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Es gibt Fußballabende, an denen man schon nach einer halben Stunde ahnt: Das wird kein Duell, das wird eine Demonstration. Der Samstagabend im Stuttgarter Stadion war genau so einer. 53.866 Zuschauer sahen beim 3:0 des VfL Stuttgart gegen die SG Vegesack eine erste Halbzeit, die man so auch als Bewerbungsvideo für Offensivfußball einreichen könnte - und eine zweite Halbzeit, in der die Gastgeber die Füße ein wenig hochlegten, ohne dabei auch nur einen Moment die Kontrolle zu verlieren. Trainer Sebi Hoeneß hatte sein Team mit offenem Visier ins Spiel geschickt. "Wir wollten früh Druck machen, über die Flügel kommen und Vegesack gar nicht erst ins Atmen bringen", erklärte er nach dem Spiel mit einem Grinsen, das ungefähr so breit war wie das Spielfeld. Gesagt, getan: Schon nach wenigen Minuten rollten die Angriffswellen in Richtung des überforderten Vegesacker Strafraums. In der 24. Minute war es dann soweit: Miguel Nani, der rechte Wirbelwind im Stuttgarter Sturm, verwertete eine butterweiche Flanke von Rutger Schaffer zum 1:0. Der junge Schaffer (21) hatte überhaupt einen Glanztag erwischt - er war an zwei Toren direkt beteiligt und rannte, als hätte ihn jemand an eine Steckdose angeschlossen. "Ich hab einfach Spaß am Ball", grinste er später in die Mikrofone, "und wenn Miguel dann so läuft, muss man ihm das Ding ja nur noch servieren." Vegesack versuchte sich währenddessen in Schadensbegrenzung, meist vergeblich. Der Ballbesitz war mit 51 zu 49 Prozent zwar fast ausgeglichen, aber das war eine der irreführenden Statistiken dieses Spiels. Die Gäste schafften gerade einmal drei Torschüsse, während Stuttgart ganze 23 notieren ließ - und das mit einer Leichtigkeit, die an Trainingsspiel erinnerte. In der 39. Minute folgte der zweite Streich: Wieder Schaffer, diesmal mit einem Pass in die Tiefe, Gleb Schalimow mit einem trockenen Abschluss - 2:0. "Da hab ich gar nicht groß nachgedacht", sagte der bullige Mittelstürmer später, "ich wollte einfach nur hören, wie’s im Netz raschelt." Vier Minuten später war dann endgültig Feierabend für Vegesack: Linksverteidiger Rafael Bermudo, sonst eher fürs Zerstören zuständig, tauchte aus dem Nichts im Strafraum auf und wuchtete den Ball nach Vorarbeit von Maxim Tillman zum 3:0 ins Eck. Es war das erste Saisontor des Verteidigers, und entsprechend ausgelassen jubelte er. "Ich hab’s schon im Training mal versucht", lachte Bermudo, "aber da ging der Ball meistens auf die Tribüne. Heute war’s halt das richtige Timing." Zur Pause wechselte Hoeneß durch - Schalimow durfte duschen, Nachwuchsstürmer Ingvar Abramson kam. Und auch bei Vegesack musste der 17-jährige Elias Moeller nach einer Verletzung runter, ein bitteres Debüt für den jungen Außenverteidiger. "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes", sagte Trainer Christian Lehmann, der in der zweiten Halbzeit zunehmend ratlos an der Seitenlinie stand. "Wir wollten eigentlich offensiv bleiben, aber Stuttgart hat uns nicht gelassen." Die zweite Hälfte plätscherte dahin - Stuttgart verwaltete, Vegesack versuchte, ohne weiteren Schaden davonzukommen. Abramson hatte noch drei gute Chancen (52., 74., 93.), aber Tor Nummer vier wollte nicht mehr fallen. Stattdessen kassierte Vegesacks Hansen Van Vechten in der 82. Minute noch Gelb, vermutlich auch aus Frust, dass er den Ball häufiger hinterherlaufen musste, als ihm lieb war. Die Zuschauer nahmen es mit Humor. "Das war heute Fußball zum Genießen", sagte ein Fan mit Schal im Nacken, während er sein letztes Bier austrank. Und so war es auch: Stuttgart spielte erwachsen, dominant, präzise - und hatte doch immer wieder Raum für kleine Kunststücke, die das Publikum zum Raunen brachten. Christian Lehmann blieb nach Abpfiff nur der sportliche Anstand. "Wir wurden überrollt. Das war heute ein Klassenunterschied - leider in jeder Hinsicht." Dann drehte er sich um und verschwand in die Kabine, während auf der anderen Seite Hoeneß seine Spieler mit Schulterklopfern verabschiedete. Was bleibt? Drei Tore in 45 Minuten, eine Abwehr, die nie ernsthaft gefordert war, und ein Heimteam, das selbstbewusst Richtung obere Tabellenhälfte marschiert. Wenn es bei Stuttgart so weiterläuft, wird man im Schwabenland bald wieder von Europa träumen dürfen. Und Vegesack? Nun, die werden sich trösten müssen - vielleicht mit der Erkenntnis, dass man gegen einen Gegner in dieser Form einfach keinen Stich sieht. "Wir nehmen das sportlich", sagte Kapitän Michel Diez zum Abschied, "und hoffen, dass Stuttgart nächste Woche auch mal so gegen unsere Konkurrenten spielt." Ein Satz, der sowohl ehrlich als auch leicht verzweifelt klang - und den man nach diesem Abend gut verstehen konnte. 05.09.643996 07:29 |
Sprücheklopfer
Wenn ich aber nur daran denke, dass seine Frau, dieses Spice Girl, auch mitkäme! Das wäre schön für die Medien, aber nicht für uns. Das Theater brauche ich nicht.
Uli Hoeneß über eine mögliche Verpflichtung von David Beckham