Canadian Soccer
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Bullenstark in Trois - Okanagan fegt Wolves mit 5:1 vom Platz

"Ich weiß gar nicht, was in der Kabine passiert ist - vielleicht war da ein Stier", murmelte Trois-Wolves-Trainer Sam Sorglos nach dem Schlusspfiff, während die 29.921 Zuschauer noch immer versuchten, das Gesehene einzuordnen. Die Okanagan Bulls hatten sein Team in der zweiten Halbzeit nicht nur besiegt, sondern regelrecht überrannt - 1:5 hieß es am Ende dieses denkwürdigen Abends des 17. Spieltags der 1. Liga Kanada.

Dabei hatte alles so gut begonnen für die Gastgeber. Schon in der 17. Minute donnerte Evan Crichton den Ball nach traumhaftem Zuspiel von Santiago Lope in die Maschen. Ein Tor wie aus dem Lehrbuch - Pass in die Schnittstelle, ein Haken, und dann dieser entschlossene Abschluss. "Ich dachte, das wird unser Abend", grinste Crichton nach dem Spiel bitter. 1:0, das Stadion tobte, und die Wolves wirkten wie entfesselt.

Doch wer die Bulls kennt, weiß: Wenn sie einmal den Motor anwerfen, gibt es kein Halten mehr. Trainer Markus Merk hatte seinen Männern in der Pause offenbar eine gehörige Portion Energiegetränk - oder Motivationskunst - verabreicht. "Ich habe ihnen nur gesagt: Wir sind Bullen. Also benehmt euch auch so", verriet Merk später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Ironie und Stolz lag.

Kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, stürmte Okanagan los. In der 48. Minute traf Jens Hennig nach Vorlage von Jaime Couto zum 1:1 - und das war erst der Anfang. Nur sieben Minuten später legte Hennig erneut nach, diesmal nach feiner Vorarbeit von Christian Lockwood. Zwei Tore in sieben Minuten, und die Wolves standen plötzlich wie Schafe im Regen.

Dann kam die 62. Minute, und Philippos Alexiou, der vielleicht unauffälligste, aber effektivste Mann auf dem Platz, schlenzte den Ball nach erneutem Zuspiel von Lockwood aus 20 Metern ins Eck - 1:3. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Alexiou später mit einem Augenzwinkern zu. "Aber manchmal hat der Ball eben andere Pläne."

Während Trois Wolves weiter defensiv und erstaunlich passiv blieben - 47,5 Prozent Ballbesitz und kaum Pressing zeigen das deutlich -, rollte Angriff um Angriff der Bulls auf das Tor von Keeper Marcos Estevo zu. Insgesamt 17 Torschüsse registrierte die Statistik, und das war durchaus schmeichelhaft: Es fühlte sich nach doppelt so vielen an.

Als dann in der 56. Minute Okanagans Jean Bethune verletzt raus musste, wähnten einige Fans eine Wende. Doch sein Ersatz, Freddie Aubin, brauchte nur eine halbe Stunde, um sich in die Torschützenliste einzutragen. In der 87. Minute verwandelte er nach feinem Zuspiel von Alexiou zum 1:4. Der Jubel war laut, aber längst routiniert - die Bulls hatten das Spiel da schon fest im Griff.

Und weil es offenbar noch nicht genug war, setzte Alexiou in der Nachspielzeit den Schlusspunkt. Nach einem steilen Pass von Rechtsverteidiger Xavi Gonzalez lief er allein auf Estevo zu und schob eiskalt ein. 1:5 - das war nicht mehr nur ein Sieg, das war eine Demonstration.

Die Wolves versuchten es in der Schlussphase noch mit ein paar halbherzigen Distanzschüssen - Michel Hawn prüfte den Okanagan-Keeper zweimal (71. und 76. Minute) -, doch wirklich gefährlich wurde es nicht. Vielleicht lag es an den drei Gelben Karten, die das Heimteam zwischen der 31. und 79. Minute sammelte, vielleicht auch an der taktischen Starrheit. Defensiv bleiben, kein Pressing - das mag im Lehrbuch stehen, aber gegen solche Bulls wirkt es wie eine Einladung zum Tanz.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit alles verloren - Struktur, Mut, wahrscheinlich auch ein bisschen Stolz", gab Sam Sorglos zu. Sein Name war an diesem Abend Programm. Auf der anderen Seite grinste Markus Merk: "Wir haben einfach weitergemacht. Die Jungs haben verstanden, dass ein Spiel 90 Minuten dauert."

Man könnte sagen, Trois Wolves spielten 45 Minuten Fußball und 45 Minuten Verstecken. Die Bulls dagegen zeigten, warum sie zu Recht zu den Favoriten der Liga zählen: variabel, zielstrebig, eiskalt. Jens Hennig war der auffälligste Mann des Abends, Alexiou der effektivste - zwei Tore, eine Vorlage, und das alles mit der Gelassenheit eines Schachspielers.

Die Fans der Wolves verließen das Stadion mit gesenkten Köpfen, während die wenigen mitgereisten Anhänger der Bulls noch minutenlang "Oka-na-gan!" riefen. Und irgendwo in der Mixed Zone soll Evan Crichton leise gesagt haben: "Wir führen 1:0 - und dann kommt dieser Sturm. Vielleicht sollten wir anfangen, Zäune zu bauen."

Schlusswort eines sarkastischen Chronisten: Wenn die Wolves weiter so passiv verteidigen, brauchen sie bald keine Trikots mehr, sondern Schutzhelme. Die Bulls dagegen haben an diesem Abend bewiesen, dass sie nicht nur Hörner, sondern auch Köpfchen haben.

22.07.643996 04:00
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Rainer Calmund
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