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Mit einem späten Treffer hat der SC Verl am Freitagabend den VfL Stuttgart mit 2:1 (0:1) geschlagen und damit die 59.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion in einen kollektiven Freudentaumel versetzt. Es war ein Spiel, das man nicht unbedingt als Fußball-Lehrstück bezeichnen würde - eher als eine Mischung aus Geduldsspiel, Gedränge und einem Hauch von Chaos, das am Ende aber die richtige Seite belohnte. Die Gäste aus Stuttgart begannen mutig. Trainer Venni Mislintat hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, und das zahlte sich früh aus: In der 16. Minute nutzte Carl Derlei einen Moment kollektiver Verler Tiefschlafphase und schob überlegt zum 0:1 ein. "Der Ball kam genau richtig, und ich dachte mir: Wenn ich hier nicht treffe, fragt mich keiner mehr nach dem Spiel", grinste Derlei später. Verl war geschockt, aber nur kurz. Trainer Big Bang - ja, der heißt wirklich so - fuchtelte wild an der Seitenlinie und brüllte: "Mehr Mut, Männer! Ihr seid keine Schachfiguren!" Und tatsächlich: Seine Spieler begannen, das Spiel zu kontrollieren. 51 Prozent Ballbesitz klingen zwar nicht nach Dominanz, aber 17 Torschüsse sprechen für sich. Dass der Ball in der ersten Hälfte trotzdem nicht den Weg ins Tor fand, lag vor allem an Stuttgarts Keeper Samuel Edwards, der gleich mehrfach glänzend parierte. "Wir hätten mit 3:1 in die Pause gehen können", knurrte SC-Kapitän Sascha Kirsch. "Aber manchmal ist das Tor kleiner, als es aussieht." Nach dem Seitenwechsel kam Verl mit spürbar mehr Feuer zurück. Nur drei Minuten waren gespielt, als Innenverteidiger Edward Innes einen weiten Pass aus der eigenen Hälfte schlug - ein Befreiungsschlag, der sich als Maßvorlage entpuppte. Kirsch nahm den Ball auf, tanzte einen Verteidiger aus und schob in der 48. Minute zum 1:1 ein. Der Jubel war laut, aber die Erleichterung noch lauter. "Ich hab ihn nur reingestochert", behauptete Kirsch nach dem Spiel bescheiden. Trainer Big Bang grinste: "Wenn das reinstochern ist, will ich, dass er öfter stochert." Stuttgart wirkte nun verunsichert. Zwar kamen die Schwaben durch Vaz und Derlei noch zu einigen Abschlüssen, doch Torwart Jacob Mayer im Verler Kasten war aufmerksam. Die Gäste spielten weiter forsch - vielleicht zu forsch. Ryan Farnsworth holte sich in der 85. Minute noch eine Gelbe Karte ab, sinnbildlich für die zunehmende Hektik im Spiel der Stuttgarter. Dann kam die 86. Minute - und mit ihr ein junger Mann, der an diesem Abend zum Helden wurde. Marco Erdmann, erst in der 77. Minute eingewechselt, vollendete einen präzisen Pass seines Alterskollegen Kurt Bertram zum 2:1. Der Jubel? Grenzenlos. Erdmann selbst riss die Arme hoch, blickte ungläubig zur Bank und schrie: "Der war wirklich drin, oder?!" "Ich wusste, dass die Jungs heiß sind", sagte Big Bang später mit einem Lächeln, das man selten bei ihm sieht. "Aber dass die beiden U21-Spieler das Ding drehen - das ist schon Hollywood." Venni Mislintat hingegen wirkte nach Abpfiff angefressen: "Wir haben eigentlich ein ordentliches Auswärtsspiel gemacht, aber wenn du dich hinten raus so passiv verhältst, kriegst du halt den Nackenschlag." Seine Spieler schlichen kopfschüttelnd vom Platz - einer von ihnen murmelte: "Das war heute Lehrgeld." Die Statistiken untermauern den Verlauf: Verl hatte mehr Abschlüsse, leicht mehr Ballbesitz und gewann die Mehrzahl der Zweikämpfe (53,6 Prozent). Stuttgart dagegen setzte auf kontrollierte Offensive und kam auf immerhin sieben Schüsse aufs Tor - aber eben nur einen Treffer. In den Schlussminuten war das Spiel ein einziger Nervenkitzel. Die Stuttgarter warfen alles nach vorne, Keeper Edwards stürmte bei einer Ecke sogar selbst in den Strafraum, doch der Ball landete - natürlich - in den Armen seines Gegenübers Mayer. Der klammerte sich an die Kugel, als ginge es um die Meisterschaft, und brüllte: "Nicht heute, Jungs!" Nach dem Schlusspfiff tanzte die Verler Kurve, während Big Bang mit verschränkten Armen dastand und genüsslich auf die Anzeigetafel blickte. 2:1. Arbeitssieg? Vielleicht. Glücklich? Sicher. Verdient? Ohne Frage. "Am Ende gehören solche Spiele zum Erwachsenwerden einer Mannschaft", philosophierte der Coach in der Pressekonferenz. "Heute war’s kein Feuerwerk - aber manchmal reicht ein Funke." Und so ging ein Abend zu Ende, der mehr Spannung bot als manch Blockbuster. Verl jubelt, Stuttgart grübelt - und die Liga hat wieder eine dieser Geschichten, über die man am Montag noch beim Bäcker spricht. 14.08.643996 15:37 |
Sprücheklopfer
In der Mannschaft wissen natürlich alle, dass der Paul Breitner ein Arschloch ist, nur sagt es keiner offiziell.
Rudi Völler bei der EM 1988 über den Dauernörgler