Anpfiff
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Weiler spielt Cottbus schwindelig - Berger und Fritsch treffen beim 0:2-Auswärtssieg

Es war einer dieser Abende im Stadion der Freundschaft, an denen man sich fragt, ob der Heimvorteil eigentlich widerrufbar ist. 6.539 Zuschauer wollten am 16. Spieltag der 3. Liga sehen, wie die BSG Cottbus den Tabellenmittelplatz mit Leidenschaft verteidigt. Sie bekamen Leidenschaft, ja - aber vor allem: Defensive Verzweiflung, 0 Torschüsse und zwei Tore des Gegners aus Weiler im Allgäu. Endstand: 0:2 (0:0).

Von Beginn an übernahm Weiler das Kommando, als hätten sie die Cottbuser Kabine gleich mit erobert. Schon in der zweiten Minute zischte der erste Schuss von Damian Rueda knapp am Pfosten vorbei - eine frühe Duftmarke. Während sich die Cottbuser noch sortierten, ratterte es weiter: Fritsch, Berger, Siebert - eine ganze Schießbude an Abschlüssen. Ganze 20 Torschüsse verzeichneten die Gäste am Ende, Cottbus dagegen null. "Das klingt schlimmer, als es war", meinte Heimtrainer Jörg Sachtler mit einem gequälten Lächeln. "Wir hatten auch den Ball - manchmal jedenfalls."

Tatsächlich lag der Ballbesitz bei Cottbus bei 42,6 Prozent, was in etwa der Quote entspricht, mit der ein Schachspieler gegen Magnus Carlsen einen Zug überlebt. Weiler agierte offensiv, aber ruhig. Trainer Mino Raiola - ja, der Mino Raiola, dessen Name sonst eher in Transferverhandlungen fällt als an der Seitenlinie - hatte seine Elf perfekt eingestellt. "Ich hab’ ihnen gesagt: spielt einfach Fußball, nicht PowerPoint", grinste er später.

Die erste Hälfte endete torlos, obwohl Weiler mehrfach gefährlich wurde. Der junge Cottbus-Keeper Fabio Martins war der einzige Grund, warum es zur Pause noch 0:0 stand. In der 35. Minute lenkte er einen Fritsch-Schuss mit den Fingerspitzen an die Latte - das Publikum spendete Szenenapplaus, als hätte man gerade die WM gewonnen.

Doch kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, passierte das, was sich schon die ganze Zeit angekündigt hatte. In der 49. Minute legte Linus Berger uneigennützig quer, und Jannick Fritsch schob trocken ein - 0:1. Der Jubel der Gäste war laut, der der Heimfans eher ein kollektives Seufzen. "Ich hab nur gesehen, dass der Ball endlich mal nicht gegen die Brust des Torwarts flog", witzelte Fritsch später.

Cottbus reagierte mit zwei Wechseln zur Pause - Erik Abel und Szilard Borbely kamen, um frischen Wind zu bringen. Der Wind blieb allerdings aus, die Pässe eher lauwarm. Weiler dagegen wechselte in der 60. Minute dreifach, unter anderem kam Jürgen Linke für Siebert und der 18-jährige Tomasz Stoll durfte für Torschütze Fritsch ran. "Ich wollte zeigen, dass wir auch jung können", sagte Raiola mit einem Zwinkern.

In der 72. Minute fiel dann die Entscheidung: Mittelfeldroutinier Robin Born spielte einen Steilpass, der so präzise war, dass man ihn in der Kunsthalle ausstellen könnte. Linus Berger sprintete durch, blieb eiskalt und schob zum 0:2 ein. "Ich dachte, der Torwart bewegt sich - tat er aber nicht. Da musste ich halt selbst was tun", lachte Berger nach Abpfiff.

Danach war die Partie gelaufen. Weiler kontrollierte das Geschehen, während Cottbus sich in die eigene Hälfte zurückzog. Das Pressing des Heimteams blieb theoretischer Natur - laut Statistik gab es keines. In der 90. Minute versuchte Berger es noch einmal mit einem satten Linksschuss, doch Martins hielt erneut glänzend. Wenigstens da konnte sich Cottbus auf jemanden verlassen.

Gelb sah einzig Weilers Linksverteidiger Bernd Jahn, der in der 43. Minute ein taktisches Foul zog. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch noch da bin", kommentierte er schmunzelnd.

Nach dem Schlusspfiff fasste Cottbus-Coach Sachtler das Spiel mit bitterem Humor zusammen: "Wenn du keinen Torschuss hast, kannst du auch kein Tor schießen. Fußball kann so einfach sein." Sein Gegenüber Raiola nickte anerkennend: "Manchmal reicht’s, wenn du den Ball hast und weißt, was du damit tun willst."

Die Fans gingen nachdenklich nach Hause - einige klopften dem jungen Keeper Martins auf die Schulter, andere suchten Trost im Stadionbier.

Weiler im Allgäu dagegen feierte ausgelassen. "Das war kein Gala-Fußball, aber ein ehrlicher Sieg", so Kapitän Born. 20 Schüsse, zwei Tore, drei Punkte - effizienter kann man kaum reisen.

Und Cottbus? Die müssen sich fragen, ob man im nächsten Training vielleicht mal aufs Tor schießen sollte. Nur so als Idee.

Endstand: BSG Cottbus - Weiler im Allgäu 0:2 (0:0). Tore: Fritsch (49.), Berger (72.). Zuschauer: 6.539.

01.12.643999 01:06
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