Jamaica News Bulletin
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Bull Bay tanzt auf den Wellen - 3:1 gegen Falmouth Villagers

Wenn 68.171 Zuschauer in der Abendsonne von Kingston schon vor dem Anpfiff rhythmisch mit den Füßen wippen, ahnt man: Hier wird heute kein Abnutzungskampf, sondern ein Fußballfest gefeiert. Und tatsächlich - Bull Bay besiegte am 18. Spieltag der 1. Liga Jamaica die Falmouth Villagers mit 3:1. Drei Tore in einer halben Stunde, ein Gegentor kurz vor der Pause, ein bisschen Gelb, viel Tempo und eine Prise Wahnsinn - das Rezept für einen jener Abende, an denen sogar der Stadionverkäufer seine Fischpasteten vergaß.

Schon die ersten Minuten zeigten, dass Bull Bay-Trainer Sports Mann seine Jungs auf Angriff programmiert hatte. "Offensiv heißt: Wir laufen lieber in den Gegner rein, als dass wir nachdenken", erklärte er später mit einem Grinsen. Und seine Mannschaft folgte der Devise aufs Wort. Archie Valentine prüfte den Keeper früh (9.), kurz darauf drosch Mittelfeldmotor Jakub Lukes knapp vorbei (11.). Die Villagers dagegen suchten ihr Heil in körperlicher Präsenz - aggressiv, laut, aber nicht immer elegant.

Dann die 21. Minute: Felix Afzelius, der rechte Verteidiger mit der Präzision eines Uhrmachers, flankt aus dem Halbfeld. Moritz Jahn rauscht heran, nimmt Maß und trifft - 1:0! Ein Treffer so sauber, dass man fast applaudieren musste, bevor man verstand, was passiert war. "Ich hab den Ball einfach kommen lassen. Der Rest war Instinkt", sagte Jahn später, während er noch Gras aus dem Haar zog.

Nur drei Minuten später (24.) der nächste Jubel. Diesmal revanchierte sich Jahn: feine Vorarbeit, flache Hereingabe, und Franck Rochefort drückt das Leder über die Linie - 2:0. Die Villagers verteidigten da schon wie Touristen im falschen Bus: orientierungslos.

Doch Bull Bay hatte noch nicht genug. In der 30. Minute legte Lukes quer, Fehmi Karaer zog aus 20 Metern ab - und das Netz wackelte wie eine Hängematte im Sturm. 3:0! Ein Tor, das man in den Strandbars von Bull Bay wohl noch monatelang nacherzählen wird. "Ich hab gedacht, der Ball fliegt zur Bucht raus", witzelte Karaer später, "aber anscheinend mochte er das Tor lieber."

Falmouths Trainer Hermann Tüllinghoff stand derweil an der Seitenlinie und sah aus, als überlege er, ob er nicht doch lieber Schach betreiben sollte. Seine Villagers versuchten zwar, mit langen Pässen den Rückstand zu verkürzen, aber erst in der 38. Minute gelang es: Linksverteidiger Marc Blanchard, sonst eher Mann für rustikale Tacklings, traf nach feiner Vorarbeit von Serafim Choutos. 3:1 - immerhin ein Lebenszeichen. "Wir sind keine Statisten", meinte Blanchard hinterher trotzig, "auch wenn’s heute manchmal so aussah."

Nach der Pause dann ein anderes Spiel. Bull Bay nahm das Tempo raus, Falmouth suchte verzweifelt nach Lücken, fand aber nur den aufmerksamen Keeper Andrew Gayheart - bis der in der 80. Minute von Amaury Dieguez ersetzt wurde. "Ich hatte Sand im Schuh, das war’s", grinste Gayheart später.

Statistisch blieb das Duell ausgeglichen: 50 Prozent Ballbesitz für Bull Bay, 49 für Falmouth, aber bei den Torschüssen lag die Heimmannschaft klar vorne (15:8). Die gelben Karten (eine pro Seite) passten ins Bild eines Spiels, das zwar leidenschaftlich, aber nie unfair war.

Eine kleine Szene in der 67. Minute zeigte, warum Bull Bay derzeit in der Liga so gefürchtet ist: Archie Valentine sprintet über den linken Flügel, zieht zwei Verteidiger auf sich, verzögert - und spielt dann einfach mal ins Nichts. Trainer Mann applaudiert trotzdem. "Er denkt schon an das nächste Spiel", erklärte er lachend - und meinte das offenbar ernst.

Falmouth wechselte in der Schlussphase fleißig: Gerard Eliot kam früh (nach 27 Minuten) und holte sich prompt Gelb, später durften auch Joel Marshal und der 18-jährige Heiko Westermann ran. "Er ist jung, aber er kann schon laufen", sagte Tüllinghoff mit väterlichem Stolz über den Neuling.

Als der Schlusspfiff ertönte, tanzte der Bull-Bay-Block, während die Villagers sich in Grüppchen Richtung Kabine schlichen. 3:1 - ein Ergebnis, das so klar war, wie es klingt. Und doch blieb der Eindruck, dass Falmouth bei ein wenig mehr Mut noch hätte gefährlich werden können.

"Wir wollten Spaß haben, und das hat man gesehen", resümierte Sports Mann. "Und wenn’s nach mir geht, tanzen wir nächste Woche wieder."

Abpfiff, Applaus, Abendluft - und irgendwo auf der Tribüne summte jemand leise: "Bull Bay, always on the wave." Ob das nun ein neuer Fangesang war oder einfach das Rauschen des Meeres - wer weiß das schon.

14.08.643996 12:38
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Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht.
Werner Lorant
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