Anpfiff
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Weiler im Allgäu siegt 4:3 in wildem Allgäu-Krimi gegen Rosenheim

Ein Dienstagabend im März, Flutlicht, 12.953 Zuschauer, kalter Wind - und ein Spiel, das so verrückt war, dass selbst der Linienrichter zwischendurch ungläubig lachte. Weiler im Allgäu besiegt die DJK Rosenheim mit 4:3 (3:2) und beweist, dass Fußball in der 3. Liga keineswegs grauer Alltag sein muss, sondern pures Drama mit Hang zur Komödie.

Schon die ersten Minuten machten klar, dass hier kein Abtasten auf dem Programm stand. Weilers Sturmtalent Tomasz Stoll, gerade einmal 17 Jahre jung, spielte, als hätte er heimlich Energydrinks in die Trinkflasche geschüttet. In der 10. Minute vollendete er nach einem feinen Pass von Heinrich Foerster eiskalt zum 1:0 - und nur vier Minuten später legte er nach. "Ich dachte, das ist FIFA auf der Playstation", grinste Trainer Mino Raiola später, "so schnell wie der Junge da zweimal durch war."

Doch Rosenheim schüttelte sich nur kurz. Henry Shepherd (26.) brachte die Gäste zurück ins Spiel, als er nach Vorarbeit von Ilias Scherfke aus zentraler Position traf. "Wir wollten sie da packen, wo’s weh tut - und das war mitten im Aufbau", erklärte Rosenheims Coach Kamil Breer mit einem vielsagenden Lächeln.

Nur hielt die Freude nicht lange. Sigfrid Bloch glich zwar in der 35. Minute zum 2:2 aus, nachdem Christiano Marin über links mustergültig servierte, doch Weiler antwortete prompt: Jürgen Linke stürmte in der 39. Minute über rechts, bekam den Ball von Samuel Erskine, und drosch ihn aus spitzem Winkel zum 3:2 ins Netz. Der Jubel auf den Tribünen klang eher nach Champions League als nach 3. Liga.

Und weil Drama ohne Gelbe Karten nur halbes Vergnügen ist, sah Foerster noch vor der Pause Gelb - und schimpfte lauthals: "Ich hab doch nur den Ball gespielt!" Der Schiedsrichter nickte freundlich. Ball vielleicht, Bein sicher.

Nach der Pause blieb es turbulent. John Carsley glich in der 48. Minute zum 3:3 aus - Rosenheim war zurück, diesmal mit Tempo über Veljko Divic vorbereitet. "Da haben wir kurz die Abwehr vergessen", seufzte Weilers Kapitän Robin Born. "Ich stand da wie ein Tourist vor’m Alpenpanorama - beeindruckt, aber nutzlos."

Dann kam die 68. Minute, und mit ihr die Entscheidung. Ronald Bertram, gerade zehn Minuten zuvor verwarnt, schoss, als wollte er sich selbst rehabilitieren - 4:3! Vorlage: Born, der alte Stratege. "Der war nicht geplant", grinste Bertram, "ich wollte eigentlich flanken, aber gut, Tor ist Tor."

Danach wurde es ruppig. Gelb für Asen Todorow (69.), Gelb für Bertram (77.), und Rosenheims Innenverteidiger Mathias Witt humpelte nach 78 Minuten vom Feld - später Diagnose: Zerrung. Breer wechselte sofort: "Ich hab kurz überlegt, ob ich mich selbst bringe - aber dann hab ich Vernunft walten lassen."

Weiler verteidigte den Vorsprung mit allem, was Beine hatte. In der Schlussphase jagte Rosenheim noch dreimal aufs Tor - Carsley (90.) setzte den Ball in die Nacht von Weiler. Die Fans hielten kollektiv den Atem an, dann brach Jubel los.

Die Statistik las sich am Ende fast ausgeglichen: 13:12 Torschüsse, 47 zu 53 Prozent Ballbesitz, Tacklingquote knapp über 50 Prozent für Weiler. Doch das Ergebnis sprach für Herz, nicht für Rechenschieber.

"Ich hab graue Haare bekommen, aber glücklich bin ich trotzdem", sagte Mino Raiola nach Abpfiff, während er sich demonstrativ durchs Haar fuhr - ein Schauspiel für sich. "Wenn wir jedes Spiel so spielen, brauchen wir bald keine Fitness-Tests mehr, nur noch Blutdruckmessungen."

Rosenheims Trainer Breer blieb fair: "Wir waren nah dran. Aber Weiler hatte heute diese Mischung aus jugendlichem Wahnsinn und Glück, die du nicht trainieren kannst."

Und der Held des Abends, Tomasz Stoll, stand da - jung, verschwitzt, grinste schüchtern. "Ich hab einfach geschossen", sagte er, als wäre das alles ganz normal.

Ein 4:3, das man so schnell nicht vergisst. Fußball im Allgäu kann manchmal lauter, wilder, ehrlicher sein als alles, was im Fernsehen läuft. Und während die Flutlichtmasten langsam verlöschten, hörte man noch ein paar Fans singen: "Weiler, Weiler, du verrücktes Ding."

Vielleicht die passendste Zusammenfassung dieses Abends.

04.05.643994 05:06
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Worüber ich mir die ganze vergangene Zeit Gedanken gemacht habe? Meine Frisur, die ist nämlich scheiße.
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