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Freitagabend, Flutlicht, 4000 Zuschauer im Stadion an der Geerdtsstraße - eigentlich war alles angerichtet für einen gemütlichen Fußballabend in Neumünster. Doch was die Fans des PSV in den ersten 15 Minuten erlebten, hatte eher etwas von einem kalten Eimer Wasser mitten ins Gesicht: Der Gast aus Weiler im Allgäu nutzte zwei Chancen eiskalt, führte nach 13 Minuten mit 2:0 - und brachte die Hausherren nachhaltig aus dem Konzept. Bereits in der 8. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz. Jürgen Linke, der flinke Rechtsaußen aus Weiler, war zur Stelle, nachdem Bernd Jahn einen butterweichen Ball von der linken Seite serviert hatte. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt, ich wollte den gar nicht so treffen", grinste Linke später - und man nahm ihm das sogar ab. Nur fünf Minuten später folgte der nächste Nadelstich: Innenverteidiger Asen Todorow staubte nach einer Ecke ab. Ein Abwehrspieler, der trifft - das Publikum von Neumünster wusste nicht, ob es lachen oder weinen sollte. Trainer Cedric Catweazle an der Seitenlinie raufte sich die Haare, schimpfte auf imaginäre Windverhältnisse und rief seinem Team zu: "Leute, wir spielen nach vorne, nicht rückwärts!" Doch der PSV brauchte eine halbe Stunde, um sich zu fangen. Jesper Geirsson prüfte den Gästekeeper Robert Schöne mehrfach, aber der blieb cool wie ein Allgäuer Käse im Keller. In der 31. Minute gab es eine unschöne Szene: Weilers junger Flügelläufer Diego Morte blieb nach einem Zweikampf liegen, musste verletzt raus. Für ihn kam Heinrich Foerster, der prompt Gelb kassierte und später noch durch einige rustikale Einlagen auffiel. "Das war kein Foul, das war ein Versehen mit Ansage", witzelte ein Fan von Weiler halb schadenfroh aus dem Gästeblock. Kurz vor der Pause dann das Lebenszeichen, das die PSV-Fans brauchten: Mario Venditti verkürzte in der 43. Minute nach Vorlage von Gordej Myschkin auf 1:2. Der Jubel war groß, der Glaube zurück - zumindest für ein paar Minuten. "Wir hatten sie da, wir hätten sie packen können", sagte Venditti nach dem Spiel. "Aber irgendwie war’s heute wie gegen eine Wand anlaufen, nur dass die Wand auch noch laufen konnte." In der zweiten Halbzeit drückte Neumünster, hatte mehr Ballbesitz (am Ende 50,7 Prozent), kam durch Kraus, Geirsson und Venditti zu Chancen. Doch die Defensive der Allgäuer hielt - und wenn sie mal wackelte, war da noch der 20-jährige Keeper Schöne. "Ich hab einfach versucht, den Ball zu fangen, bevor er reingeht", meinte er trocken, als hätte er gerade erklärt, wie man Kaffee kocht. Weiler blieb gefährlich über Konter. Linus Berger und Jannick Fritsch verpassten knapp das 3:1, während Neumünsters Keeper Jorge Yago mehrfach retten musste. Gelbe Karten sahen auf beiden Seiten je zwei Spieler, aber insgesamt blieb das Duell fair - zumindest auf dem Papier. In der Schlussphase versuchte Catweazle alles: Er gestikulierte wild, rief "Pressing, Männer, Pressing!", doch sein Team blieb brav in der eigenen Balance. Trainer Mino Raiola von Weiler grinste nach Schlusspfiff: "Wir wollten einfach Spaß haben und vielleicht ein Tor schießen - dass es zwei wurden, nehmen wir mit." Statistisch war’s fast ausgeglichen: 12 zu 15 Torschüsse, 50 zu 49 Prozent Ballbesitz, aber im entscheidenden Wert, den Toren, lag Weiler im Allgäu vorne. Und so nahm der Gast aus dem Süden drei Punkte mit nach Hause, während Neumünster sich mit der Erkenntnis trösten musste, dass Schönheit im Fußball selten belohnt wird. "Wir haben gut gespielt, nur halt die ersten 15 Minuten vergessen", fasste Catweazle zusammen. Und als er gefragt wurde, was er seiner Mannschaft in der Kabine gesagt habe, grinste er: "Ich hab ihnen erklärt, dass ein Spiel 90 Minuten dauert - und dass man die ersten 20 nicht einfach verschenken sollte." Ein Spiel, das keine taktische Revolution bot, aber reichlich Gesprächsstoff. Für Weiler im Allgäu war es ein kleiner Triumph, für den PSV Neumünster ein Abend zum Vergessen. Und für die neutralen Zuschauer? Ein Beweis, dass Fußball manchmal einfach das ist, was er sein soll: unberechenbar, unterhaltsam - und ein bisschen gemein. 22.09.643999 15:28 |
Sprücheklopfer
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