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Ein Pokalabend wie aus einem argentinischen Fußballroman: 44.413 Zuschauer im Estadio Azul y Blanco sahen, wie Ciclon San Lorenzo und Crema Rafaela sich über 120 Minuten lang nichts schenkten - und am Ende das Nervenspiel vom Punkt mit 7:5 für die Gastgeber endete. Trainer Eiko Henke grinste nach dem Schlusspfiff verschmitzt: "Ich hätte mir eine ruhigere Nacht gewünscht - aber wer will das schon im Pokal?" Dabei hatte alles nach einem klaren Heimsieg ausgesehen. In der ersten Halbzeit rollte der Ciclon tatsächlich wie ein Sturm über die Gäste hinweg. Innerhalb von vier Minuten erzielten Carl Eusebio (25.), Matias Camacho (28.) und Miguel Futre (29.) drei Tore, die den 3:0-Zwischenstand förmlich in die frische Abendluft hämmerten. Crema Rafaelas Keeper Joao Tonel brüllte seine Abwehr mehrfach an, aber die hörte offenbar lieber den lautstarken Fans von San Lorenzo zu. Erst kurz vor der Pause (41.) traf der unermüdliche Humberto Dominguez nach feiner Vorarbeit von Bruno Figo zum 1:3 - der Anschlusstreffer, der das Spiel am Leben hielt. "Da wussten wir, dass die Sache noch nicht vorbei ist", sagte Dominguez später mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Müdigkeit schwankte. Nach der Pause übernahm Crema Rafaela - taktisch offensiv eingestellt - das Kommando. 54 Prozent Ballbesitz und neun Abschlüsse zeigten, dass sie nicht gewillt waren, als Statisten nach Hause zu fahren. San Lorenzo hingegen blieb gefährlich über seine Flügel, wo der an diesem Abend fast hyperaktive Miguel Futre unermüdlich rackerte. Doch der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Und als in der 79. und 85. Minute erneut Humberto Dominguez zweimal zuschlug, stand es plötzlich 3:3. Der Pokalabend war endgültig zum Thriller geworden. Henke schimpfte an der Seitenlinie, warf eine Wasserflasche zu Boden und rief seinen Innenverteidiger Adrian Jemez zu sich: "Wenn du noch einmal so rausläufst, spiel ich selbst!" - kurz darauf holte Jemez sich Gelb ab (75.). Später wurde er ausgewechselt, vermutlich zu seiner eigenen Sicherheit. Doch sein Nachfolger Vitor Gonzalo hatte auch keinen ruhigen Abend: In der 119. Minute sah Diego Albentosa Gelb-Rot, und die Gastgeber mussten die Verlängerung in Unterzahl beenden. "Ich dachte, der Schiedsrichter will auch mal ins Rampenlicht", spottete Kapitän Eusebio nachher. Die Verlängerung brachte keine Entscheidung - auch wenn beide Teams noch Chancen hatten. Rafaelas Dominguez prüfte in der 99. Minute Torwart Javi Ximenes, der mit einer Glanztat den Rückstand verhinderte. Dann kam der Moment, vor dem jeder Fan zittert: Elfmeterschießen. Was dann folgte, war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Matias Camacho, der in der regulären Spielzeit noch getroffen hatte, verschoss als Erster für San Lorenzo. "Ich wollte zu schön treffen", murmelte er später zerknirscht. Doch sein Team rettete ihn: Carl Eusebio, Miguel Futre, Lionel Hermenegildo und der eingewechselte Ivan Henriquez verwandelten eiskalt. Auf der anderen Seite trafen Bruno Ronaldo und der junge Cesar Velasquez, doch Raphael Mertens und - ausgerechnet - Dreifach-Torschütze Humberto Dominguez scheiterten. Das Stadion explodierte, als Ximenes den letzten Ball parierte. Statistisch gesehen hätte Crema Rafaela vielleicht mehr verdient gehabt: mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, weniger Fouls. Doch Fußball ist kein Statistikseminar, und Pokalabende gehorchen ihren eigenen Gesetzen. "Wir haben heute mit Herz gewonnen, nicht mit Zahlen", resümierte Trainer Henke. Sein Gegenüber, der sichtlich niedergeschlagene Rafaela-Coach (dessen Name die Statistik leider verschluckte), meinte nur trocken: "Elfmeterschießen ist wie Roulette - nur dass wir diesmal die falsche Farbe hatten." Die Fans von San Lorenzo sangen noch lange nach Abpfiff, während die Spieler erschöpft, aber glücklich auf dem Rasen zusammenbrachen. Miguel Futre, Torschütze und späterer Elfmeterschütze, sagte mit einem breiten Grinsen: "Ich wusste, heute wird’s lang - ich hab extra zwei Bananen mehr gegessen." Und so endete ein Abend, der alle Zutaten eines Pokalepos hatte: drei schnelle Tore, ein Comeback, eine Gelb-Rote Karte, eine Verletzung, Tränen, Jubel - und das gute alte Elfmeterschießen, das Helden und Pechvögel in einem Atemzug erschafft. Ciclon San Lorenzo zieht in die vierte Runde ein, und die Fans werden noch ihren Enkeln erzählen, wie sie an jenem 31. März 2026 das Nervenflattern überlebten. Oder, wie es ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "Ich hab schon Herzrasen vom Einlaufen - aber für solche Nächte lebe ich." 21.07.643996 03:16 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, er ist DIN A4.
Dragoslav Stepanovic auf die Frage, wie sein neuer Vertrag in Frankfurt aussieht