A Bola
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Figueira verspielt 2:0 - Gondomar holt sich Punkt mit Wut im Fuß

Was war das denn bitte für ein Freitagabend in der 1. Liga Portugal? 16.000 Zuschauer in Figueira da Foz sahen ein Spiel, das zwei völlig verschiedene Gesichter zeigte: In der ersten Halbzeit war Figueira da Foz der charmante Gastgeber mit eiskaltem Abschluss, in der zweiten Halbzeit hingegen die überforderte Party-Crew, die den eigenen Vorsprung auf dem Silbertablett servierte. Am Ende hieß es 2:2 - und keiner wusste so recht, ob man sich freuen oder ärgern sollte.

Dabei hatte alles so gut angefangen. Schon nach 14 Minuten schickte Mario Bosingwa einen butterweichen Pass in den Lauf von Joao Vaz. Der 33-jährige Stürmer bedankte sich artig, schob den Ball an Gondomar-Keeper Max Rieger vorbei - 1:0. Der Jubel im Estádio Municipal war ohrenbetäubend. "Ich hab den Ball kaum gesehen, plötzlich war er im Netz", stöhnte Rieger später mit einem gequälten Lächeln.

Figueira blieb dran, spielte ruhig, fast überlegt. Die Zuschauer fühlten sich an die alten Zeiten erinnert, als Figueira noch regelmäßig um Europa mitspielte - oder es zumindest glaubte. In der 33. Minute dann das 2:0: Agemar Assis, sonst eher der Mann für die leisen Töne, schloss nach Vorarbeit von Vitor Peyroteo trocken ab. "Ich dachte, er schießt nie", zischte ein Fan hinter der Pressetribüne - und prompt zappelte der Ball im Netz.

Zur Pause sah alles nach einem gemütlichen Abend an der Atlantikküste aus. Doch was immer Gondomar-Coach Nils Muller in der Kabine sagte, es hatte Wirkung. "Ich habe ihnen nur erklärt, dass Fußball kein Strandspaziergang ist", grinste der Deutsche nach dem Spiel. Offenbar verstanden seine Spieler das als Weckruf.

Denn ab der 46. Minute rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Domingo Alves. Gondomar hatte am Ende unglaubliche 21 Torschüsse, während Figueira ganze vier zustande brachte - das nennt man wohl Effizienzverlust. In der 62. Minute machte der erst 22-jährige Nael Brito ernst. Nach einem Abpraller reagierte er am schnellsten und beförderte den Ball ins Netz - 2:1. "Da war einfach Instinkt", sagte Brito später, "und vielleicht ein bisschen Wut, weil wir bis dahin so gespielt haben wie eine Theatergruppe."

Figueira versuchte, das Spiel wieder zu beruhigen, aber die Beine wurden schwer. Faik Cakir kassierte in der 73. Minute noch Gelb, weil er sich über einen Einwurf aufregte, der nicht seiner Meinung nach war - sinnbildlich für die Nervosität der Hausherren.

Dann die 76. Minute: Pedro Tiago, der schon zuvor mehrfach gescheitert war, traf nach Vorarbeit von Ake Bruun endlich ins Schwarze. 2:2, und plötzlich war Gondomar dem Sieg näher als die Gastgeber. Trainer Muller raufte sich die Haare, weil seine Mannschaft noch mehrere Hochkaräter liegen ließ - aber am Ende nahm er das Remis mit. "Wir hätten zehn Minuten länger spielen müssen, dann wäre der Kaffee kalt, aber wir hätten gewonnen", meinte er süffisant in der Pressekonferenz.

Figueira-Trainer - der Name blieb ungenannt, vielleicht aus Selbstschutz - wirkte nach dem Abpfiff wie ein Mann, der gerade seine Sonnenbrille im Meer verloren hat. "Wir haben die Kontrolle verloren, als wir geglaubt haben, sie zu haben", murmelte er.

Das Publikum verabschiedete die Mannschaft mit höflichem Applaus, so wie man höflich klatscht, wenn ein Zaubertrick schiefgeht. Und ehrlich: viel fehlte nicht, dass Gondomar die komplette Show gestohlen hätte.

Statistisch gesehen war der Punkt für Figueira fast ein Wunder. 51,9 Prozent Ballbesitz für Gondomar, dazu mehr gewonnene Zweikämpfe, mehr Schüsse, mehr Biss. Nur die ersten 45 Minuten verhinderten, dass man den Abend als Lehrvideo für defensive Naivität archiviert.

Bleibt die Erkenntnis: Figueira kann glänzen - aber nur eine Halbzeit lang. Gondomar wiederum hat bewiesen, dass man auch ohne Glamour und mit etwas Wut im Bauch Punkte holen kann. Und während sich die Fans bei Sardinen und Bier über die vergebenen Chancen unterhielten, murmelte ein alter Herr auf der Tribüne: "So spielt man kein 0:2 mehr runter."

Vielleicht hat er recht. Und vielleicht war dieses 2:2 am Ende genau das, was beide verdient hatten - Figueira für seine Nachlässigkeit, Gondomar für seine Hartnäckigkeit.

Und irgendwo in der Kabine, so hört man, soll Joao Vaz gesagt haben: "Wenn wir das nächste Mal 2:0 führen, schießen wir lieber noch ein drittes - sicher ist sicher." Ein Satz, der in Figueira vermutlich noch lange nachhallen wird.

14.08.643996 18:21
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