank tanzte, und Mino Raiola ließ sich sogar zu einem kleinen Freudentänzchen hinreißen. "Linus war heute unser Sturmgewitter", schwärmte er später. Berger selbst blieb bescheiden: "Ich hab’ einfach Spaß gehabt. Und wenn du Spaß hast, triffst du halt."

Hamburg? Nun ja. Drei Torschüsse, zwei Gelbe Karten und am Ende sogar eine Gelb-Rote - Knut Möller, gerade mal 17, verabschiedete sich in der 90. Minute frühzeitig. Trainer Bernd Happel stand fassungslos an der Seitenlinie. "Wir waren mental in der Bahn Richtung Reeperbahn, nicht im Allgäu", sagte er halb im Scherz, halb im Schmerz.

Statistisch war’s kein Klassenunterschied - 53 Prozent Ballbesitz für Weiler, 47 für Hamburg -, aber wer die 18:3 Torschüsse sieht, weiß, dass das Spiel auf dem Papier gnädiger aussieht, als es in Wirklichkeit war. Immer wieder rissen Aznar und Berger über die Flügel Lücken, während Musiala im Zentrum die Puppen tanzen ließ.

In der 60. Minute wechselte Raiola gleich dreifach, brachte frische Beine mit Linus Berger, Heinrich Foerster und Tomasz Stoll - als wolle er sagen: Wir sind noch nicht satt. Und tatsächlich, nach dem 4:0 winkte Raiola seinem Assistenten zu und rief, halb lachend: "Jetzt spielen wir auf Spaß!"

Am Ende stand ein 5:0, das so klar war, dass selbst die Hamburger Fans im Gästeblock anerkennend applaudierten. "Das war eine Lehrstunde", meinte Happel. "Aber lieber heute verlieren, als nächste Woche wieder ängstlich spielen."

Während die Sonne über den Alpen unterging und der Stadionsprecher den letzten Namen verkündete, blieb ein Satz über die Lautsprecher hängen: "Weiler im Allgäu - Fußball mit Herz und Humor." Und tatsächlich: Wenn man ein 5:0 so charmant feiert, darf man das wohl glauben.

Schlusswort? Vielleicht dies: Manchmal braucht es keine Millionenetats, keine Startrainer, keine Taktiktafeln. Manchmal reicht ein Sommerabend, ein bisschen Mut - und ein Linus Berger, der einfach Lust auf Fußball hat.

16.12.644002 15:11
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Kritik macht mich nur noch stärker. Wenn mich in Dortmund von 55 000 Zuschauer 50 000 hassen, mir am liebsten ein Bein abhacken würden, mich mit 'Arschloch' begrüßen, dann fühle ich mich wie Arnold Schwarzenegger gegen den Rest der Welt. Das ist geil für mich.
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