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Wenn man an einem lauen Aprilabend in Brandenburg in die Arena kam, erwartete man ein offenes Spiel zweier Teams aus dem Tabellenmittelfeld. Was die 5.000 Zuschauer beim 31. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) am 16. April 2026 um 20:30 Uhr zu sehen bekamen, war allerdings weniger ein Fußballfest als ein Lehrstück in Sachen Effizienz und Selbstkontrolle - letzteres allerdings nur auf Seiten der Gäste aus Weiler im Allgäu. Der FC Brandenburg verlor nämlich nicht nur das Spiel mit 0:2 (0:1), sondern auch die Contenance. Die Partie begann mit munterem Hin und Her. Schon in der zweiten Minute prüfte Weilers junger Flügelflitzer Felipe Gama den Brandenburger Keeper Samuel Clarke mit einem satten Schuss aus 18 Metern. Clarke parierte - noch. Wenige Minuten später setzte auch Daniel Bruguiere auf der Gegenseite ein Zeichen, doch sein Versuch landete in der Obhut des Weilerer Schlussmanns Robert Schöne, der an diesem Abend seinem Namen alle Ehre machte. Das erste Tor fiel in der 23. Minute, und es war so sauber herausgespielt, dass man es beinahe in einem Lehrbuch abdrucken könnte. Nick Scherer legte mit Übersicht in den Lauf von Jürgen Linke, der erst 20-jährige Rechtsaußen blieb cool und versenkte den Ball trocken ins rechte Eck. 0:1 - und Brandenburgs Verteidigung fragte sich verdutzt, wo eigentlich der Rest der Abwehr geblieben war. "Ich hab’ kurz gedacht, das war Abseits", gestand Trainer Patrick Fejer später schulterzuckend. "War’s aber nicht. Leider." Brandenburg hatte mit über 53 Prozent Ballbesitz zwar mehr Spielanteile, aber kaum Durchschlagskraft. Filipe Caneira mühte sich redlich im Sturmzentrum, doch Weilers Innenverteidiger Asen Todorow und Co. ließen ihn aussehen, als würde er mit angezogener Handbremse laufen. Die wenigen Chancen, die sich boten - wie Caneiras Schuss kurz vor der Pause - vereitelte Schöne souverän. Nach dem Seitenwechsel begann die zweite Halbzeit mit einem Paukenschlag - allerdings ohne Ball. In der 55. Minute sah Brandenburgs Innenverteidiger Florian Singer nach einem rüden Einsteigen glatt Rot. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er nach dem Spiel, "aber der Ball wollte offensichtlich nicht mich." Fejer reagierte fassungslos, während Gästecoach Mino Raiola (der offenbar einen guten Abend hatte) mit einem Grinsen meinte: "Ab da wussten wir: Jetzt wird’s einfacher." Und das wurde es. Weiler, ohnehin taktisch klar auf Offensive ausgerichtet, nutzte die Überzahl clever. Nach einigen Wechseln - der junge Ben Meister ersetzte den müden Erskine, Linus Berger kam für Gama - blieb das Team aus dem Allgäu brandgefährlich. Jürgen Linke, bereits Torschütze, sammelte sich zwischendurch noch eine Gelbe Karte, wohl um im Statistikbogen nicht zu einseitig zu erscheinen. Brandenburg dagegen verlor zusehends die Linie. Berndt Probst sah Gelb in der 57. Minute, und Trainer Fejer schrie mehr Anweisungen als seine Spieler Pässe spielten. Auf der Trainerbank war die Stimmung entsprechend frostig. "Ich hätte mir gewünscht, dass wir auch mal aufs Tor schießen", brummte Fejer nach Abpfiff. "Aber vielleicht war das zu viel verlangt." Das entscheidende 0:2 fiel kurz vor Schluss, in der 88. Minute. Der 18-jährige Ben Meister - gerade eingewechselt und offenbar mit jugendlicher Unbekümmertheit gesegnet - flankte butterweich von links in den Strafraum. Dort stand Jannick Fritsch, 22, goldrichtig und köpfte humorlos ein. "Ich hab’ einfach die Augen zugemacht", lachte Fritsch später. "Vielleicht mach ich das jetzt immer so." Das Stadion verstummte, nur die rund 150 mitgereisten Fans aus dem Allgäu feierten ausgelassen. Weiler im Allgäu hatte weniger Ballbesitz, aber mehr Torschüsse (12 zu 5) und vor allem mehr Zielstrebigkeit. Brandenburg dagegen zeigte, dass man mit 53 Prozent Ballbesitz und 45 Prozent Zweikampfquote auch verlieren kann - und zwar verdient. Raiola fasste den Abend trocken zusammen: "Wir haben das gemacht, was wir üben - Tore schießen. Und Brandenburg hat das gemacht, was sie üben - den Ball hübsch halten." Ein Satz, der in Brandenburg vermutlich noch einige Tage nachhallen wird. Denn während Weiler mit drei Punkten im Gepäck die Rückfahrt ins Allgäu antrat, blieb beim FC Brandenburg der bittere Nachgeschmack einer Niederlage, die mehr über Charakter als über Taktik verriet. Vielleicht hilft da nur Humor. "Immerhin haben wir das Flutlicht getestet", sagte ein Fan beim Hinausgehen. "Das hat funktioniert. Der Rest eher nicht." 11.01.643997 20:40 |
Sprücheklopfer
Ja gut, der arbeitet von morgens bis abends. Ja gut, sowas nennt man im Volksmund glaube ich Alcoholic.
Rudi Völler über Reiner Calmund