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Ein lauer Maiabend, fast 40.000 Zuschauer im ausverkauften "Stade du Nord" - und eine Partie, die erst spät so richtig heiß wurde. Die Quebec Blues bezwangen Victoria City mit 2:1 (0:0) und lieferten ihren Fans eine Achterbahnfahrt zwischen Verzweiflung, Hoffnung und kollektiver Ekstase. Trainer Lutz Lindemann, sonst ein Mann der kontrollierten Worte, grinste nach Schlusspfiff breit: "Ich hab den Jungs gesagt: Wenn ihr schon Nerven kostet, dann wenigstens mit Happy End." Und ein Happy End war es wahrlich - nicht zuletzt dank André Paré, der in der 86. Minute das Dach des Stadions beinahe zum Einsturz brachte. Dabei hatte das Spiel denkbar zäh begonnen. Quebec, taktisch von Beginn an offensiv ausgerichtet, biss sich an der gut organisierten Defensive der Gäste die Zähne aus. Barend Veeder probierte es schon in der zweiten Minute mit einem Schuss - weit drüber, aber immerhin ein Lebenszeichen. Danach neutralisierten sich die Teams weitgehend. Victoria City ließ den Ball laufen, hatte mit über 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, doch echte Gefahr entstand selten. "Wir wollten sie ein bisschen einschläfern", witzelte Citys Mittelfeldmann Daniel Bernier später, "leider sind wir selbst fast eingeschlafen." Kurz vor der Pause sah Christopher Berard Gelb - eine Szene, die symptomatisch war: viel Einsatz, wenig Ertrag. Lindemann reagierte in der Kabine und brachte zur zweiten Halbzeit neuen Schwung. Und dann, wie aus dem Nichts, platzte der Knoten. In der 49. Minute spielte Vincent Camara einen butterweichen Pass auf Veeder, der sich die Kugel kurz vor dem Strafraum auf den rechten Fuß legte und trocken einschoss. 1:0 Quebec - und ein kollektiver Aufschrei der Erleichterung auf den Rängen. Veeder, sonst eher der ruhige Typ, riss nach dem Tor die Arme hoch und brüllte in Richtung Trainerbank. "Ich hab’ ihn kaum gehört, aber ich glaube, er wollte sagen, dass er noch kann", grinste Lindemann später. Doch Victoria City steckte nicht auf. Marc Besson, der bis dahin eher unscheinbar geblieben war, nutzte in der 70. Minute einen Moment der Unordnung in der Quebec-Abwehr. Nach schöner Vorarbeit von Kian Michaud schob er eiskalt zum 1:1 ein. Der Auswärtsblock tobte, und plötzlich wackelte das Spiel in beide Richtungen. Die Blues antworteten mit Wut im Bauch. Lindemann brachte den bulligen Marwin Sonnenschein für Diego Sousa - ein Wechsel, der zunächst skeptisch beäugt wurde, dann aber für mehr Druck sorgte. In der 86. Minute war es schließlich André Paré, der den Siegtreffer erzielte. Nach einem langen Ball von Julio Ordonez, der wenige Minuten zuvor eingewechselt worden war, setzte Paré sich gegen zwei Verteidiger durch und hämmerte den Ball ins Netz. Ein Tor, das an die besten Tage klassischer Mittelstürmer erinnerte: kompromisslos, direkt, wunderschön. Victoria City versuchte noch einmal alles, doch das Pressing blieb halbherzig. Trainer Marc Leduc (so nennt man ihn hinter vorgehaltener Hand, obwohl er offiziell einfach "Coach" heißt) schimpfte nach dem Abpfiff: "Wir haben aufgehört, an den Sieg zu glauben. Und wer nicht glaubt, verliert." Statistisch betrachtet war das Spiel fast ausgeglichen: Quebec mit 48,6 Prozent Ballbesitz, Victoria mit 51,4. Die Blues gaben allerdings mehr Torschüsse ab - 16 zu 9 - und zeigten im Zweikampf eine Spur mehr Biss. Dass die Gäste gleich zwei Gelbe Karten kassierten, passte ins Bild eines Spiels, in dem Victoria City zwar bemüht, aber nie wirklich gefährlich wirkte. Die 39.343 Zuschauer gingen zufrieden nach Hause. Einige sangen noch auf den Rängen, andere diskutierten über Veeders Torgefährlichkeit oder Parés neuen Haarschnitt, der angeblich mehr Glück bringen soll. "Wenn das hilft, trage ich nächste Woche auch einen Zopf", witzelte Torhüter Jerome Leachman, der mit zwei starken Paraden in der Schlussphase den Sieg festhielt. So endete ein Abend, der alles bot, was Fußball braucht: Spannung, Emotionen, ein bisschen Chaos - und ein Last-Minute-Held. Quebec bleibt damit im oberen Tabellendrittel, Victoria City dagegen muss sich fragen, ob gepflegter Ballbesitz allein reicht, um Spiele zu gewinnen. Oder, wie Coach Lindemann es zusammenfasste: "Manchmal ist’s besser, hässlich zu gewinnen, als schön zu verlieren. Heute war’s ein bisschen von beidem." Und die Fans? Die werden sich noch lange an diesen Abend erinnern - an das Spiel, in dem die Blues nicht nur Victoria City, sondern auch ihre eigenen Nerven besiegten. 25.03.644000 19:32 |
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