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Wusterwitz dreht das Spiel - Bad Dürrenberg verliert trotz Traumstart

4722 Zuschauer hatten sich an diesem frischen Aprilabend in Bad Dürrenberg eingefunden, und sie sollten ein Spiel erleben, das man mit einem Wort beschreiben könnte: typisch Fußball. Die Gastgeber dominierten, führten früh und standen am Ende doch mit leeren Händen da. FC Wusterwitz, der Außenseiter, entführte dank jugendlicher Unbekümmertheit und einer Portion Glück drei Punkte aus dem Kurort - 1:2 hieß es nach 90 intensiven Minuten des 31. Spieltags der Regionalliga B.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. In der 8. Minute setzte der erfahrene Schwede Urban Larsson einen Schuss ins rechte Eck, nachdem der 19-jährige Otto Gudjohnsen den Ball mit einer Mischung aus jugendlicher Naivität und genialem Instinkt quergelegt hatte. 1:0 - und das Stadion vibrierte. "Da dachte ich: Heute läuft’s von allein", grinste Trainer Daniel Mahler später bitter.

Und ja, es lief - aber nur in eine Richtung: auf das Tor von Wusterwitz. 63 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse, Larsson, Kuehn und Delap wirbelten unermüdlich. Das Problem: Der Ball fand einfach nicht mehr den Weg ins Netz. Wusterwitz stand tief, manchmal zu tief, aber Torhüter Phillip Zimmermann entwickelte sich zu einer Art menschlicher Wand. "Ich hab einfach mal die Hände hochgerissen - und da war der Ball schon drauf", sagte er selbstironisch über seine Glanzparade in der 37. Minute gegen Jannick Kuehn.

Zur Pause hatte Bad Dürrenberg alles im Griff, Wusterwitz wirkte zahnlos, der junge Luca Philipp hing vorne in der Luft. Doch Trainer Tom Fritz hatte in der Kabine offensichtlich die richtigen Worte gefunden. "Ich hab ihnen gesagt: Wenn ihr schon hinten liegt, dann wenigstens mit erhobenem Kopf", verriet er lachend.

Seine Mannschaft nahm ihn wörtlich. Plötzlich pressten die Gäste, setzten die Hausherren unter Druck - und in der 59. Minute fiel der Ausgleich. Ausgerechnet der zuvor blasse Philipp traf nach einem langen Ball über die linke Seite, als Dürrenbergs Abwehr kollektiv die Orientierung verlor. Ein Schuss, ein Strich, ein Tor - 1:1, und Mahler raufte sich an der Seitenlinie die Haare.

Nur vier Minuten später dann der Schock in Blau-Weiß: Nach einer Ecke segelte der Ball durch den Strafraum, und Marco Müller, eigentlich Innenverteidiger, drosch das Leder humorlos unter die Latte. 1:2 - das Spiel war gedreht. Den Assist lieferte der eingewechselte Nico Behrendt, 19 Jahre alt, der prompt zum heimlichen Held des Abends avancierte.

Bad Dürrenberg versuchte zu antworten, aber der Schwung war raus. Larsson schoss in der 70. Minute knapp vorbei, Santarossa verzog kurz darauf, und als Otto Gudjohnsen in der 89. Minute noch einmal Maß nahm, hielt Zimmermann wieder. Wusterwitz stand nun mit neun Mann hinten drin - im wahrsten Sinne des Wortes, denn Hanns Konrad hatte in der 83. Minute nach einer übermotivierten Grätsche Gelb-Rot gesehen. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte er hinterher mit einem Lächeln, das seine Trainer nicht teilten.

Trotz Unterzahl retteten die Gäste den Vorsprung clever über die Zeit. Die letzten Minuten glichen einem Handballspiel um den Strafraum, doch Bad Dürrenberg fehlte die Präzision. "Wir haben den Ball gehabt, aber sie hatten das Glück", murmelte Mahler in der Pressekonferenz, während Kollege Fritz süffisant anmerkte: "Manchmal ist weniger Ballbesitz eben mehr."

Statistisch betrachtet war es ein Unding: 63,8 Prozent Ballbesitz, 15:14 Torschüsse, Zweikampfquote fast ausgeglichen. Auf dem Papier dominierte Dürrenberg, auf der Anzeigetafel aber lachte der FC Wusterwitz. Und der Jubel nach dem Schlusspfiff? Laut, ungläubig, ausgelassen. Philipp und Müller lagen sich in den Armen, während Zimmermann Richtung Fans rief: "Wir sind noch nicht tot!"

Bad Dürrenberg dagegen steht nach dieser Niederlage sinnbildlich für die alte Fußballweisheit, dass Schönheit allein keine Punkte bringt. Und Trainer Mahler? Der nahm’s mit Galgenhumor: "Wenn wir so weiterspielen, verlieren wir bald jedes Spiel verdient."

Ein Abend, der Wusterwitz Mut macht - und Bad Dürrenberg zum Nachdenken zwingt. Manchmal entscheidet eben nicht, wer besser spielt, sondern wer öfter jubelt. Und das waren an diesem Donnerstagabend eindeutig die Gäste in Rot.

11.01.643997 20:20
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