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Es war ein Montagabend, wie ihn die Regionalliga B liebt: Flutlicht, 5.710 Zuschauer, Bratwurstduft in der Luft - und Fußball, der nicht schön, aber ehrlich war. Der FC Wusterwitz besiegte BW Magdeburg mit 1:0 und tat das mit einer Mischung aus jugendlichem Elan und stoischer Geduld. Ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber eine Geschichte von 90 Minuten Dauerfeuer erzählt - fast ausschließlich in eine Richtung. Schon in der vierten Minute blitzte die Energie der Gastgeber auf - allerdings zunächst in Form einer Gelben Karte. Rechtsverteidiger Finn Kern kam zu spät, der Schiedsrichter zu früh mit der Karte. "Ich wollte eigentlich nur den Ball streicheln", grinste Kern nach dem Spiel. Danach war Wusterwitz endgültig wach. In der zwölften Minute fiel das Tor des Abends. Der 20-jährige Walther Buchholz, zentraler Mittelfeldspieler und offenbar mit einem Kompass im Fuß ausgestattet, zog aus knapp 20 Metern ab - präzise, trocken, unhaltbar. Assistiert wurde er von Hanns Konrad, der auf der linken Seite mehr Kilometer machte als ein Paketbote kurz vor Weihnachten. "Hanns hat den Ball perfekt abgelegt. Ich hab einfach draufgehalten. Wenn man da anfängt zu denken, ist es zu spät", sagte Buchholz später, noch mit Grasflecken im Gesicht. Danach rollte Angriff auf Angriff auf das Tor der Magdeburger. 14 Torschüsse zählten die Statistiker - keiner davon auf der anderen Seite. Null. Kein einziger Versuch des Gastes fand den Weg Richtung Wusterwitzer Torwart Ralph Steffens. Der hätte theoretisch in der ersten Halbzeit seine Steuererklärung machen können. "Ich hab mich mit dem Balljungen über die neuen Handschuhe unterhalten", witzelte Steffens. Magdeburgs Trainer Sven Lange wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos. Seine Mannschaft spielte offiziell "offensiv, auf Konter eingestellt", aber das sah eher nach "defensiv, auf Wunder hoffend" aus. Lange blieb trotzdem gelassen: "Wir haben versucht, kompakt zu stehen. Es war halt sehr, sehr kompakt - fast unbeweglich." Wusterwitz hingegen kombinierte munter, auch wenn nicht jeder Pass saß. Trainer Tom Fritz hatte seine Elf auf Kurzpassspiel und kontrollierte Offensive eingestellt. "Ich wollte, dass wir Fußball spielen, keinen Zufallsbetrieb", erklärte er. Und seine Jungs setzten das um - zumindest so lange, bis die Chancenverwertung ins Spiel kam. Curt Fröhlich, der quirlige Mittelstürmer, arbeitete, ackerte, rannte - und verzog. Gleich mehrfach. In der 14., 29., 65., 84. und 91. Minute versuchte er es, und jedes Mal rauschte der Ball vorbei oder landete in den Armen des starken Gästekeepers Carsten Frei. "Ich hab ihm irgendwann gratuliert - der war heute einfach magnetisch", sagte Fröhlich lachend. Nach der Pause blieb das Bild gleich. Wusterwitz drängte, Magdeburg verteidigte wie ein Kaninchen vor der Schlange: starr, aber ohne Fluchtplan. In der 49. Minute versuchte sich der junge Nico Behrendt mit einem strammen Schuss, in der 69. und 77. Minute prüften Stephan Werner und Hanns Konrad den Torwart. Doch der zweite Treffer wollte einfach nicht fallen. Trainer Fritz reagierte: In der 45. Minute kam Stephan Werner für den jungen Luca Philipp, später Carl Schindler für Finn Kern und Werner Runge für Torschütze Buchholz. "Walther war platt, der hat das halbe Spielfeld allein umgepflügt", meinte Fritz. Und tatsächlich: Der 20-Jährige hatte nicht nur das Tor erzielt, sondern auch das Mittelfeld dominiert. Statistisch betrachtet war das Spiel fast eine Einbahnstraße mit Stau am Strafraum. 49,9 Prozent Ballbesitz für Wusterwitz, 50,1 für Magdeburg - eine Zahl, die eher den Rückpässen der Gäste zu verdanken ist als eigenem Offensivgeist. Die Zweikampfquote sprach Bände: 59 zu 41 Prozent für die Hausherren. Am Ende stand ein 1:0, das so knapp wie verdient war. Die Wusterwitzer Fans feierten ihre Mannschaft mit Sprechchören, während die Magdeburger Spieler wortlos in die Kabine schlichen. Nur Torwart Frei klopfte Buchholz auf die Schulter - vielleicht als stilles "Respekt". "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht, aber lieber so als gar nicht", bilanzierte Trainer Fritz. Sein Kollege Lange nickte trocken: "Manchmal ist Fußball eben einseitig. Heute war’s fast geometrisch." Wusterwitz klettert mit diesem Sieg weiter nach oben in der Regionalliga B, Magdeburg dagegen bleibt im Mittelfeld stecken - ohne Torschuss, aber mit reichlich Gesprächsbedarf. Und irgendwo auf der Heimfahrt dürfte Ralph Steffens im Mannschaftsbus gesessen haben, mit einem Augenzwinkern zu seinem Ersatzkeeper: "Nächstes Mal darfst du ran - ich brauch wieder ein bisschen Action." Ein 1:0, das in keiner Highlight-Show glänzt, aber in Wusterwitz noch lange nachhallen wird. 27.09.643996 12:08 |
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In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgespielt.
Franz Beckenbauer