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Weiler im Allgäu fegt Weiersbach mit 3:0 vom Platz

Was für ein Abend im Allgäuer Stadion! 15.194 Zuschauer bekamen am Samstag einen Vorgeschmack darauf, wie Fußball aussehen kann, wenn Leidenschaft auf taktische Disziplin trifft - und der Gegner den Schlüssel zum eigenen Strafraum verlegt. "Wir wollten von Beginn an Druck machen, und das haben die Jungs fantastisch umgesetzt", grinste Weilers Trainer Mino Raiola nach dem 3:0-Erfolg gegen den SV Weiersbach.

Schon nach acht Minuten bebte das Stadion: Rechtsverteidiger Michel Hierro, sonst eher der Typ Sicherheitsquerpass, fasste sich ein Herz und drosch den Ball aus 20 Metern unhaltbar ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Hierro später zu, "aber dann dachte ich: Na gut, wenn er schon drin ist, nehme ich ihn."

Weiersbach wirkte wie ein Team, das erst im Bus erfahren hatte, dass das Spiel tatsächlich heute stattfindet. Zwar hatten die Gäste mit 52 Prozent Ballbesitz die optische Kontrolle, doch jede gefährliche Aktion kam von den Hausherren. Weiler spielte mutig, mit offensiver Flügelstrategie, während Weiersbachs "balancierte" Ausrichtung so wirkte, als hätten sie vergessen, wo das Tor steht.

In der 23. Minute folgte das 2:0: Samuel Erskine tankte sich über links durch, passte flach in den Strafraum, und Michael Siebert schob cool ein - sein dritter Versuch an diesem Abend, endlich mit Erfolg. "Ich hab’ dem Ball vorher gut zugeredet", witzelte Siebert, "der wollte einfach nicht rein."

Zur Pause stand es 2:0, und die Fans sangen schon vom Aufstieg, während Raiola an der Seitenlinie wild gestikulierte. Offenbar wollte er sein Team daran erinnern, dass 45 Minuten Fußball immer noch länger sind als eine Halbzeit Show.

Nach dem Seitenwechsel blieb Weiler gefährlich. Der junge Dimas Allegri prüfte Weiersbach-Keeper Kilbane mehrfach, Heinrich Foerster zog aus der Distanz ab, und Linus Berger wirkte auf links wie aufgezogen. In der 67. Minute belohnte sich Berger für seinen unermüdlichen Einsatz: Nach einem sehenswerten Solo schlenzte er den Ball zum 3:0 ins Netz - und rannte jubelnd in die Arme seiner Mitspieler. "Ich hab noch nie so viel Platz gehabt", sagte er danach lachend, "vielleicht dachten die Weiersbacher, ich sei nur zum Dekor hier."

Weiersbach? Nun ja. Sie schossen fünfmal aufs Tor, aber keiner dieser Versuche brachte Torhüter Robert Schöne ernsthaft in Verlegenheit. Besonders bitter: Ihre beste Chance durch Loris De Luca in der 51. Minute landete direkt in den Armen des Keepers - sinnbildlich für den ganzen Abend.

In der Schlussphase durfte Weiler rotieren: Jürgen Linke kam für den ausgepumpten Siebert, Ben Meister ersetzte den starken Erskine, und der 17-jährige Bernd Maass feierte sein Debüt. Maass sorgte prompt für Gesprächsstoff, allerdings nicht wegen eines Traumpasses, sondern wegen einer Gelben Karte in der Nachspielzeit. "Ich war einfach zu motiviert", sagte er entschuldigend, "aber wenigstens hab ich jetzt meine erste Karte - man muss ja irgendwo anfangen."

Die Statistik unterstreicht das Geschehen: 13:5 Torschüsse für Weiler, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und das mit nur 47 Prozent Ballbesitz. Effektivität in Reinkultur. Trainer Raiola fasste es trocken zusammen: "Ballbesitz ist was für Philosophen. Tore sind was für Sieger."

Weiersbachs Coach, dessen Name nach dem Schlusspfiff lieber ungenannt bleiben wollte, reagierte sichtlich gereizt. "Wir hatten unsere Phasen", murmelte er, "leider waren sie kurz und ungefährlich." Seine Spieler schlichen vom Platz, als hätten sie gerade eine Woche ohne WLAN überlebt.

So beendet Weiler im Allgäu den zweiten Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Division) mit einem klaren Statement: Offensiv, bissig, und mit einem Selbstverständnis, das Fans träumen lässt. Ob das nachhaltige Euphorie oder bloß ein Frühsommermärchen ist, wird sich zeigen - doch an diesem Abend war Weiler schlicht das bessere, mutigere und unterhaltsamere Team.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Wenn’s so weitergeht, muss ich mir wieder eine Dauerkarte leisten." Und ehrlich gesagt - nach diesem Auftritt wäre das keine schlechte Investition.

23.08.644000 18:54
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Erich Ribbeck
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