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Livadia - Es gibt Fußballabende, an denen man lieber früher das Flutlicht ausschalten würde. Der 18. Spieltag der griechischen Superliga brachte einen solchen für Livadia FC: 0:6 hieß es am Ende gegen ein entfesseltes OFE Kreta. 27.000 Zuschauer sahen fassungslos zu, wie ihre Mannschaft sich von der kretischen Offensivwelle überrollen ließ - und das vom Anpfiff an. Bereits nach sechs Minuten klingelte es das erste Mal. Felipe Jemez, der kretische Mittelstürmer mit der Eleganz eines Tänzers und der Wucht eines Vorschlaghammers, verwertete eine butterweiche Vorlage von Manuel Da Cru zum 0:1. Livadias Torwart Josef Anderson reckte noch die Fingerspitzen, aber der Ball küsste bereits das Netz. "Ich dachte, wir hätten das Spiel unter Kontrolle - für die ersten fünf Minuten vielleicht", murmelte Livadia-Trainer Jorge Jesus später mit einem gequälten Lächeln. Die Gastgeber versuchten, sich zu sortieren, spielten ordentlich mit - 46 Prozent Ballbesitz, immerhin -, aber jeder Angriff der Gäste roch nach Gefahr. OFE Kreta schoss insgesamt 17 Mal aufs Tor, und fast jeder Versuch schien ein Bewerbungsvideo für den nächsten Champions-League-Scout. In der 42. Minute kam es noch dicker: Innenverteidiger Bruno Sterling, sonst mehr für Grätschen als für Glanz zuständig, köpfte nach Fernando Longas’ Flanke das 0:2. "Ich hab einfach die Augen zugemacht", grinste Sterling später. Offenbar war das die beste Entscheidung des Abends. Kurz vor der Pause folgte der Knock-out des ersten Durchgangs. Duarte Caneira, flink wie ein Wiesel, zog nach Pass von Vyron Stephanopoulos in die Mitte und schlenzte den Ball ins lange Eck. 0:3 zur Halbzeit - die Fans von Livadia FC suchten schon nach den Ausgängen, während die Spieler von Kreta sich lachend auf die Schulter klopften. In der Kabine muss Jorge Jesus wohl versucht haben, seine Männer mit lateinischem Donner zu wecken, aber das half nur kurz. Nach einer Stunde kombinierte sich Kreta erneut mühelos durch Livadias Defensive. Diesmal durfte Manuel Da Cru selbst vollenden, nachdem Minos Theodoridis das Spiel schnell verlagert hatte - das 0:4, die endgültige Entscheidung. Da Cru kommentierte trocken: "Wir wollten einfach Spaß haben mit dem Ball." Man merkte es. Die Gastgeber bemühten sich redlich. Serge Bettencourt prüfte in der 3. Minute und später noch einmal in Hälfte zwei den Keeper Kian Boutin, doch der französische Schlussmann der Gäste pflückte die Schüsse mit der Seelenruhe eines Mannes, der weiß, dass vorne ohnehin Tore fallen. Kreta blieb offensiv, blieb bissig, blieb einfach besser. In der 83. Minute legte wieder Felipe Jemez nach - diesmal nach feinem Zuspiel von Ktesias Salpingidis. Es war der Moment, in dem sich die Fans von Livadia nur noch mit Galgenhumor retteten. "Wenn schon, denn schon!", rief einer von der Tribüne, als Jemez in der Nachspielzeit sein drittes Tor und den 0:6-Endstand markierte. Wieder war Da Cru beteiligt, wieder sah Livadias Abwehr nur zu. Trainer Jeff Johnson von OFE Kreta zeigte sich nach dem Schlusspfiff ungewohnt bescheiden: "Das Ergebnis sieht klar aus, aber wir hätten noch effizienter sein können." Seine Spieler grinsten, als hätten sie gerade einen All-inclusive-Urlaub gewonnen. Und ganz ehrlich: Der Abend in Livadia fühlte sich wohl auch so an. Die Statistiken bestätigten, was jeder im Stadion sah: Kreta dominierte das Spiel in jeder Hinsicht. Mehr Ballbesitz (54 Prozent), mehr Torschüsse (17 zu 7), mehr Tempo, mehr Ideen. Selbst nach dem verletzungsbedingten Ausscheiden von Minos Theodoridis kurz vor Schluss blieb der Rhythmus der Gäste ungebrochen. Livadia-Coach Jorge Jesus hingegen wirkte nachdenklich. "Wir müssen wieder lernen, wie man verteidigt", sagte er, während hinter ihm ein Balljunge spöttisch fragte: "Oder wie man Tore schießt?" Jesus hob eine Augenbraue, dann lachte er kurz - was sollte er auch sonst tun an so einem Abend? Als das Flutlicht erlosch, verließen die Fans das Stadion mit einer Mischung aus Staunen und Resignation. OFE Kreta hatte gezeigt, wie moderner Offensivfußball aussieht: aggressiv, schnell, kompromisslos. Livadia FC dagegen muss sich fragen, ob Offensive wirklich die richtige Grundausrichtung ist, wenn man hinten Löcher so groß wie die Ägäis offen lässt. Und irgendwo in der Umkleide summte Felipe Jemez leise vor sich hin, während er den Spielball in die Tasche steckte - den ersten Hattrick seiner Saison. Für ihn war es ein perfekter Abend. Für Livadia ein Albtraum in sechs Kapiteln. Kurz gesagt: Kreta tanzte, Livadia taumelte - und das 0:6 war noch das freundlichste Urteil. 14.08.643996 09:17 |
Sprücheklopfer
Wir haben den Schriftzug in unserem Vereinslogo in 'Hosenscheißer 04' geändert. Wir konnten ein großes Sponsoringpaket mit einer Windelfirma schnüren.
Rudi Assauer