Anpfiff
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Wusterwitz dreht auf: 2:2 nach wilder Aufholjagd gegen Aschaffenburg

6091 Zuschauer im Wusterwitzer Stadion sahen am Mittwochabend ein Spiel, das man so wohl nur in der Regionalliga B erlebt: technisch solide, emotional überhitzt und mit einem Drehbuch, das selbst Netflix nicht besser geschrieben hätte. Am Ende stand ein 2:2 zwischen dem FC Wusterwitz und Aschaffenburg - ein Ergebnis, das keiner so richtig einordnen konnte.

Die Gäste aus Aschaffenburg wirkten von Beginn an wie ein Team, das seine Hausaufgaben gemacht hatte. Trainer Tesco Toni hatte seine Elf offensiv eingestellt, und die jungen Wilden legten los, als gelte es, die Wusterwitzer Abwehr in den Ruhestand zu schicken. Schon in der 20. Minute passte Alberto Derlei scharf von links in den Strafraum, wo der 18-jährige Paulo Oliveira eiskalt zum 0:1 einschob. "Ich dachte, der Ball sei zu weit - aber dann war er einfach da", grinste Oliveira später, als hätte er gerade ein Sonntagsbrötchen bestellt.

Wusterwitz wankte, und Aschaffenburg witterte Blut. Kurz vor der Pause legte Archie Browning nach (42.), nach feiner Vorarbeit von Banel Petrescu. 0:2 - und die Heimfans rieben sich verwundert die Augen. Trainer Tom Fritz trat derweil an der Seitenlinie in den Rasen, als versuche er, den Ball durch psychische Energie noch von der Linie zu kratzen.

"In der Halbzeit war’s laut", verriet später Mittelfeldmann Werner Runge mit einem Grinsen. "Tom hat gesagt, wir sollen endlich Fußball spielen und nicht Rasenpflege betreiben." Offenbar wirkte die Ansprache: Nach dem Wechsel kam Wusterwitz mit deutlich mehr Biss aus der Kabine. Zwar sah Innenverteidiger Marcel Voigt direkt Gelb (46.) und verletzte sich später (70.) - aber die Mannschaft zeigte Herz und Beine.

Der Anschluss fiel in der 59. Minute, als der 19-jährige Luca Philipp nach einem klugen Steckpass von Walther Buchholz nervenstark zum 1:2 einschob. Das Stadion erwachte plötzlich zum Leben, als wäre jemand auf den Hauptschalter getreten. "Da ging ein Ruck durch uns", meinte Philipp später. "Ich hab nur noch Rot gesehen - also das Tornetz."

Es war fortan ein anderes Spiel: Wusterwitz warf alles nach vorn, während Aschaffenburg zunehmend den Ball quer schob und auf ihre 59 Prozent Ballbesitz stolz sein durfte. Insgesamt gaben sie 13 Torschüsse ab, doch die klareren Chancen hatte nun der Gastgeber. Der eingewechselte Johann Zander brachte frischen Wind, auch wenn er sich kurz vor Schluss noch Gelb abholte (86.) - vermutlich, weil er die Emotionen nicht mehr in den Griff bekam.

Und dann kam die 82. Minute: der Moment, in dem das Stadion bebte. Der junge Rafael Witte, gerade einmal 19, nahm eine butterweiche Flanke von Ralf Meiser direkt und hämmerte den Ball zum 2:2 ins Netz. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Witte hinterher achselzuckend. "Wenn du nach 70 Minuten auf der Bank frierst, musst du dich ja irgendwie aufwärmen."

Die letzten Minuten glichen einem offenen Schlagabtausch: Wusterwitz wollte plötzlich mehr, Aschaffenburg verstand die Welt nicht mehr. Trainer Toni rief verzweifelt: "Jungs, wir spielen hier nicht im Casino!" - aber seine Mannschaft würfelte trotzdem weiter mit dem Glück.

Statistisch gesehen war Aschaffenburg überlegen: mehr Ballbesitz, mehr Schüsse, mehr Ordnung. Doch die Moral und der Mut lagen klar auf Seiten der Gastgeber. Trainer Fritz kommentierte trocken: "Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als ein Zwischenhalt auf der Landkarte."

Als Schiedsrichter Becker abpfiff, klang ein kollektives Aufatmen durchs Stadion. Wusterwitz hatte sich zurückgekämpft, Aschaffenburg hatte sich hingelegt - und beide hatten irgendwie gewonnen und verloren zugleich.

"Wenn wir die erste Halbzeit vergessen könnten, wäre ich zufrieden", murmelte Fritz beim Gang in die Kabine. Toni dagegen grinste bitter: "Zwei zu null führen und dann so… das ist wie Pizza bestellen und nur den Karton bekommen."

So bleibt das 2:2 ein Ergebnis, das keiner so richtig feiern mochte - außer vielleicht die neutralen Beobachter, die ein Spiel voller Tempo, Emotionen und jugendlichem Leichtsinn gesehen hatten. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein alter Fan beim Hinausgehen: "So was nennt man Regionalliga-Romantik."

Vielleicht hatte er recht. Denn an diesem Abend in Wusterwitz war alles drin - Drama, Leidenschaft und ein Hauch von Chaos. Und das, ganz ohne Verlängerung.

31.12.643996 06:45
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Der Vorteil von Trainern wie Branko Zebec und Ernst Happel war ihre kuriose Sprache. Die Spieler mussten sich stark konzentrieren, um zu verstehen, was sie meinten. Deshalb kam ihre Botschaft so gut rüber.
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