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43500 Zuschauer im Estadio Municipal Taquari erlebten am Freitagabend ein Spiel, das man so oder so ähnlich in die Kategorie "Pflichtsieg mit Stil" einsortieren darf. CF Taquari besiegte Deportivo Olimpia mit 2:0 - und das schon zur Pause. Danach wurde mehr verwaltet als gezaubert, aber immerhin: Das Publikum ging zufrieden nach Hause, und Trainer Tim Thaler hatte wieder Anlass, seinen berühmten "Alles-läuft-nach-Plan"-Blick aufzusetzen. Von Beginn an zeigte Taquari, dass "offensiv" bei ihnen nicht nur ein Taktik-Schlagwort ist, sondern Lebensmotto. Francisco Tristan, der flinke Rechtsaußen, hatte bereits nach 13 Minuten seinen großen Moment. Nach einem butterweichen Pass von William Depoorter (der später stolz meinte: "Ich hab den Ball einfach da hingelegt, wo Francisco ihn haben wollte - also ins Glück") schlenzte Tristan den Ball unhaltbar ins lange Eck. 1:0 - und die Tribünen bebten. Olimpia dagegen begann zwar mit mehr Ballbesitz (am Ende 51 Prozent), aber weniger Ideen. Ihr Trainer, der sich nach Abpfiff in Schweigen hüllte, dürfte sich spätestens nach 20 Minuten gefragt haben, ob seine Mannschaft noch im Bus sitzt. Sechs Torschüsse in 90 Minuten - das ist in etwa so, als würde man in einem Steakhaus einen Salat bestellen und sich dann wundern, dass man nicht satt wird. Die Heimmannschaft dagegen schoss aus allen Lagen: 20 Mal feuerten die Männer in Blau, häufig angeführt von Carlos Deco, der mehr Kilometer lief als so mancher Marathonläufer. Thaler kommentierte trocken: "Wenn der Junge noch trifft, muss ich ihm das Laufen verbieten, sonst rennt er mir noch bis nach Asunción." Das zweite Tor fiel in der 42. Minute - und es war schön, dass es fiel, bevor der Schiedsrichter zur Pause pfiff. Jose Enrique Galindo, der schon vorher auffällig quirlig wirkte, zog nach einem präzisen Zuspiel von George Dennehy ab. Der Ball zischte wie ein geölter Blitz über den Rasen und schlug im rechten Winkel ein. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Galindo nach dem Spiel, "der Ball hat den Rest gemacht." Mit dem 2:0 zur Halbzeit war die Sache eigentlich entschieden. Thaler wechselte noch vor dem Pausenpfiff zweimal: Der erst 18-jährige Arnaldo Pietro kam für den leicht angeschlagenen Tristan, und Ernst Uggla ersetzte Dennehy im Mittelfeld. Uggla später: "Ich dachte, ich soll das Spiel beruhigen - und das hab ich dann eben sehr gründlich gemacht." Man könnte sagen, er hielt Wort: Die zweite Halbzeit verlief so ruhig, dass selbst die Stadionkatze kurz auf dem Spielfeld döste. Trotzdem, langweilig war es nicht. Taquari blieb offensiv, aber weniger zielstrebig. Ein paar Schüsse verfehlten das Ziel, einige landeten in den Armen von Olimpia-Keeper Jordi Suero, der mit glänzenden Paraden wenigstens das Ergebnis im Rahmen hielt. Seine Verteidigung allerdings war oft nur Zuschauer - und das nicht im guten Sinne. In der 58. Minute sah Taquaris Rechtsverteidiger Sergio Derlei Gelb, nachdem er einen der seltenen Olimpia-Konter rustikal beendete. "Ich wollte nur Hallo sagen", lachte er später. Der Schiedsrichter sah das anders. Die letzten 20 Minuten waren dann eine Art Schaulaufen. Olimpia schien sich mit dem Schicksal abgefunden zu haben, Taquari testete noch ein paar Schusswinkel, und das Publikum sang sich in den milden Aprilabend hinein. Als der Schlusspfiff ertönte, stand das 2:0 sicher wie ein Fels in der Statistik. Die Zahlen unterstreichen das Bild: 20:6 Torschüsse, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Taquari - auch wenn der Ballbesitz leicht bei Olimpia lag. Der Unterschied lag in der Entschlossenheit, nicht im Prozentwert. Trainer Thaler fasste zusammen: "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause den Ton angeben. Das war heute kein Spektakel, aber effektiv. Und ehrlich gesagt - mir ist 2:0 lieber als 5:4." Vielleicht hatte er recht. CF Taquari bleibt mit diesem Sieg in der Spitzengruppe der paraguayischen Liga, während Olimpia sich ernsthafte Gedanken über Kreativität und Zielwasser machen sollte. Zum Schluss noch ein kleines Bild: Als die Spieler in die Kabinen gingen, klopfte Francisco Tristan seinem jungen Ersatzmann Pietro auf die Schulter und sagte: "Nächstes Mal darfst du anfangen - wenn du mir vorher beibringst, wie man mit 18 so ruhig bleibt." Pietro grinste nur. Vielleicht das schönste Symbol des Abends: ein routinierter Stürmer, der den Staffelstab weiterreicht - und ein Verein, der weiter an sich glaubt. Ein Pflichtsieg also, ja. Aber einer mit Herz, Humor und einem Schuss Hoffnung, dass Taquari in dieser Saison noch einige solcher Abende feiern darf. 14.08.643996 11:53 |
Sprücheklopfer
In der Mannschaft wissen natürlich alle, dass der Paul Breitner ein Arschloch ist, nur sagt es keiner offiziell.
Rudi Völler bei der EM 1988 über den Dauernörgler