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Ein milder Aprilabend, Flutlicht über Malchin, 4184 Zuschauer, die mehr als nur die kühle Nachtluft spüren wollten - sie wollten Leidenschaft, Emotionen, Tore. Bekommen haben sie beides, zumindest ein bisschen davon. Der FC Wusterwitz entführte beim 0:1 (0:1) drei Punkte aus Malchin, und das mit einer Mischung aus jugendlicher Unerschrockenheit und taktischer Disziplin, während der FSV Malchin einmal mehr an der eigenen Harmlosigkeit verzweifelte. Das Spiel begann, wie so oft in dieser Saison, mit vorsichtigem Abtasten. Wusterwitz unter Trainer Tom Fritz, der an der Seitenlinie mit Notizblock und Pokerface agierte, übernahm schnell die Kontrolle. Schon in der 7. Minute prüfte Mittelfeldmotor Werner Runge mit einem satten Distanzschuss Malchins Torwart Rafael Münch, der seine Fanghand gerade noch rechtzeitig ausstreckte. "Da wusste ich, dass heute einiges auf mich zukommt", sagte Münch nach dem Spiel trocken. Nur sieben Minuten später war es dann soweit: Der 19-jährige Nico Behrendt setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte flach in den Strafraum, und Hanns Konrad, der flinke Linke im Mittelfeld, schob den Ball eiskalt ins Netz - 0:1 in der 14. Minute. Es sollte das Tor des Tages bleiben. "Ich hab’ einfach draufgehalten. Wenn man darüber nachdenkt, geht er meistens daneben", grinste Konrad später in die Kameras. Malchin wirkte geschockt, fand aber langsam ins Spiel zurück. Martin Schmitz und Marc Kremer mühten sich redlich, doch die Abschlüsse blieben harmlos. Von den insgesamt fünf Torschüssen der Hausherren war keiner wirklich zwingend. "Wir haben 49 Prozent Ballbesitz - das ist schön, aber davon steht nichts auf der Anzeigetafel", knurrte ein sichtlich genervter Malchin-Trainer in der Kabine. Auf der anderen Seite spielte Wusterwitz weiter befreit auf. Curt Fröhlich hatte in der 22. und 26. Minute gleich zwei gute Chancen, scheiterte aber an Münch, der sich mehr und mehr zum Rückhalt der Malchiner mauserte. Kurz vor der Pause hätte der junge Luca Philipp fast erhöht, doch sein Schlenzer strich knapp über den Querbalken. Nach dem Seitenwechsel brachte Fritz frische Beine: Finn Roth und Johann Zander kamen für die beiden 19-jährigen Witte und Behrendt. Ein Generationswechsel im laufenden Spiel - und der Plan ging auf. "Die Jungs haben das richtig gut gemacht. Manchmal reicht ein Funke, um das Feuer am Brennen zu halten", lobte der Wusterwitzer Coach. Malchin dagegen kämpfte mit stumpfen Waffen. Schmitz versuchte es in der 51. Minute mit einem Schuss aus 18 Metern, der eher als Pass zum Balljungen durchging. Kremer, der auffälligste Offensivakteur, scheiterte zweimal knapp (72. und 80. Minute). Und als Kapitän Hanns Wolf in der 84. Minute mit Rot vom Platz flog - nach einem ungestümen Einsteigen, das mancher als "übermotiviert" bezeichnete -, war der Widerstand gebrochen. "Ich wollte nur den Ball treffen", erklärte Wolf später mit einem Gesichtsausdruck, der verriet, dass er sich selbst nicht ganz glaubte. Wusterwitz verwaltete die Führung souverän, ohne in den Verwaltungsmodus zu verfallen. Die Defensive um den 18-jährigen Marcel Voigt stand stabil, Keeper Ralph Steffens musste nur selten eingreifen. 14 Torschüsse, 50,4 Prozent Ballbesitz, 54 Prozent gewonnene Zweikämpfe - die Statistik spricht eine klare Sprache. Nach dem Schlusspfiff jubelten die Gäste ausgelassen, während die Malchiner Spieler mit hängenden Köpfen in die Kabine trotteten. "Wir wollten heute zeigen, dass wir auch auswärts punkten können. Das war kein Fußballfest, aber ein ehrlicher Arbeitssieg", resümierte Fritz mit einem zufriedenen Lächeln. In Malchin dagegen herrschte Frust. Ein Zuschauer brachte es auf den Punkt: "So viel Ballbesitz und doch so wenig Tore - das ist wie ein Einkaufswagen ohne Räder." Am Ende bleibt ein knapper, aber verdienter Sieg für Wusterwitz, die mit jugendlicher Konsequenz und taktischer Reife beeindruckten. Für Malchin hingegen war es ein weiterer Abend voller "Was-wäre-wenn"-Fragen. Vielleicht wäre das Spiel anders gelaufen, wenn Wolf die Nerven behalten hätte. Vielleicht auch nicht. In jedem Fall war es ein Abend, der zeigte, dass im Fußball manchmal ein einziger präziser Moment über 90 Minuten entscheidet. Und während die Lichter im Malchiner Stadion langsam erloschen, hörte man aus dem Gästebus leise Gelächter. "Ein Tor reicht", soll Tom Fritz gesagt haben. Und an diesem Abend hatte er verdammt recht. 06.09.643996 13:50 |
Sprücheklopfer
Eigentlich bin ich ein Supertyp. Aber ich kann wohl auch ein richtiger Arsch sein!
Mario Basler