Anpfiff
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Wusterwitz siegt früh, Velbert schläft spät - 0:1 beim Flutlichtfluch

Ein Tor nach 120 Sekunden, dann 88 Minuten Spannung - oder das, was man im Fußballjargon "kontrollierte Langeweile" nennt. Der FC Wusterwitz entführte beim 12. Spieltag der Regionalliga B mit einem 1:0-Sieg alle drei Punkte aus Velbert, während die SSVg noch immer damit beschäftigt scheint, den frühen Schock zu verarbeiten.

5000 Zuschauer hatten sich an diesem lauen Juniabend im Stadion eingefunden, um ihre Blau-Weißen zu unterstützen. Sie bekamen ein Spiel zu sehen, das sich bereits in den ersten Momenten entschied: Wusterwitz’ pfeilschneller Rechtsaußen Rafael Witte hatte offenbar keine Lust auf Abtasten und zimmerte in der 2. Minute nach feinem Zuspiel von Werner Runge den Ball ins Netz. 1:0 - und das Publikum rieb sich noch die Augen.

"Ich hab’ nur gedacht: Vielleicht ist das die Einlaufmusik", grinste Trainer Per Mayee später gequält. "Aber nein - das war schon das Tor."

Von da an war Velbert wach - zumindest theoretisch. Die Statistik verrät: 50 Prozent Ballbesitz, aber nur zwei Torschüsse. Das ist ungefähr so, als würde man einen Roman schreiben und nur zwei Sätze tippen. Wusterwitz dagegen feuerte aus allen Lagen, zehn Torschüsse insgesamt. Witte, Fröhlich, Philipp - sie alle prüften Torhüter Georg Keller regelmäßig, der mit seinen Paraden Schlimmeres verhinderte. "Wir hätten das 3:0 machen müssen", maulte Wusterwitz-Coach Tom Fritz nach Abpfiff, "aber irgendwie haben wir den Deckel nicht draufgekriegt. Vielleicht war der Deckel auch einfach schief."

Die Velberter versuchten, über Kampf ins Spiel zu kommen - manchmal etwas zu wörtlich. Linksverteidiger Tikhon Stalenkow sah in der 50. Minute Gelb, der junge Dirk Wolf folgte 15 Minuten später, und in der Nachspielzeit holte sich Routinier Ralph Wilke seine Verwarnung ab. "Wenn’s schon nicht läuft, dann wenigstens Farbe bekennen", raunte ein Fan auf der Tribüne.

Wusterwitz blieb indes eiskalt - im Abschluss nicht immer, dafür in der Verteidigung. Carl Schindler, der sich kurz vor seiner Auswechslung in Minute 60 noch Gelb abholte, lieferte bis dahin eine rustikale Vorstellung ab. Sein Ersatz Marco Müller brachte dann ebenso Stabilität wie jugendliche Frische. Und als ob Trainer Fritz das Durchschnittsalter weiter senken wollte, kam in der 60. Minute auch noch der 17-jährige Max Wegner aufs Feld. Der Junge machte seine Sache so unerschrocken, dass selbst die Velberter Fans anerkennend klatschten.

In der Schlussphase wurde es noch einmal hitzig. Marko Weise, ohnehin schon verwarnt, sah in der 87. Minute Gelb-Rot, nachdem er Maximilian Krämer etwas zu nah auf die Stollen trat. "Ich bin halt leidenschaftlich", verteidigte sich Weise nach dem Spiel - und grinste, als sein Trainer ihm einen mahnenden Blick zuwarf. "Leidenschaftlich ja, lebensmüde nein", knurrte Fritz halb im Spaß.

Velbert witterte in Überzahl noch einmal Morgenluft, doch außer einem halbherzigen Schuss von Krämer (73.) und einem verzweifelten Freistoßversuch in der Nachspielzeit kam nichts Zählbares heraus. Wusterwitz verteidigte clever, Keller durfte sich noch ein paar Mal strecken, und Schiedsrichter Bölling hatte alle Hände voll zu tun, das Chaos in geordnete Bahnen zu lenken.

Nach dem Schlusspfiff stand es also 0:1 - ein Ergebnis, das nüchterner kaum sein könnte, aber dennoch eine ganze Geschichte erzählt. Eine Geschichte von einem Team, das gleich zu Beginn hellwach war, und einem anderen, das den Wecker erst nach 90 Minuten hörte.

"Wir haben das Spiel in der ersten Minute verloren", bilanzierte Velberts Mittelfeldroutinier Wilke trocken. Trainer Mayee nickte und ergänzte: "Leider hat das Spiel aber 89 weitere Minuten."

Wusterwitz dagegen durfte jubeln - zumindest so laut, wie es sich nach einer Gelb-Roten Karte gehört. Matchwinner Witte, mit 21 Jahren schon der Star der Gäste, sagte bescheiden: "Ich hab einfach draufgehalten. Dass der gleich reingeht, war Glück - oder göttliche Fügung, keine Ahnung."

Vielleicht war es beides. Denn an diesem Abend hatte der Fußballgott offenbar ein Herz für Frühstarter.

Und Velbert? Die SSVg hat nun eine Woche Zeit, den Wecker zu stellen - möglichst auf Anpfiffzeit.

23.02.644003 17:13
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