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Weiler zaubert, Magdeburg verzweifelt - 3:0 und ein Fußballabend zum Schmunzeln

Weiler im Allgäu - Der Freitagabend hatte für die 13.225 Zuschauer im kleinen Stadion von Weiler alles, was man von einem Fußballabend erwartet: frühe Tore, hitzige Zweikämpfe, ein bisschen Gelb und viel Grund zum Jubeln für die Heimfans. Am Ende hieß es klar und deutlich 3:0 (2:0) für Weiler im Allgäu gegen Zukunft Magdeburg - ein Ergebnis, das so verdient war wie ein kühles Bier nach dem Spiel.

Schon nach sieben Minuten war klar, wohin die Reise geht. Jannick Fritsch, der 23-jährige Mittelstürmer aus der Region, schlich sich in den Rücken der Abwehr, bekam den Ball von Samuel Erskine - und zimmerte ihn trocken ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Fritsch später, während sein Trainer Mino Raiola mit verschränkten Armen an der Seitenlinie nickte, als hätte er’s genauso geplant.

Magdeburg, das sich mit jugendlichem Elan und einer ausgeglichenen Taktik präsentierte, wirkte kurz geschockt. Viel Ballbesitz (sogar einen Hauch mehr als Weiler, mit 50,2 Prozent) half nichts - sie kamen nicht durch die kompakte Defensive um Innenverteidiger Damian Rueda und den jungen Asen Todorow, der später noch Gelb sah, weil er einen Sprint zu rustikal beendete.

Weiler dagegen spielte, als gäbe es für sie keine zweite Halbzeit. In der 26. Minute legte Samuel Erskine selbst nach - nach feiner Vorlage des erfahrenen Robin Born. Der Stadionkommentator brüllte sich die Seele aus dem Leib, und Born grinste nur: "Ich dachte, ich mach mal was fürs Auge. Wenn Samuel dann so trifft, sag ich nicht nein."

Zukunft Magdeburg kam zwischendurch zu einigen zarten Annäherungen - vier Torschüsse insgesamt, die meisten davon ungefährlich. Der 17-jährige Jacob Mayr versuchte es vor der Pause aus spitzem Winkel, aber Torhüter Hanns Peter, 18 Jahre jung und offenbar ohne Nerven, pflückte das Ding lässig runter. "Der hat Hände wie Bratpfannen", flüsterte ein Zuschauer hinter mir ehrfürchtig.

Nach der Pause änderte sich das Bild kaum. Weiler blieb offensiv, Magdeburg blieb bemüht - und der Ball blieb meistens bei den Allgäuern. 25 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache. Linus Berger, der später zum Mann des Abends gewählt wurde, schien in der zweiten Hälfte einen persönlichen Wettbewerb mit sich selbst auszutragen: zwischen der 70. und 82. Minute feuerte er gleich sechs Mal aufs Tor. Der siebte Versuch, in der 83. Minute, saß schließlich - ein Flachschuss, präzise, unhaltbar. 3:0. Deckel drauf.

"Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte irgendwann einfach rein", lachte Berger nach dem Spiel. Trainer Raiola legte ihm den Arm um die Schulter und meinte trocken: "Wenn du so weitermachst, kriegst du bald Ballverbot im Training."

Magdeburgs Coach FC Zukunft - nomen est omen - blieb trotzdem gefasst. "Wir sind jung, wir lernen. Heute haben wir viel gelernt. Zum Beispiel, dass man auch mit 50 Prozent Ballbesitz verlieren kann." Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er am liebsten ein anderes Lehrkapitel gehabt hätte.

Ein kleiner Schreckmoment kam in der 80. Minute, als Magdeburgs Luis Benitez verletzt vom Platz musste. Für ihn kam David Varela, der prompt etwas Schwung brachte, aber es reichte nicht mehr, um die Defensive der Gastgeber zu knacken.

Weiler beendete das Spiel souverän, auch wenn die Gelben Karten gegen Todorow (60.) und den eingewechselten Diego Morte (68.) zeigten, dass man im Allgäu nicht nur mit Herz, sondern auch mit Härte spielt.

"Ich sag’s mal so", resümierte Raiola in der Pressekonferenz, "wenn meine Jungs so weitermachen, darf ich endlich mal wieder ruhig schlafen." Und Samuel Erskine fügte augenzwinkernd hinzu: "Dann hoffen wir, dass der Trainer auch träumt - von der 2. Liga."

Magdeburg dagegen wird sich neu sortieren müssen. Talent haben sie, keine Frage - aber an diesem Abend waren sie schlicht zu brav für die galligen Allgäuer.

Und so verließen die Zuschauer das Stadion gut gelaunt, mit der Gewissheit, dass ihre Mannschaft nicht nur gewonnen, sondern auch unterhalten hat. Einer rief beim Hinausgehen: "Wenn’s immer so läuft, kauf ich mir ’ne Dauerkarte!" - ein Satz, der in Weiler derzeit vermutlich zu den schönsten Komplimenten zählt.

Ein Abend voller Tore, Spielfreude und leichtem Spott - Fußball, wie er im Allgäu schmeckt.

02.03.644000 16:22
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