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Es war einer dieser lauen Sommerabende, an denen der Geruch von Bratwurst und Rasen in der Luft hängt und 6506 Zuschauer im Wusterwitzer Stadion sich fragen: "Wird das heute wieder so ein 0:0?" Fast sah es danach aus - bis Walther Buchholz in der 72. Minute beschloss, dem Spiel doch noch einen Sinn zu geben. Der 22-Jährige traf zum 1:0-Sieg des FC Wusterwitz gegen FK Pirmasens. Ein Treffer, der so plötzlich kam wie ein Sommergewitter, aber wenigstens für klare Verhältnisse sorgte. Von Beginn an übernahm Wusterwitz die Initiative. Trainer Tom Fritz hatte sein Team offensiv eingestellt - kurzer Pass, geduldiger Aufbau, viel Bewegung. Schon nach drei Minuten prüfte Luca Philipp den Pirmasenser Keeper Lucas Grantham das erste Mal. "Ich wollte ihn früh wachrütteln", grinste Philipp später, "aber der war wohl schon beim Warmmachen hellwach." Pirmasens dagegen blieb dem eigenen Ruf treu: defensiv, tief, auf Konter lauernd. Coach Gudrun Schweitzer hatte ihre Elf in einem dichten Bollwerk formiert, das an eine Baustellenabsperrung erinnerte - nur dass hier ab und zu jemand durchrutschte. Wusterwitz schoss, flankte, kombinierte, aber der Ball wollte einfach nicht rein. 16 Torschüsse bis zum Abpfiff - und fast alle endeten irgendwo zwischen Grantham und der Nordtribüne. "Wir haben das Spiel gemacht, sie haben es verhindert", brachte Trainer Fritz die erste Halbzeit zusammenfassend auf den Punkt. Und tatsächlich: Trotz 50,8 % Ballbesitz und klarer Zweikampfhoheit (57 % gewonnene Duelle) fehlte Wusterwitz lange die Präzision im Abschluss. Besonders der junge Rechtsaußen Rafael Witte hatte mehrere gute Szenen, scheiterte aber gleich dreimal in Halbzeit eins. Nach der Pause wurden die Gäste etwas mutiger - vermutlich hatte Schweitzer in der Kabine den Satz gesagt, der in der Fußballgeschichte schon viele Katastrophen eingeleitet hat: "Geht jetzt mal ein bisschen raus!" In der 51. Minute wieder Philipp, dann Konrad, wieder Philipp - die Chancen häuften sich, das Tor nicht. Dann kam die 70. Minute. Fritz brachte frische Beine: Johann Zander und Finn Roth ersetzten die ausgelaugten Flügelspieler. "Ich wollte noch mal Tempo reinbringen, und außerdem hat Roth versprochen, nach dem Spiel die Kabinenmusik zu übernehmen", witzelte der Trainer später. Nur zwei Minuten später zahlte sich der Wechsel aus: Curt Fröhlich behauptete den Ball im Strafraum, legte klug zurück, und Walther Buchholz traf mit links trocken ins rechte Eck. 1:0. Stadionexplosion. "Ich hab einfach draufgehalten", erklärte Buchholz nach dem Abpfiff bescheiden. "Vielleicht war’s Glück, vielleicht Können - wahrscheinlich beides." Curt Fröhlich ergänzte mit einem breiten Grinsen: "Ich sag mal so: Ohne meinen Pass wäre das maximal ein Eckball geworden." Pirmasens versuchte danach, die Ordnung zu finden, die es nie so richtig hatte. Stattdessen fanden sie in der 84. Minute die Rote Karte: Kornej Babinow raus - zu spät, zu heftig, zu frustriert. "Er wollte den Ball spielen", verteidigte ihn Schweitzer, "aber der Ball war gerade in einem anderen Postleitzahlengebiet." Die letzten Minuten wurden zum Wusterwitzer Geduldsspiel. Anstatt das 2:0 zu suchen, verwalteten sie das Ergebnis mit erstaunlicher Ruhe. Finn Roth hatte kurz vor Schluss noch eine gute Gelegenheit, doch Grantham parierte erneut. "Ich wollte’s spannend halten", zwinkerte Roth später. Und so endete ein Spiel, das statistisch klar war, aber auf der Anzeigetafel knapp blieb. 1:0, 16:3 Torschüsse, ein roter Karton, viel Applaus. "Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Coach Fritz, "auch wenn ich irgendwann mal gerne früher jubeln würde." Gudrun Schweitzer hingegen sparte sich jeden Sarkasmus: "Wenn du 90 Minuten verteidigst und dann ein Tor kriegst, ist das wie Zähneputzen ohne Zahnbürste - du weißt, es bringt nichts, aber du machst es trotzdem." Am Ende war das Spiel ein Spiegelbild der Liga: Mutige Wusterwitzer, die sich für ihren Aufwand belohnen, und tapfere Pirmasenser, die wissen, dass 49 % Ballbesitz auch nur eine Zahl ist. Der Wusterwitzer Abend klang im Flutlicht aus, die Fans sangen, die Spieler grinsten, und irgendwo im Kabinengang soll Walther Buchholz gesagt haben: "Wenn meine Oma das gesehen hat, darf ich beim nächsten Familienessen endlich am großen Tisch sitzen." Ein verdienter Sieg, ein schöner Abend - und vielleicht der Beginn einer kleinen Wusterwitzer Erfolgsgeschichte. 04.12.644002 12:26 |
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