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Ein lauer Aprilabend in Lima, 20.000 Zuschauer, ein Fußballspiel - und am Ende ein kleines Desaster für die Gastgeber: Academia Lima ging mit 0:4 gegen Real Iquitos unter. Wer nur das nackte Ergebnis liest, mag an eine einseitige Partie denken - und tatsächlich war sie das auch, nur dass die Zahlen bei Ballbesitz (52 Prozent für Lima) den wahren Verlauf fast schon dreist verschleiern. Denn was nützt Ballbesitz, wenn man damit nichts anzufangen weiß? Genau diese Frage stellte sich wohl Trainer Torpedo Dimak von Real Iquitos nicht - seine Mannschaft spielte schnörkellos, effizient und mit einem Hauch von sadistischer Spielfreude. "Wir wollten Spaß haben", grinste Dimak nach dem Spiel, "und das haben wir. Zumindest wir." Schon in der 21. Minute begann das Unheil für Academia Lima: Michel Sorribas, der flinke Linksaußen, schlenzte den Ball nach Vorlage von Marcel Hartmann so präzise ins Netz, dass Torwart Esteban Mourino nur hinterherblickte - und vermutlich dachte: *Das war doch abseits, oder?* War es nicht. Drei Minuten später legte Sorribas nach, diesmal nach feinem Zuspiel von Javier Henrico. 0:2, und das Stadion verstummte. Trainer der Gastgeber - sichtlich bedient - schrie von der Seitenlinie Anweisungen, die seine Spieler offenbar für Vorschläge hielten. Zwar hatte Lima mehr Ballbesitz, aber das, was man daraus machte, war ungefähr so gefährlich wie ein Plastikmesser im Sturmgepäck. Zwei kümmerliche Torschüsse stehen am Ende auf dem Zettel des Stadionsprechers. Zur Pause wechselte Real Iquitos gleich dreifach, als wollte Dimak seinem Team noch ein bisschen frische Luft gönnen. Und siehe da: Gleich nach Wiederanpfiff (46.) traf Rechtsverteidiger Juan Pablo Rivilla zum 0:3. Ein Verteidiger! "Ich war selbst überrascht, dass ich so weit vorne stand", gab Rivilla später lachend zu. Vitorino Aguas hatte ihn wunderbar bedient - derselbe Aguas, der später noch selbst zum Abschluss kam. Während Academia Lima weiter versuchte, so etwas wie Struktur zu zeigen, schien Iquitos einfach Spaß am Spiel zu haben. Aguas wirbelte über den rechten Flügel, bekam in der 34. Minute Gelb für zu viel Begeisterung, und zog trotzdem weiter seine Kreise. "Ich wollte wenigstens eine Karte, wenn ich schon kein Souvenir bekomme", witzelte er nach der Partie. Und weil sich Geschichten manchmal selbst schreiben, war es eben jener Aguas, der in der 88. Minute den Schlusspunkt setzte - 0:4. Vorlage? Ausgerechnet Innenverteidiger Damian Meira, der nach vorn marschierte, als ob er heimlich Stürmer werden wollte. "Wir sind heute in der Realität angekommen", murmelte Limas Kapitän Hugo Cunha nach dem Spiel, während er sich in der Mixed Zone den Schweiß aus dem Gesicht wischte. "Ballbesitz gewinnt keine Spiele - Tore schon." Damit hatte er recht. Statistisch gesehen war Iquitos in fast allen entscheidenden Momenten überlegen: 18 Torschüsse zu 2, mehr Zielstrebigkeit, weniger Ballast. Ihre taktische Ausrichtung? Laut Daten: offensiv, langes Passspiel, kein Pressing - also quasi Fußball auf Minimalprinzip, aber maximaler Wirkung. Dimak Torpedo, der seinen Namen an diesem Abend alle Ehre machte, fasste es so zusammen: "Wir haben nicht gezaubert, wir haben einfach das Tor getroffen. Viermal." Auf die Frage, ob das Ergebnis schmeichelhaft sei, grinste er nur: "Für wen?" Die Fans von Academia Lima verließen das Stadion frühzeitig - einige in resignierter Stille, andere mit dem typischen galligen Humor: "Vielleicht war’s besser als Kino", meinte ein älterer Herr auf der Tribüne, "da weiß man wenigstens, wie’s ausgeht." Es bleibt ein Abend, an dem Real Iquitos alles richtig machte und Academia Lima alles falsch. Ein Spiel, das zeigt, dass Zahlen manchmal lügen, Tore aber nie. Und irgendwo in der Katakombe des Stadions soll ein frustrierter Balljunge gesagt haben: "Wenn wir den Ball schon so oft haben, sollten wir vielleicht auch mal was damit machen." Der Junge hat Zukunft - vielleicht als Trainer. Schlusswort? Wer 4:0 verliert, sollte sich nicht über die Statistik retten. Fußball bleibt kein Spiel der Prozentzahlen, sondern der Tore. Und Real Iquitos hat an diesem 19. Spieltag der 1. Liga Peru einfach vier sehr gute Argumente geliefert. 26.08.643996 04:32 |
Sprücheklopfer
Ich glaube, er ist DIN A4.
Dragoslav Stepanovic auf die Frage, wie sein neuer Vertrag in Frankfurt aussieht