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Ein Dienstagabend in Wusterwitz, Flutlicht, 6.451 Zuschauer, die Bratwurststände glühten - und am Ende glühte vor allem der FC Wusterwitz selbst. Mit einem satten 4:0 (2:0) schickte die Mannschaft von Trainer Tom Fritz die Gäste von Blau Weiß Bochum zurück ins Ruhrgebiet, als hätten sie dort vergessen, was Offensivspiel bedeutet. Schon in der Anfangsphase war klar, wer hier das Sagen hatte. Wusterwitz, taktisch klar auf Angriff getrimmt, rannte an, kombinierte kurz und flink, als wollten sie das Lehrbuch "Wie man Pressing umgeht" neu schreiben. In der 15. Minute dann das erste Kapitel: Johann Zander nahm rechts Tempo auf, bekam den Ball von Finn Kern, zog aus spitzem Winkel ab - und zack, 1:0. Der Jubel war laut, aber keiner ahnte, dass das erst der Anfang eines kleinen Feuerwerks war. Sechs Minuten später war es Finn Roth, der sich dachte: "Warum kompliziert, wenn’s auch schön geht?" Nach einem Abpraller reagierte er am schnellsten und drosch den Ball ins Netz. 2:0 - und Bochum wankte. "Wir waren da einfach nicht wach", gab Gäste-Kapitän Gianfranco Benedetti später kleinlaut zu. "Die sind uns über die Flügel davongelaufen, wie ein E-Scooter ohne Tempolimit." Zur Pause hätten die Wusterwitzer eigentlich schon höher führen können - 22 Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto, während Bochum magere drei Versuche zustande brachte. Der Ballbesitz war zwar fast ausgeglichen (50,5 zu 49,5 Prozent), aber wenn man mit dem Ball nichts anzufangen weiß, hilft auch Statistik nicht weiter. Nach dem Seitenwechsel änderte sich zunächst wenig: Bochum blieb brav, Wusterwitz blieb bissig. Curt Fröhlich, der Name passte an diesem Abend, zeigte in der 59. Minute, wie man als Mittelstürmer seine Visitenkarte hinterlässt. Werner Runge steckte den Ball durch die Gasse, Fröhlich blieb cool und schob zum 3:0 ein. "Ich hab einfach drauf vertraut, dass er mich sieht", sagte Fröhlich hinterher mit einem Grinsen. "Und dann dachte ich - na gut, mach’s halt ordentlich." Das Publikum feierte, die Bochumer verteidigten inzwischen mehr mit Gesten als mit Körper. Trainer Fritz stand an der Seitenlinie, die Hände in den Taschen, und sah aus, als überlege er, ob das schon der schönste Abend seiner Saison war. "Die Jungs haben heute gezeigt, dass sie Spaß am Spiel haben", sagte er später. "Und ehrlich gesagt - ich auch." In der 85. Minute setzte Ralf Meiser den Schlusspunkt, und zwar so, dass selbst die hinterste Reihe der Westtribüne aufsprang. Ein Linksschuss, halb Volley, halb Kunstwerk, nach Vorarbeit von Walther Buchholz - 4:0. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Meiser lachend im Interview, "aber manchmal trifft man halt besser, wenn man gar nicht zielt." Kurz darauf kam’s noch zu einem kuriosen Moment: Torwart Ralph Steffens wurde ausgewechselt - ein seltener Anblick. Für ihn durfte Phillip Zimmermann in den Schlussminuten ran. "Ralph hatte wohl kalte Hände", witzelte Trainer Fritz, bevor er hinzufügte: "Nein, Spaß - wir wollten einfach jedem Einsatzzeit geben." Bochum indes wirkte ratlos. Kein Pressing, kaum Aggressivität, dafür viel Schulterzucken. Ihre drei Torschüsse verteilten sich über die gesamte Spielzeit wie homöopathische Dosen Angriff. "Wir haben versucht, ruhig zu bleiben", erklärte Gästetrainer - dessen Name in den Unterlagen erstaunlicherweise fehlte - hinterher. "Aber irgendwann war’s einfach zu ruhig." In der 86. Minute gab’s für den jungen Marko Weise noch Gelb, vermutlich aus Langeweile. Und dann, nach 93 Minuten, war Schluss - und die Wusterwitzer lagen sich in den Armen. Ein Fan rief beim Abpfiff: "So spielt ein Aufsteiger!" Ob das ernst gemeint war oder vom Bier begünstigt, bleibt Spekulation. Fakt ist: Der FC Wusterwitz hat an diesem Abend gezeigt, dass Offensivgeist, Spielfreude und ein bisschen Chuzpe auch in der Regionalliga B noch belohnt werden. "Wir wollten den Zuschauern was bieten", sagte Zander zum Abschied, "und wenn die Bratwurst gut war, umso besser." Bleibt nur zu hoffen, dass die Bochumer den Grill beim Rückflug nicht mitnehmen mussten - denn Wusterwitz hatte ihn längst ausgemacht. Ein Abend wie ein Fußballlehrfilm: kurzweilig, torreich und mit einem klaren Fazit. Fazit des Reporters: Wenn der FC Wusterwitz so weitermacht, sollte man den Rasen bald in Gold einfassen. 07.07.644000 22:25 |
Sprücheklopfer
Schalke hat das Mittelfeld schnell überbrückt, mit schnellen, äh, Mittelfeldspielern.
Berti Vogts