Anpfiff
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Weiler zündet nach der Pause - Gama trifft dreifach bei Thiedes Heimpleite

Viktoria Thiede wollte an diesem lauen Maiabend eigentlich ein Fußballfest feiern - geworden ist es ein Lehrstück in Effektivität, geschrieben von einem jungen Mann aus Brasilien und einem Team aus dem Allgäu. Weiler siegte am 30. Spieltag der 3. Liga Deutschland (2. Div) mit 3:0 (0:0) in Thiede, und Hauptdarsteller war ein gewisser Felipe Gama, 22 Jahre jung, schnell wie der Wind und eiskalt im Abschluss. Drei Tore, drei Mal Jubel mit ausgestreckten Armen vor der Gästetribüne - und eine Viktoria, die sich fragte, was da in der zweiten Halbzeit eigentlich passiert war.

Dabei war der erste Durchgang so unspektakulär wie ein Montagmorgen ohne Kaffee. Thiede begann engagiert, Marcel Lucescu prüfte in der 11. Minute mit einem Schuss von links den Gästekeeper Robert Schöne. Danach verflachte die Partie - zumindest aus Sicht der Gastgeber. Weiler tastete sich heran, Tomasz Stoll und Felipe Gama deuteten an, dass sie mit dem Ball umgehen können, aber der letzte Pass kam noch zu ungenau. "Wir wussten, dass Thiede am Anfang Druck machen würde", erklärte Weilers Trainer Mino Raiola später mit einem selbstzufriedenen Grinsen. "Also haben wir sie einfach laufen lassen."

Nach 45 Minuten stand es 0:0, die 5000 Zuschauer im Stadion Thiede murrten leise, einige griffen schon nach der Bratwurst, andere nach dem Handy. Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, platzte die Partie auseinander wie ein schlecht verschlossener Luftballon. In der 47. Minute schickte der 18-jährige James Hoskins den Ball mit einem butterweichen Pass auf die linke Seite - Felipe Gama nahm ihn mit, zog nach innen und schlenzte die Kugel ins lange Eck. 1:0 für Weiler. Zwei Minuten später fast die Kopie: Diesmal kam die Vorlage von Samuel Erskine, erneut Gama, wieder präzise, wieder drin. 2:0. Es war, als hätte jemand im Allgäuer Bus in der Pause den Turbo eingeschaltet.

Thiedes Trainer - der sich nur mit "Coach K." vorstellen wollte - schrie von der Seitenlinie "Höher raus!", doch seine Abwehr spielte weiter so tief, dass sie fast im eigenen Strafraum Wurzeln schlug. "Wir hatten den Plan, kompakt zu stehen", sagte er nach dem Spiel mit einem gequälten Lächeln, "aber offenbar hat niemand den Kompass gefunden." Seine Mannschaft brachte es insgesamt auf zwei Torschüsse, während Weiler 14-mal abzog. Ballbesitz? Fast ausgeglichen, 48 zu 52 Prozent - eine Statistik, die beweist, dass Zahlen manchmal gnadenlos irreführend sein können.

In der 60. Minute tauschte Raiola gleich dreimal: Linus Berger, Ben Meister und Nick Scherer kamen, und obwohl man dachte, das Spiel sei entschieden, legte Gama noch einen drauf. In der 82. Minute - wieder nach Vorlage von Hoskins - tunnelte er Thiedes Torwart Luke Armstrong und machte sein drittes Tor des Abends. Ein lupenreiner Hattrick, nur eben über 35 Minuten verteilt. "Ich habe einfach Spaß gehabt", grinste Gama nach dem Spiel. "Und James hat mir zweimal Zuckerpässe serviert. Ich musste nur noch Danke sagen."

Die Viktoria versuchte es in der Schlussphase mit langen Bällen, die aber meistens dort landeten, wo niemand stand - außer vielleicht einem gelangweilten Balljungen. Lars Sonntag schoss in der 33. Minute einmal aufs Tor, das war’s. Rui Couto vorne hing in der Luft, und Mateo Garcia auf links wurde von Weilers Rechtsverteidiger Oliver Breadalbane so konsequent zugestellt, dass er irgendwann nur noch mit den Händen wedelte.

Schiedsrichterin Franziska Lorenz hatte wenig Mühe. Eine einzige Gelbe Karte - Asen Todorow in der 20. Minute, weil er den Ball nach einem Pfiff wegschlug. "Ich wollte ihn nur trocken wischen", verteidigte sich der Bulgare später, woraufhin Raiola trocken meinte: "Dann hat er offenbar zu viel geputzt."

Am Ende jubelte Weiler im Allgäu ausgelassen. Drei Tore, drei Punkte, und ein Team, das sich leise an die Aufstiegsränge heranpirscht. "Wenn wir so weiterspielen, müssen die Großen aufpassen", verkündete Raiola, während er mit den Händen wild gestikulierte. Auf der anderen Seite saß Coach K. lange allein auf der Bank, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. "Manchmal", murmelte er, "ist Fußball einfach ungerecht. Oder sehr gerecht, je nachdem, auf welcher Seite man steht."

So endete ein Abend, an dem Viktoria Thiede zwar kämpfte, aber nie wirklich gefährlich wurde - und an dem Felipe Gama den Unterschied machte. Ein Name, den man sich merken sollte, zumindest bis zum nächsten Spieltag. Und wer weiß: Vielleicht wird in Weiler bald ein Platz nach ihm benannt. Wenn nicht, dann wenigstens eine Grillwurst.

22.05.644000 23:08
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