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Es war ein Freitagabend, wie ihn die 3. Liga liebt: Flutlicht, 19.031 Zuschauer, und zwei Teams, die sich schon in den ersten Minuten gegenseitig den Schneid abkauften. Am Ende jubelte Weiler im Allgäu über ein 3:2 gegen den FC 1903 Wangen - ein Ergebnis, das so wild war wie der Allgäuer Föhnwind selbst. Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Kaum hatte der Stadionsprecher das Publikum begrüßt, zappelte der Ball schon im Netz: In der 5. Minute traf Michael Siebert nach Vorlage von Samuel Erskine - ein Angriff über rechts, blitzsauber herausgespielt, und Wangen schaute zu wie der Tourist, der den letzten Bus verpasst. "Wir wollten gleich zeigen, wer Herr im Haus ist", grinste Siebert später im Kabinengang, während er sich noch das Gras aus den Stutzen klopfte. Nur drei Minuten später legte Weiler nach. Linksverteidiger Bernd Jahn, sonst eher für rustikale Grätschen bekannt, verwandelte nach feinem Zuspiel von Emil Musiala - nein, nicht *der* Musiala, aber ein Namensvetter mit feinem Fuß - zum 2:0 (8.). Trainer Mino Raiola, sonst nicht für Zurückhaltung bekannt, raufte sich vor Freude fast die Frisur zurecht: "Da dachte ich kurz, ich träume. Zwei Tore in acht Minuten - das ist sonst was für Computerspiele." Doch Wangen schluckte den Schock nicht lange. In der 30. Minute verwandelte Joseph Haddock nach Vorlage von Noe Contreras zum 2:1, und plötzlich war wieder Leben im Spiel. Acht Minuten später revanchierte sich Contreras persönlich und traf zum Ausgleich - elegant, trocken, und abgebrüht wie ein Spieler, der vergessen hat, dass er erst 20 ist. "Wir wollten sie hinten reindrücken", erklärte Gästecoach Ready Play nach der Partie. "Und das haben wir in der ersten Halbzeit geschafft - nur leider war Fußball noch nie ein 45-Minuten-Spiel." Die Statistik sprach zu diesem Zeitpunkt für Wangen: Mehr Ballbesitz (57 Prozent), mehr Ruhe im Aufbau, aber weniger Effizienz. Weiler dagegen: 16 Torschüsse insgesamt, viele davon in der ersten halben Stunde - ein Sturm, der den Gästen sichtbar zusetzte. Nach der Pause wurde es ruppiger. Harry Kane - der jüngere, weniger bekannte und deutlich gelbverwarnt wirkende Namensvetter des englischen Superstars - sah in der 46. Minute Gelb, nachdem er Weilers Torhüter Hanns Peter beim Herauslaufen unsanft "begrüßt" hatte. "Er hat mir gesagt, er wollte nur den Ball", murmelte Hanns Peter später mit einem Grinsen. "Ich hab ihm gesagt: Dann hättest du ihn auch treffen müssen." In der 60. Minute wechselte Raiola gleich dreifach: Foerster, Berger und Todorow kamen - und brachten frischen Wind. Vor allem Linus Berger, der für Nael Aznar eingewechselt wurde, wirbelte über links. Wangen reagierte mit zwei frischen Kräften, darunter Dani Alves (nicht *der* Dani Alves, aber immerhin Namensvetter Nummer zwei des Abends). Der brachte Schwung, aber keine Stabilität. Dann kam die 66. Minute und mit ihr der Moment des Abends: Dimas Allegri - Sohn, Neffe oder nur Namensvetter des berühmten Trainers, das bleibt offen - zog von rechts nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck. 3:2! Weiler tobte, Wangen taumelte. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Allegri bescheiden. "Und gehofft, dass keiner meckert." Wangen versuchte alles, drückte, kombinierte, und Harry Kane (dieser Abend war wirklich ein Namensfestival) hatte in der 92. Minute noch eine dicke Chance, scheiterte aber am glänzend reagierenden Hanns Peter. Der Ballbesitz (57 Prozent für Wangen) blieb eine Zahl für Statistiker - auf der Anzeigetafel stand etwas anderes. In der 82. Minute verletzte sich Torschütze Jahn leicht - ein Krampf, nichts Dramatisches. Das Publikum verabschiedete ihn mit Applaus, während Trainer Raiola auf der Bank nervös an seiner Wasserflasche kaute. "Ich wollte eigentlich ruhig bleiben", sagte er später, "aber das gelingt mir nur bei Null-Null-Spielen, und die mag keiner." Als der Schlusspfiff ertönte, fiel eine Last von den Schultern der Weiler-Spieler. 3:2, drei Punkte, und ein Spiel, das noch lange in Erinnerung bleiben dürfte - nicht nur wegen der Tore, sondern wegen des Tempos, der Emotionen und mancher kuriosen Szenen. Gästetrainer Ready Play fasste es trocken zusammen: "Wir waren gut, sie waren besser, und der Fußball manchmal ungerecht. Heute war er gerecht - leider." Und während sich das Stadion langsam leerte, rief ein Fan von der Tribüne: "Raiola for Präsident!" - worauf der Trainer nur lachte: "Ich bleib lieber beim Chaos im Mittelkreis." So endete ein Abend, an dem Weiler im Allgäu bewies, dass Leidenschaft manchmal mehr Tore schießt als Ballbesitz - und dass im Fußball selbst die Namensvetter Geschichte schreiben können. 08.01.644003 07:32 |
Sprücheklopfer
Ich hoffe, dass die deutsche Mannschaft auch in der 2. Halbzeit eine runde Leistung zeigt, das würde die Leistung abrunden!
Günter Netzer