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Bern siegt mit Nerven, Latte und Latte Macchiato

Wenn man an einem frischen Aprilabend vor 39.825 Zuschauern im Stadion Wankdorf sitzt und die "Conference League Play-offs - Hinspiel"-Tafel aufleuchtet, weiß man: heute wird’s entweder großes Kino oder gepflegtes Chaos. Am Ende gab’s ein bisschen von beidem - und zwar mit einem 2:1-Sieg für Gelb-Schwarz Bern gegen den griechischen Gast Atromitos, der sich redlich bemühte, aber erst spät zum Zug kam.

Schon in der fünften Minute bebte das Stadion. Mike Miller, der rechte Wirbelwind im Berner Angriff, setzte nach feinem Pass von Louis Otto zum Schuss an - Zack, drin. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil der Kaffee davor stark war", grinste Miller später in die Mikrofone. Trainer Bjarne Berntsen hob an der Seitenlinie die Faust, als hätte er gerade persönlich den Rasen verlegt.

Bern dominierte, wie man so schön sagt, das Geschehen nach Belieben - und das nicht nur in den Statistiken. 56 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse, und ein Publikum, das spätestens nach dem zweiten Treffer in der 33. Minute kollektiv in die Arme fiel. Filipe Nene, der eigentlich als rechter Verteidiger bekannt ist, tauchte plötzlich im Strafraum auf und hämmerte nach Vorlage von Raphael Frey den Ball unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Nene später mit einem schelmischen Lächeln. "Aber der Ball hatte andere Pläne."

Während Bern taktisch ausgewogen agierte - keine wilden Pressing-Orgien, keine übertriebene Härte -, wirkte Atromitos phasenweise wie ein Tourist, der versehentlich in die falsche Stadtbahn gestiegen ist. Zwar zeigte das Team von Michael Graf immer wieder offensive Ansätze und spielte mit langen Bällen, aber die meisten endeten als Fangübungen für Berns Keeper Olivier Celine. "Wir wollten mutig sein", sagte Graf nach dem Spiel. "Aber Mut ohne Präzision ist wie Gyros ohne Zaziki - trocken."

Die einzige gelbe Karte der ersten Hälfte ging an Atromitos’ Diego Pelegrin, der Mike Miller kurzzeitig in die Werbebande beförderte. Der Schiedsrichter zückte Gelb, Miller stand grinsend wieder auf - und bekam Standing Ovations.

Nach der Pause schaltete Bern einen Gang zurück, während Atromitos endlich begann, so etwas wie Spielfluss zu entwickeln. In der 50. Minute wechselte Graf den müden Timm Rauch aus und brachte Anargiros Lagonikakis - ein Name, der so lang ist wie die Flanke, die er später zum Anschlusstreffer vorbereitete.

Denn ja, in der 85. Minute wurde es doch noch einmal spannend: Ricardo Caballero flankte von rechts, George Anderson stieg hoch und köpfte zum 2:1 ein. "Ich hab kurz gedacht, das sei das 2:2", murmelte Berntsen nach dem Spiel, "aber dann fiel mir ein, dass wir ja vorher zweimal getroffen hatten."

Die letzten Minuten waren geprägt von hektischen Ballwechseln, einem gelb verwarnten Daniel Moll, der offenbar dachte, man dürfe in der Nachspielzeit Rugby spielen, und einer Handvoll Berner Chancen, die ihr Ziel nur knapp verfehlten. Mike Miller hatte in der 90. Minute noch einmal den Fuß am Ball, doch Atromitos-Keeper Jannis Lee rettete spektakulär.

Statistisch blieb kaum eine Frage offen: 20 zu 6 Torschüsse, fast 57 Prozent Ballbesitz für Bern, eine solide Zweikampfquote und ein Publikum, das spätestens nach dem Abpfiff im kollektiven "So muss das!" versank.

"Das war ein guter Abend - nicht perfekt, aber gut", meinte Berntsen trocken. "Jetzt müssen wir in Athen nur noch bestehen. Und vielleicht den Espresso weglassen, der macht die Jungs zu übermütig."

Atromitos-Coach Graf nahm es mit Humor: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens gegen ein Team mit Stil und einem Spieler namens Buffett. Das klingt nach Haute Cuisine."

Das Rückspiel wird zeigen, ob Berns Ein-Tor-Polster reicht. Aber wenn sie weiter so spielen - mit Witz, Wille und ein bisschen Chaos -, dann könnte aus dem Conference-League-Abenteuer noch eine kleine Sensationsgeschichte werden.

Und während die Stadionlautsprecher sanft verstummten, sagte ein älterer Fan beim Hinausgehen: "So spielt man Fußball - und so trinkt man Bier dazu." Man möchte ihm kaum widersprechen.

14.08.643996 06:15
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