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Es war einer dieser Abende, an denen Fußballfans alles bekommen, was das Herz begehrt - Tore, Emotionen, fragwürdige Entscheidungen und das Gefühl, dass der Fußballgott manchmal schlicht Humor hat. Vor 7509 Zuschauern im idyllisch gefüllten Stadion von Wolfratshausen unterlag die Heimmannschaft dem FC Wusterwitz mit 2:3 (1:2). Ein Ergebnis, das auf dem Papier knapp aussieht, auf dem Platz aber eine Geschichte von jugendlicher Ungestümheit und gnadenloser Kaltschnäuzigkeit erzählte. Das Spiel begann schwungvoll, und die Gastgeber legten los, als wollten sie den Gegner direkt überrollen. Nach 15 Minuten jubelte der Anhang: Der 19-jährige Matias Alcantara, quirlig und furchtlos, vollendete einen Pass seines Sturmpartners Kurt Breuer zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Alcantara später, "und gehofft, dass der Ball nicht auf dem Parkplatz landet." Landete er nicht - sondern im Netz. Doch Wusterwitz zeigte sich unbeeindruckt. Trainer Tom Fritz, stets mit verschränkten Armen und einem leicht ironischen Lächeln an der Seitenlinie, hatte seine Elf offensiv eingestellt. "Wir spielen nach vorn, egal was passiert", hatte er vor dem Spiel angekündigt - und seine Jungs hielten Wort. In der 31. Minute traf Luca Philipp nach feinem Zuspiel von Hanns Konrad zum Ausgleich, und nur fünf Minuten später setzte ausgerechnet Rechtsverteidiger Carl Schindler mit einem präzisen Schuss aus halbrechter Position das 1:2 drauf. Wolfratshauser Keeper Serge Eder streckte sich vergeblich. Das Publikum schwankte zwischen ungläubigem Murmeln und lautstarkem Anfeuern. "Wir hatten das Spiel im Griff, bis wir es nicht mehr hatten", kommentierte Heimtrainer Ferdinand Meyer trocken. Seine Mannschaft hatte mit 55 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüssen statistisch klar die Nase vorn, doch das half wenig, wenn die Chancenverwertung der Gäste so eiskalt blieb. Die zweite Halbzeit begann mit Gelben Karten - Cameron Featherstone und Volker Reuter holten sich binnen vier Minuten Verwarnungen ab, offenbar inspiriert vom Motto: Wenn’s schon nicht läuft, dann wenigstens rustikal. Dennoch kam Wolfratshausen zurück. In der 62. Minute war es Breuer selbst, der nach einem sehenswerten Doppelpass mit Alcantara das 2:2 erzielte. Die beiden Youngster umarmten sich ausgelassen - und das Stadion vibrierte. Danach entwickelte sich ein offenes Spiel. Wusterwitz wechselte offensiv: Finn Roth kam in der 50. Minute, später ersetzte Johann Zander den fleißigen Nico Behrendt. "Wir wollten frische Beine und ein bisschen Chaos", so Trainer Fritz mit einem Augenzwinkern. Chaos bekam er - aber das nützte ihm. Denn in der 88. Minute war es jener Roth, der nach feinem Zuspiel von der rechten Seite eiskalt blieb und mit seinem Treffer zum 2:3 endgültig die Entscheidung brachte. Ein Stich ins Herz der Hausherren, die noch einmal alles nach vorne warfen, aber an Keeper Phillip Zimmermann und der eigenen Nervosität scheiterten. Nach dem Schlusspfiff stand Meyer minutenlang an der Seitenlinie, den Blick verloren auf den Rasen gerichtet. "Wir haben eigentlich ein gutes Spiel gemacht", murmelte er, "aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb." Neben ihm lachte Fritz: "Manchmal braucht man eben nur den richtigen Schuss zur richtigen Zeit." Statistisch gesehen war es ein Spiel, das die Widersprüche des Fußballs perfekt zeigte: Wolfratshausen dominierte das Mittelfeld, kombinierte gefällig, hatte mehr Ballbesitz - aber Wusterwitz hatte die Tore. 16 Torschüsse, drei Treffer, und eine Abwehr, die in den entscheidenden Momenten einfach standhielt. Die Zuschauer gingen mit gemischten Gefühlen heim - zufrieden mit der Unterhaltung, frustriert über das Ergebnis. Ein älterer Fan fasste es auf der Tribüne zusammen: "Wir spielen schön, die anderen gewinnen. Wie immer." So bleibt für Wolfratshausen die bittere Erkenntnis, dass Schönheit keine Punkte bringt. Für Wusterwitz hingegen war es ein Abend, der den Teamgeist stärkte und vielleicht sogar ein kleines Ausrufezeichen im Aufstiegskampf setzte. Und irgendwo im Kabinengang, zwischen verschwitzten Trikots und klappernden Stollen, soll Fritz noch gesagt haben: "Ich sag’s euch, Jungs - solche Spiele schreibt nur der Fußball. Und manchmal eben mit einem Augenzwinkern." (Artikelumfang: ca. 620 Wörter) 31.01.644003 09:25 |
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Lothar Matthäus