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An einem kühlen Märzabend, der im Allgäu eher nach Kaminfeuer als nach Flutlichtspiel roch, zeigte Weiler im Allgäu beim 2:0-Heimsieg gegen den FC Beilngries, dass man auch in der 3. Liga gepflegt dominieren kann. Vor 12.368 Zuschauern bestimmten die Gastgeber von Beginn an das Geschehen - und zwar so deutlich, dass man bei Beilngries irgendwann das Gefühl bekam, der Ball sei ein seltener Gast. Weiler-Coach Mino Raiola - ja, der große Mino, der sich offenbar eine Auszeit vom Beraterleben gönnt - hatte seine Elf offensiv eingestellt. 24 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz und eine Tacklingquote, die selbst einen Holzfäller stolz gemacht hätte, sprachen am Ende eine klare Sprache. "Wir wollten Druck machen, von Anfang an. Und ehrlich gesagt: Das hat Spaß gemacht", grinste Raiola nach dem Spiel. Schon in der Anfangsphase rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Beilngries-Keeper Arthur Bak. In der elften Minute prüfte Linus Berger das Aluminium, kurz darauf rauschte ein Schuss von Nick Scherer nur knapp vorbei. Der Ballbesitz? Eine einseitige Angelegenheit - Weiler spielte, Beilngries lief hinterher. In der 33. Minute fiel dann, was längst fällig war: Michael Siebert, der rechte Flügelflitzer, fasste sich nach Vorlage des Innenverteidigers Claudiu Ungureanu ein Herz und schob überlegt zum 1:0 ein. "Ich hab gar nicht überlegt, einfach draufgehauen", sagte Siebert später lachend, während sein Trainer ihm auf die Schulter klopfte: "Endlich hat er mal draufgehauen, bevor ich’s ihm wieder zurufen musste!" Der FC Beilngries dagegen blieb harmlos. Ganze zwei Torschüsse in 90 Minuten - einer in der 50., einer in der 89. Minute - sind eine Statistik, die man besser nicht in die Mannschaftsgruppe schreibt. Trainer Andreas Tiefenbach wirkte nach dem Spiel entsprechend ratlos: "Wir hatten uns vorgenommen, kompakt zu stehen. Das haben wir auch getan - so kompakt, dass wir vorne gar nicht mehr rausgekommen sind." Kurz nach der Pause versuchte Tiefenbach mit einem Wechsel-Doppelpack (Ghionea und Ledig kamen) neuen Schwung zu bringen, doch die Partie blieb einseitig. Weiler kombinierte, Beilngries verteidigte - und zwar meist im eigenen Sechzehner. Als dann in der 69. Minute Samuel Erskine wegen eines taktischen Fouls Gelb sah, rief Raiola ihm von der Seitenlinie zu: "Du wolltest doch mal auffallen, oder?" Das Publikum lachte. In der 74. Minute machte Jürgen Linke den Deckel drauf. Nach schöner Vorarbeit von Linksverteidiger Bernd Jahn traf der 20-Jährige trocken ins rechte Eck - 2:0, und das Stadion verwandelte sich in ein einziges Jubelmeer. "Ich hab einfach gespürt, dass Bernd mich sieht", sagte Linke später, und fügte mit einem breiten Grinsen hinzu: "Der Pass war schöner als mein Tor." Beilngries wechselte noch einmal den Torwart, als Arthur Bak verletzt ausschied - Benjamin Unger durfte ran und hielt, was zu halten war. Das war allerdings nicht viel, denn die meisten Angriffe verpufften im Mittelfeld oder endeten im dichten Abwehrbollwerk der Allgäuer. In der Schlussphase ließ Weiler Ball und Gegner laufen. Linus Berger hatte in der 85. Minute noch eine Riesenchance, doch sein Schuss verfehlte das Ziel knapp. Der junge Verteidiger Asen Todorow durfte in der Nachspielzeit noch einmal aus der Distanz probieren - sein Versuch in der 93. Minute wurde jedoch Beute des Torwarts. Nach dem Schlusspfiff klatschten sich die Weiler-Spieler ab, als hätten sie gerade den Aufstieg fix gemacht. Es war ein Statement-Sieg - spielerisch überzeugend, taktisch diszipliniert, und mit einer Portion Allgäuer Gelassenheit gewürzt. "Wir haben gezeigt, dass wir auch Fußball spielen können, nicht nur Käse verkaufen", witzelte Kapitän Robin Born in der Mixzone und bekam dafür Applaus von den Reportern. Zum Schluss blieb Coach Raiola noch kurz beim Gegner stehen und reichte Tiefenbach die Hand. "Kopf hoch", meinte er, "ihr wart heute halt Statisten in unserem Film." Tiefenbach nahm’s sportlich: "Dann hoffe ich, dass’s wenigstens ein Kassenschlager wird." So endete ein Abend, an dem Weiler im Allgäu nicht nur drei Punkte, sondern auch die Herzen seiner Fans gewann - und Beilngries mit dem Gefühl nach Hause fuhr, dass 2:0 manchmal schmeichelhaft sein kann. 07.03.643994 06:05 |
Sprücheklopfer
Man darf das Spiel doch nicht so schlecht reden wie es wirklich war.
Olaf Thon