Anpfiff
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Weiler im Allgäu zerlegt Tumlingen: 3:0 und ein Abend zum Schmunzeln

Ein warmer Maiabend, 14.022 Zuschauer, Flutlicht und ein Gegner, der offenbar vergessen hatte, dass man in einem Fußballspiel auch auf das Tor schießen darf. Weiler im Allgäu schickte den SV Tumlingen am 25. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) mit einem klaren 3:0 nach Hause - und das ohne einmal wirklich ins Schwitzen zu geraten.

Schon nach einer Viertelstunde war klar, wer hier den Ton angibt. Michael Siebert, der flinke Rechtsaußen mit der Präzision eines Chirurgen, eröffnete den Torreigen in der 16. Minute. Nach feiner Vorarbeit von Nick Scherer drosch er den Ball ins linke Eck - und Tumlingens Torhüter Jan Kluge schaute dem Leder hinterher wie ein Mann, der sich fragt, ob er vielleicht den falschen Beruf gewählt hat. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Kluge später - halb entschuldigend, halb fassungslos.

Nur 14 Minuten später setzte Oliver Breadalbane nach. Der rechte Verteidiger, sonst mehr für rustikale Befreiungsschläge bekannt, traf nach einer butterweichen Flanke von Youngster James Hoskins volley ins Netz. 2:0, und die Allgäuer Fans sangen bereits vom Aufstieg, während Tumlingen-Coach Buddy Brown an der Seitenlinie mit den Händen in den Taschen stand und aussah wie jemand, der innerlich einen sehr langen Einkaufszettel durchgeht.

"Wir wollten über die Flügel kommen, aber irgendwie waren da immer Berge im Weg", sagte Brown nach dem Spiel, ein bitteres Lächeln auf den Lippen. Seine Mannschaft blieb tatsächlich ohne einzigen Schuss aufs Tor - null. Nicht einer. Wer die Statistik erfand, würde sich freuen, wenn sie so eindeutig wäre: 24:0 Torschüsse, 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Weiler, 49 Prozent Ballbesitz für Tumlingen, die trotzdem aussahen, als hätten sie den Ball nur kurz zum Entstauben ausgeliehen.

Nach der Pause hätte Tumlingen versuchen können, das Steuer herumzureißen. Stattdessen passierte das Gegenteil: In der 58. Minute war wieder Breadalbane zur Stelle, diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Linksverteidiger Bernd Jahn. Der Schuss aus spitzem Winkel war so trocken, dass man fast Durst bekam - 3:0, der Deckel drauf.

Trainer Mino Raiola - ja, jener Mino Raiola, den man sonst aus der Welt der Spielerberater kennt - grinste nach dem Abpfiff breit: "Ich hab gesagt, wir spielen offensiv, aber dass mein rechter Verteidiger doppelt trifft, das war nicht im Drehbuch. Vielleicht sollte ich ihn künftig im Sturm aufstellen."

Nach dem dritten Tor ließ Weiler es gemächlich angehen. Raiola nutzte die komfortable Führung, um in der 60. Minute gleich dreimal zu wechseln. Der 19-jährige Ben Meister kam für Diego Morte, Heinrich Foerster tauschte mit Nick Scherer, und Asen Todorow ersetzte Damian Rueda in der Innenverteidigung. "Ich wollte den Jungs Spielpraxis geben", erklärte Raiola lässig. Tumlingen-Coach Brown hingegen wechselte gar nicht - vielleicht aus Prinzip, vielleicht aus Verzweiflung.

Einziger kleiner Makel für die Gastgeber: Youngster James Hoskins sah in der 17. Minute Gelb, nachdem er an der Linie etwas zu beherzt in den Zweikampf gegangen war. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch kämpfen kann", grinste der 18-Jährige später. Auf der Gegenseite holte sich Yekta Tosun in Minute 74 ebenfalls Gelb - sinnbildlich für Tumlingens Frustphase, in der mehr gemeckert als kombiniert wurde.

Die letzten Minuten gehörten dann wieder den Allgäuern. Siebert prüfte Kluge mehrfach, Nael Aznar tanzte an der Strafraumgrenze, und der junge Ben Meister hatte sichtlich Spaß, auch wenn ihm das Glück im Abschluss fehlte. Zwischenzeitlich rief ein Fan aus der Kurve: "Lasst ihnen doch wenigstens einen Schuss!" - woraufhin Raiola sich umdrehte und mit einem Augenzwinkern zurückrief: "Wir sind keine Wohltäter!"

Als Schiedsrichter Brandl nach 90 Minuten abpfiff, war das Fazit eindeutig: Weiler im Allgäu spielte Fußball, Tumlingen spielte mit. 3:0, souverän, verdient, fast schon gnadenlos sauber.

"Das war heute eine Demonstration", meinte Doppeltorschütze Breadalbane im Kabinengang. "Aber ehrlich - zwei Tore? Ich muss mich wohl an den Geschmack gewöhnen."

Und während die Fans in Weiler noch feierten, packte Tumlingens Busfahrer schon die Navigationsgeräte aus. Der Rückweg würde lang, die Stimmung gedrückt sein. Mino Raiola hingegen stand am Spielfeldrand, sah seinem Team beim Jubeln zu und sagte trocken: "Wenn wir so weitermachen, müssen wir uns bald neue Gegner suchen."

Ein Satz, der in Weiler im Allgäu an diesem Abend keiner für überheblich hielt - sondern einfach nur für wahr.

25.03.644000 18:52
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Sprücheklopfer
Ich würde Helmut Kohl gerne einmal kennenlernen. Der wird genau so oft angefeindet wie ich. Aber da habe ich wohl keine Chance, weil der Bundeskanzler ja schon Berti Vogts adoptiert hat.
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