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42389 Zuschauer auf dem ausverkauften Kiez sahen am Freitagabend ein Fußballspiel, das in den ersten sieben Minuten mehr Drama bot als so mancher Netflix-Thriller in einer Staffel. Am Ende hieß es 1:1 zwischen St. Pauli und dem 1. FC Magdeburg - ein Ergebnis, das beiden Teams irgendwie passte und gleichzeitig niemanden so richtig glücklich machte. Schon nach fünf Minuten bebte das Millerntor: Walter Hofer, der quirlig-linke Mittelfeldmotor der Braun-Weißen, zog nach feinem Zuspiel von Volker Klein ab - und der Ball zappelte im Netz. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nicht schießt, triffst du auch nicht", grinste Hofer später in die Mikrofone, während er sich noch den Schweiß von der Stirn wischte. Doch kaum hatten die Fans den Torjubel beendet, kam die kalte Dusche. In der siebten Minute schlug Magdeburg zurück - und das in Person des jungen Tomasz Blume, der mit seinen 21 Jahren noch aussieht, als würde er eher Mathe-Abi als Bundesliga spielen. Nach Pass von Routinier Luis Wegener drosch Blume den Ball kompromisslos unter die Latte. 1:1, und die Partie war wieder offen. "Ich hab’s gar nicht gesehen, der Ball war einfach plötzlich da", murmelte St. Paulis Keeper Uri Colautti, der ansonsten einen ordentlichen Abend erwischte. Danach ging’s munter weiter: Gelbe Karten flogen fast so früh wie die Pappbecher. Magdeburgs Karsten Maass sah in der 19. Minute Gelb, eine Minute später revanchierte sich St. Paulis Xabi Mudarra - ganz im Geiste der Gleichberechtigung. Und als Martin De Both (28.) auch noch in den Notizblock des Schiedsrichters wanderte, sah Magdeburgs Trainer Daniel Stoll genervt zur Bank: "Wenn das so weitergeht, brauchen wir bald Ersatzleute mit Führerschein fürs Tackling." Die Statistiken zeigten ein ausgeglichenes Bild: Magdeburg hatte mit 52 Prozent leicht mehr Ballbesitz, St. Pauli dafür 15 Torschüsse zu verzeichnen - die Gäste kamen auf zehn. Doch so richtig zwingend wurde es selten. "Das war viel Mittelfeldgeplänkel mit gelegentlichem Adrenalinausbruch", kommentierte ein Fan auf der Haupttribüne trocken. Kurz vor der Pause dann Aufregung: Urban Iversen, St. Paulis erfahrener Flügelmann, prüfte Magdeburgs Keeper Oscar Aldecoa gleich mehrfach (22., 27., 31.). Der Spanier im Magdeburger Tor wischte alles weg, was kam - und sah dabei aus, als hätte er noch Zeit, über das Abendessen nachzudenken. In der zweiten Halbzeit wurde die Partie ruppiger. Magdeburg wechselte gleich dreifach zur Pause - Trainer Stoll wollte "mehr Stabilität und weniger Kamikaze", wie er es später nannte. Doch St. Pauli blieb gefährlich: Joseph Barthez (65.) und Walter Hofer (63.) ließen beste Chancen liegen. "Wenn wir das zweite machen, geht hier das Flutlicht kaputt vor Freude", meinte Trainer Gustav Holzhauer halb lachend, halb fluchend. Magdeburg konterte über den pfeilschnellen Torsten Weis, der in der 52. Minute nur knapp scheiterte. Pech für ihn: Zehn Minuten vor Schluss verletzte er sich bei einem Sprintduell und musste behandelt werden. Trainer Stoll wirkte besorgt, aber gefasst: "Torsten läuft sich sonst auch durch eine Wand, diesmal hat die Wand gewonnen." In der Schlussphase warfen beide Teams noch einmal alles rein. St. Pauli brachte den jungen Albert Ze Castro (71.) und später Joel Cabell (90.), doch zählbarer Ertrag blieb aus. Stattdessen gab’s noch eine Gelbe für Pauli-Verteidiger Pau Frechaut (74.) - und eine Menge Nervenkitzel. Volker Klein hätte in der 89. Minute fast den Sieg besorgt, sein Schuss strich aber Zentimeter am Pfosten vorbei. Nach dem Abpfiff standen sich beide Trainer lange die Hände schüttelnd gegenüber - fast so, als wollten sie sagen: "Na gut, dann teilen wir uns die Punkte halt." Holzhauer bilanzierte: "Wir haben offensiv gedacht, defensiv gelitten und am Ende beides überlebt." Stoll dagegen lobte seine Jungs: "Nach dem frühen Schock haben wir Charakter gezeigt. Auch wenn wir uns manchmal selbst im Weg standen." Ein 1:1 also, das keiner Partei weh tat, aber wohl auch niemanden wirklich nach Hause tanzen ließ. Die Zuschauer auf dem Kiez nahmen’s mit Humor - wie so oft. "War wie ein Astra - prickelnd am Anfang, dann schnell abgestanden", witzelte ein Fan beim Verlassen des Stadions. Und am Ende bleibt die Erkenntnis: Fußball kann manchmal in sieben Minuten entschieden - oder eben verschenkt - werden. Der Rest ist dann, wie Trainer Holzhauer sagte, "nur noch Theater mit Ball". 24.08.643996 11:21 |
Sprücheklopfer
Wir werden uns zu einer Krisensitzung zusammensetzen, weil wir nur 4:2 gegen den VfB gewonnen haben.
Oliver Kahn