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Manchmal erzählen nackte Zahlen eine ganze Geschichte: 22 zu 1 Torschüsse. 54 Prozent Ballbesitz. 2:0 Tore. Der FC Wusterwitz war an diesem Mittwochabend in Malchin nicht einfach nur zu Gast, er war der Hausherr in fremdem Stadion. 4096 Zuschauer sahen beim 8. Spieltag der Regionalliga B ein Spiel, das in seiner statistischen Schieflage fast schon komisch wirkte - wäre es für den FSV Malchin nicht so bitter gewesen. Trainer Tom Fritz von den Gästen grinste nach dem Schlusspfiff in die Fernsehkameras: "Ich habe aufgehört zu zählen, wie oft wir draufgehalten haben. Irgendwann musste ja mal einer rein." Dass es schließlich zwei wurden, lag weniger an fehlendem Willen, als an einem glänzend aufgelegten Malchiner Torwart und etwas Pech im Abschluss. Schon nach zwei Minuten prüfte Wusterwitz’ Mittelstürmer Curt Fröhlich den Reflexapparat von FSV-Keeper Rafael Münch. Der reagierte so schnell, dass sogar der Linienrichter kurz klatschte. Und so ging es weiter: Fröhlich, Zander, Roth - ein Feuerwerk der Abschlüsse. Nur ein Problem: Das Netz blieb unberührt. "Wir haben in der Halbzeit gesagt, die Jungs sollen einfach weitermachen", erzählte Fritz später, "wir spielen ja Fußball, keinen Dart." Und tatsächlich, die Zielscheibe rückte nach 61 Minuten endlich ins Zentrum des Geschehens. Johann Zander, der rechte Mittelfeldspieler mit dem linken Fuß, zog aus gut 20 Metern ab - flach, präzise, unhaltbar. 1:0 für Wusterwitz, und das Stadion seufzte kollektiv. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Malchins Verteidiger Julius Yilmaz später mit einem gequälten Lächeln. "War er aber nicht. Leider." Nach dem Rückstand versuchte der FSV, seiner offensiven Grundordnung gerecht zu werden, aber was nützt ein Offensivkonzept, wenn der Gegner den Ball einfach nicht hergibt? Malchin rannte, kämpfte, schob - und kam immerhin zu einem Torschuss. Ja, einem. In der 75. Minute, als Tyler Forsythe, der 35-jährige Linksaußen, sich durch die Abwehr tankte und den Ball Richtung Kreuzeck zimmerte. Doch Ralph Steffens im Wusterwitzer Tor war aufmerksam. "Ich wollte wenigstens einmal fliegen, sonst friert man da hinten ein", witzelte der Keeper nach dem Spiel. Die Entscheidung fiel elf Minuten nach Zanders Treffer: Ralf Meiser, eigentlich linker Verteidiger, spazierte plötzlich wie ein Außenstürmer in den Strafraum, bekam den Ball von Linksaußen Hanns Konrad serviert und drosch ihn in die Maschen - 2:0. Das schönste an diesem Tor war vielleicht der Gesichtsausdruck von Trainer Fritz, der die Szene später mit einem Augenzwinkern kommentierte: "Ich wünschte, er würde öfter vergessen, dass er Verteidiger ist." Und Malchin? Die Gastgeber versuchten weiter, die Ehre zu retten, doch als sich in der 85. Minute auch noch Stürmer Jürgen Werner verletzte, war der Abend endgültig gelaufen. Trainerkommentare gab es keine - vielleicht auch besser so. Nur Ersatzmann Joshua Warriner, der für Werner kam, meinte trocken: "Ich hab’ den Ball dreimal berührt - zweimal beim Einwurf." Taktisch blieb Malchin bis zum Schluss offensiv eingestellt, was auf dem Papier mutig, auf dem Rasen aber naiv wirkte. Wusterwitz hingegen kombinierte sich im Kurzpassspiel durch die Zonen, als wäre das Spielfeld ein Schachbrett und jeder Pass ein Zug Richtung Matt. Das Publikum quittierte die Vorstellung mit höflichem Applaus - und ein paar ironischen "Schieß doch!"-Rufen, als Wusterwitz in der Schlussphase noch zwei Chancen liegen ließ. Insgesamt hatten die Gäste 22 Abschlüsse, von denen fast jeder den Atem anhielt. Ein verdienter Sieg also, auch wenn Fritz am Ende betonte: "Das war kein Spaziergang. Malchin hat uns laufen lassen - nur leider in die richtige Richtung." Für den FSV Malchin bleibt der Trost, dass man gegen einen besseren Gegner nicht eingebrochen ist. Für den FC Wusterwitz hingegen war es ein Statement-Sieg - und ein Zeichen, dass in dieser Regionalliga B mit ihnen zu rechnen ist. Schlusswort? Vielleicht dieses: Wenn ein Team 22 Mal aufs Tor schießt und nur zweimal trifft, nennt man das Effizienzproblem. Wenn der Gegner einmal schießt und gar nicht trifft, nennt man das Alltag. 11.06.643997 06:01 |
Sprücheklopfer
Andere erziehen ihre Kinder zweisprachig, ich beidfüßig.
Christoph Daum