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Ein lauer Aprilabend, 49.413 Zuschauer im Stadion von Chetumal, und die Luft so feucht, dass selbst der Ball zu schwitzen schien. Doch was Atletico Chetumal und Monarcas Colima an diesem 17. Spieltag der 1. Liga Mexico boten, war weniger tropische Leichtigkeit als vielmehr zähe Fußballarbeit - mit einem klaren Sieger am Ende: 2:0 für die Gastgeber. Die erste Halbzeit war ein Musterbeispiel dafür, wie man ein Spiel kontrollieren, aber keine Tore erzielen kann. Atletico Chetumal hatte den Ball (56,7 Prozent Ballbesitz, um genau zu sein), schoss aus allen Lagen (13 Torschüsse, die Gäste keinen einzigen), doch der Ball wollte einfach nicht ins Netz. "Ich habe irgendwann gefragt, ob da vielleicht ein Magnet im Tor steht", scherzte Trainer Bastian Roemmler nach dem Spiel. Schon in der ersten Minute prüfte Luca Fricke den gegnerischen Keeper Vicente Galvez, der in dieser Phase zum einzigen Grund wurde, warum Colima nicht schon früh zurücklag. Morgan Cort scheiterte kurz darauf ebenfalls an Galvez, und Nelio Celis, der quirlig über die linke Seite wirbelte, verfehlte das Ziel gleich dreimal. Das Publikum reagierte mit einer Mischung aus Begeisterung und Ungeduld - "schieß doch endlich richtig!", rief ein Fan, während ein anderer trocken meinte: "Vielleicht übt er auf Kegeln." Monarcas Colima dagegen blieb harmlos - und das ist noch freundlich formuliert. Kein einziger Torschuss, nicht einmal ein zaghaftes Versuchchen. Stattdessen Verletzungspech: Paulo Postiga musste in der 48. Minute vom Platz, nachdem er sich beim Sprintduell mit Oscar Galindez am Oberschenkel verletzte. Ersatzmann Oskar Gärtner kam - und sah fortan vor allem den Rücken seiner Gegenspieler. "Wir wollten eigentlich offensiv spielen", erklärte Colimas Trainer später, "aber anscheinend hat die Mannschaft das Wort ’Offensive’ mit ’Defensive’ verwechselt." In der 55. Minute wechselte Roemmler bei Chetumal den jungen Marc Mendilibar ein - und das brachte frischen Wind. Nur elf Minuten später fiel endlich das erlösende 1:0: Innenverteidiger Eskil Dahlstrom, normalerweise dafür zuständig, hinten die Null zu halten, stieg nach einer Ecke von Nelio Celis am höchsten und wuchtete den Ball per Kopf ins Netz (66.). Die Fans explodierten förmlich, und Dahlstrom grinste später: "Eigentlich wollte ich nur so tun, als würde ich hochspringen. Aber dann war der Ball da, und ich dachte: warum nicht?" Colima antwortete mit einer Gelben Karte - Jens Markussen hielt lieber den Gegner als den Ball (72.). Und während die Gäste diskutierten, ob das noch Taktik oder schon Resignation sei, machte Chetumal endgültig den Deckel drauf. In der 75. Minute spielte Patrick Hayman einen Pass in die Tiefe, den Guy Lancaster eiskalt verwertete. 2:0 - und diesmal klangen die Rufe von den Rängen mehr nach Erleichterung als nach Ironie. Kurz darauf sah Karol Dobias noch Gelb (81.) - sinnbildlich für den Frust der Monarcas, die an diesem Abend mehr über den Schiedsrichter als über den Ball redeten. Es blieb beim 2:0, einem Ergebnis, das deutlicher war, als es auf dem Papier vielleicht aussieht. "Das war kein Feuerwerk, aber ein solides Stück Arbeit", bilanzierte Roemmler. "Und wenn man 13:0 Torschüsse hat, darf man sich auch mal selbst loben." Sein Kollege aus Colima hingegen suchte Trost in der Statistik: "Wir hatten… äh… immerhin weniger Ballverluste als sonst." Fazit: Atletico Chetumal dominierte, kontrollierte und siegte - ohne Glanz, aber mit Effizienz. Eskil Dahlstrom bewies, dass auch Verteidiger Tore schießen können, und Guy Lancaster zeigte, warum man ihn "den Gentleman mit dem rechten Fuß" nennt. Monarcas Colima dagegen wirkte, als hätte man ihnen vor dem Spiel gesagt, das Tor zähle diesmal nicht. Als die Spieler schließlich in die Kabinen verschwanden, war Chetumal längst in Feierlaune. Ein älterer Fan winkte mit der Fahne und rief: "Zwei Tore, drei Bier - das ist meine Statistik!" - und man konnte ihm nur zustimmen: Für diesen Abend gab es nichts mehr zu analysieren. Atletico Chetumal 2, Monarcas Colima 0 - das war kein Spektakel, aber ein Statement. Und manchmal reicht genau das, um glücklich zu sein. 22.07.643996 03:55 |
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