Anpfiff
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Weiler stürzt spät - Eichede siegt eiskalt mit 3:2

Wenn 15 818 Zuschauer an einem lauen Maiabend im Allgäu das Stadion füllen, dann riecht es nach Fußball - nach Bratwurst, Bier und ein bisschen Tragik. Und tatsächlich bekamen sie all das: ein packendes 2:3 zwischen Weiler im Allgäu und dem SV Eichede, garniert mit viel Tempo, zwei Doppelschlägen und einem Happy End für die Gäste aus dem Norden.

Es war kaum angepfiffen, da hatte Weiler-Trainer Mino Raiola noch nicht einmal seine Kaugummipackung geöffnet, als es schon rappelte. In der 6. Minute nutzte Eichedes Aslaug Laustsen die erste Unachtsamkeit der heimischen Hintermannschaft. Nach einer Flanke von Leandro de Torre - halb Schuss, halb Eingabe - drückte der Däne den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. "Ich hab’ einfach meinen Fuß hingestellt", grinste Laustsen später, "und gehofft, dass keiner merkt, wie wenig Absicht dabei war."

Weiler wirkte geschockt, und Eichede legte nach. Leandro de Torre, der schon das 0:1 vorbereitet hatte, schnappte sich in der 32. Minute den Ball, zog von links in die Mitte und schlenzte ihn sehenswert ins lange Eck - 0:2. Gästecoach Jana Frost jubelte verhalten, als wüsste sie, dass dieses Spiel noch nicht gelaufen war. "Ich kenn diese Liga. Zwei Tore Vorsprung bedeuten hier gar nichts - höchstens, dass man gleich eins kassiert", sagte sie später mit einem Augenzwinkern.

Und sie sollte recht behalten. Kurz vor der Pause meldete sich Weiler zurück. Linus Berger, der Kapitän und Publikumsliebling, ließ sich von Rechtsverteidiger Michel Hierro bedienen und drückte den Ball in der 44. Minute über die Linie. Stadionlautstärke: 110 Dezibel. Hoffnung: zurück.

Nach dem Seitenwechsel kam Weiler mit Schaum vorm Mund aus der Kabine. Noch keine sechs Minuten gespielt, da war es wieder Berger, diesmal nach Vorarbeit von Dimas Allegri. 2:2 - und das Stadion stand Kopf. "Da dachte ich, jetzt reißen wir’s", sagte Berger später, "aber dann hat uns die Kaltschnäuzigkeit verlassen."

Tatsächlich hatte Weiler nun alle Trümpfe in der Hand. Mehr Torschüsse (am Ende 12 zu 9), mehr Leidenschaft, aber weniger Ballbesitz (42 Prozent, was Trainer Raiola später mit dem Satz kommentierte: "Ballbesitz ist was für Statistiker, nicht für Sieger."). Leider irrte er sich an diesem Abend.

Eichede blieb ruhig, ließ Weiler anlaufen und lauerte. Und als die Kräfte der Allgäuer schwanden, schlug der Norden wieder zu. In der 79. Minute war es Vincent Alves, der nach Pass von Namensvetter Vincent Ring von links in die Mitte zog und den Ball flach ins rechte Eck setzte. 2:3 - und diesmal kam kein Aufbäumen mehr.

Raiola war nach dem Schlusspfiff sichtlich bedient, aber gewohnt theatralisch. "Wir haben Eichede das Leben schwer gemacht. Leider haben sie beschlossen, trotzdem zu gewinnen", knurrte er in die Mikrofone. Sein Gegenüber Jana Frost dagegen lächelte gelassen: "Ich sag’ meinen Jungs immer, dass 90 Minuten ein Spiel sind - und Weiler hat’s halt nach 80 beendet."

Die letzten Minuten brachten noch eine Gelbe Karte für den jungen Asen Todorow, einen verzweifelten Freistoß von Linus Berger und viel Nervosität auf den Rängen. Doch das Ergebnis blieb: 2:3.

Statistisch betrachtet war’s ein Spiel der kleinen Unterschiede. Eichede hatte mehr Ballbesitz, Weiler die höhere Zweikampfquote (52 Prozent). Beide Teams spielten offensiv, beide setzten auf ausbalanciertes Passspiel - und beide wirkten, als hätten sie sich im Taktikseminar abgesprochen. Nur der eine Unterschied: Eichede machte aus neun Torschüssen drei Tore, Weiler aus zwölf nur zwei.

Nach dem Abpfiff applaudierten die Zuschauer trotzdem. Man hatte ein Spektakel gesehen, das an Dramatik nichts vermissen ließ. Linus Berger wurde von den Fans gefeiert, auch wenn sein Doppelpack am Ende wertlos blieb. "Wenn du zweimal triffst und trotzdem verlierst, willst du eigentlich dein Trikot in die Waschmaschine werfen und nie wieder rausholen", witzelte er später in der Mixed Zone.

Und so endete ein Spiel, das für Weiler zum Lehrstück wurde: Wer zu spät trifft, verliert zu früh. Für Eichede dagegen war es der Lohn kalter Effizienz - oder, wie Trainerin Frost es formulierte: "Wir hatten heute drei Chancen zu viel, um sie ungenutzt zu lassen."

Vielleicht bringt das nächste Heimspiel den Allgäuern mehr Glück. Vielleicht auch nur bessere Laune. Aber eines ist sicher: Wer in Weiler Fußball schaut, bekommt Emotionen satt - und das ist mehr, als man in so manchem Erstligastadion sagen kann.

04.10.643999 05:13
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