Anpfiff
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Weise trifft früh - Cloppenburg müht sich zum 1:0-Sieg gegen Pirmasens

Ein Tor nach vier Minuten, danach 86 Minuten Zittern, Kämpfen und gelegentlich Beten - der BV Cloppenburg hat am Dienstagabend in der Regionalliga B einen dieser Siege eingefahren, die man diplomatisch als "arbeitssam" bezeichnet. 1:0 hieß es am Ende gegen den FK Pirmasens vor 4427 Zuschauern, die sich mehr als einmal fragten, ob der Ballbesitz von 55 Prozent denn wirklich zum Wohlfühlen reicht.

Das Spiel begann, man glaubt es kaum, mit einem Tor. Schon in der vierten Minute zappelte der Ball im Netz des ansonsten abgebrühten Pirmasenser Keepers Dennis Frei. Meik Weise, Cloppenburgs quirliger Linksaußen und Mann mit dem Bein wie ein Vorschlaghammer, traf nach schöner Vorarbeit von Diego Chalana. Chalana, der später verletzt ausschied, hatte den Ball mit einer Mischung aus portugiesischer Eleganz und norddeutschem Pragmatismus an die Strafraumkante gelegt, wo Weise trocken abschloss.

"Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Weise später in der Mixed Zone. "Wenn ich ehrlich bin, wollte ich eigentlich flanken - aber pssst, das bleibt unter uns." Trainer des BV, der mediengewandte Herr ohne Namen (die Datenlage schweigt), soll nur gelächelt und gemeint haben: "Wenn alle unsere Flanken so reingehen, lass ich sie ab morgen nur noch flanken."

Danach wurde es zäh. Pirmasens, von Trainerin Gudrun Schweitzer lautstark und mit erstaunlichem Vokabular angefeuert, suchte nach der frühen Schockstarre den Weg nach vorn. Archie MacAlister prüfte in der 14. Minute Torwart Tom Wegener mit einem Distanzschuss, der eher nach Rugby aussah, aber immerhin Richtung Tor ging. Dani Tabenkin und Noah Specht versuchten es später mit mehreren Abschlüssen (28. und 37. Minute), doch die Cloppenburger Defensive stand wie eine Mauer aus norddeutscher Eiche - nicht schön, aber stabil.

"Wir haben zu kompliziert gespielt", schimpfte Schweitzer nach dem Spiel. "Kurzpass, Rückpass, Fehlpass - das ist kein System, das ist Sudoku."

Cloppenburg hingegen tat das, was eine Mannschaft tut, die seit der 4. Minute führt: Sie verwaltete. Und zwar so, dass man fast glauben konnte, der Ball sei in der zweiten Halbzeit auf Kururlaub gegangen. Zwar kamen die Gastgeber auf stolze elf Torschüsse, aber viele davon gingen in die Kategorie "freundliche Erinnerung für den Torwart". Pirmasens kam auf sieben, und das späte Aufbäumen blieb aus - auch, weil ihre Offensive im entscheidenden Moment an der eigenen Ungeduld scheiterte.

In der 55. Minute scheiterte erneut Tabenkin, in der 66. versuchte sich David Bernier, bevor er in der 78. Gelb sah - vermutlich, weil er sich über seine Schusstechnik ärgerte. Kurz darauf wechselte Schweitzer noch zweimal: Müjdat Öztürk kam für Tabenkin, Ulf Eriksen ersetzte Tiago Gomes. "Frische Beine", sagte sie, "aber leider keine frischen Ideen."

Die letzten Minuten gehörten dann wieder Cloppenburg. Timo Lang und Knut Schmidt testeten den Gästetorwart mehrfach (84. bis 87. Minute), ohne Erfolg. In der 89. Minute musste Chalana nach einem Zweikampf verletzt runter - die Diagnose stand noch aus, man munkelte von einer Zerrung. Ersatzmann Rene Diarra kam herein und machte seine Sache ordentlich, sprich: Er störte zumindest die Pirmasenser Angriffsbemühungen.

Das Publikum in Cloppenburg - wetterfest, laut und zu 90 Prozent im Dialekt jubelnd - feierte nach dem Abpfiff, als hätte man gerade den DFB-Pokal gewonnen. Und irgendwie fühlte es sich auch so an: ein frühes Tor, eine stabile Abwehr, ein Sieg. Mehr braucht man in der Regionalliga manchmal nicht.

"Wir haben gezeigt, dass wir auch hässlich gewinnen können", sagte Cloppenburgs Kapitän Timo Wolf mit einem Augenzwinkern. "Und das ist fast noch schöner als schön verlieren."

Pirmasens indes verließ den Platz mit hängenden Köpfen, aber ohne Selbstmitleid. "Wir haben uns nie aufgegeben", meinte Schweitzer, "aber Fußball ist nun mal kein Wunschkonzert."

Cloppenburg klettert mit diesem 1:0 weiter ins gesicherte Mittelfeld, Pirmasens bleibt im Niemandsland der Tabelle. Vielleicht kein Spiel für die Geschichtsbücher - aber eines für die Kategorie "ehrlicher Fußballabend".

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Rausgehen murmelte: "Ein frühes Tor, 86 Minuten Herzklopfen - dafür liebe ich diesen Verein."

Und wer weiß: Vielleicht war das Flankentor von Weise ja der Start einer neuen Taktikrevolution - "Flanken, die zu Toren werden", made in Cloppenburg.

29.12.643996 21:10
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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